Tschechen in der Normandie

06-06-2019

Vor 75 Jahren landeten 150.000 alliierte Soldaten an den Küsten der Normandie. Zum Gedenken treffen sich Veteranen und Politiker zu mehreren Festakten. Aber nicht nur sie.

75. Jahrestag des D-Days (Foto: ČTK / AP Photo / Thibault Camus)75. Jahrestag des D-Days (Foto: ČTK / AP Photo / Thibault Camus)

Vor 75 Jahren landeten 150.000 alliierte Soldaten an den Küsten der Normandie (Foto: Wikimedia Commons, Public Domain)Vor 75 Jahren landeten 150.000 alliierte Soldaten an den Küsten der Normandie (Foto: Wikimedia Commons, Public Domain) Der 75. Jahrestag des D-Days in Westeuropa wird auf der höchsten politischen Ebene gefeiert. Neben Staats- und Regierungschefs sind aber auch zahlreiche Mitglieder von Vereinen für Militärgeschichte in die Normandie gereist, um an die Ereignisse vom Juni 1944 zu erinnern. Das Camp Portland nahe der bekannten Omaha Beach, an der die Landung erfolgte, hat sich in den letzten Tagen in ein richtiges Feldlager verwandelt. Die größte Gruppe unter den Armee-Begeisterten kommt aber nicht aus England, Frankreich oder den USA, sondern aus Tschechien. Mehr als hundert Personen sowie dreißig Militärfahrzeuge sind aus dem westböhmischen Plzen / Pilsen angereist. Sie starten jeden Tag mit einem Appell, bei dem die tschechische Flagge gehisst wird.

Rudolf Bayer ist Vorsitzender des Military Car Clubs aus Pilsen. Er ist bereits zum vierten Mal bei den Feiern in der Normandie:

Vojtěch Kasák und Rudolf Bayer (Foto: Martin Balucha, Archiv des Tschechischen Rundfunks)Vojtěch Kasák und Rudolf Bayer (Foto: Martin Balucha, Archiv des Tschechischen Rundfunks) „Es ist toll. Überall bewegen sich historische Fahrzeuge, die Menschen tragen zeitgemäße Kleidung, und die Atmosphäre ist super. Gerade sind vier Herkules-Maschinen über uns hinweggetost. Es fliegen hier auch Chinook-Flugzeuge, Amerikaner und Engländer üben hier. Es gibt wirklich viel zu sehen.“

Die Tschechen aus Pilsen sind in einem Jeep Willys aus dem Jahr 1943 unterwegs. Ein weiteres Mitglied des Vereins ergänzt seinen Kollegen:

„Wir fahren in die Stadt Carenton, wo ein Absprung der Fallschirmjäger nachgestellt wird. Etwa 120 Fallschirmspringer sollen dort aus sieben Dakota-Maschinen abgesetzt werden. Unter ihnen ist sogar ein 93-jähriger Veteran der 101. US-Luftlandedivision.“

Und Vojtěch Kašák beschreibt die Atmosphäre:

„In Tschechien ist es etwas Besonderes, wenn man auf der Straße einem Fahrzeug aus dem Zweiten Weltkrieg begegnet. Bei den Feierlichkeiten in der Normandie ist es wiederum außergewöhnlich, wenn einem ein ziviles Auto entgegenkommt.“

 

Jiří Rajlich (Foto: Alžběta Švarcová, Archiv des Tschechischen Rundfunks)Jiří Rajlich (Foto: Alžběta Švarcová, Archiv des Tschechischen Rundfunks) An den Kämpfen im Frühjahr 1944 in Frankreich haben auch tschechoslowakische Freiwillige bei der Royal Air Force (RAF) teilgenommen. Sie waren in drei Jagd- sowie einer Bomberstaffel im Einsatz. Die Aufgabe der Jäger war es, die landenden Einheiten der westlichen Alliierten zu schützen, wie Militärhistoriker Jiří Rajlich gegenüber dem Tschechischen Rundfunk beschrieben hat:

„Die tschechoslowakischen Piloten starteten vom ersten Tag an mehrere Male täglich von Chichester in Südengland zu den Stränden in der Normandie, um vor allem britische und kanadische Truppen vor Angriffen der deutschen Luftwaffe zu schützen. In drei Fällen haben sie gegen Deutsche gekämpft, die versuchten, die Landungsküste zu anzufallen, und in allen drei Fällen haben sie gesiegt. Die tschechoslowakischen Piloten haben keine eigene Maschine verloren und drei Maschinen des Feindes außer Betrieb gesetzt.“

Die Bomberstaffel sollte wiederum den Luftraum über dem Ärmelkanal schließen, sie hat dabei ein U-Boot versenkt.

Dem Historiker zufolge sind bei den Kämpfen in der Normandie bis 3. Juli 1944 sechs tschechoslowakische Piloten ums Leben gekommen.

06-06-2019