Tragische Orte der Geschichte – Schüler erforschen historische Ereignisse

13-05-2010

Die Zeit des Kommunismus hat jahrzehntelang eine offene Geschichtsforschung in der Tschechoslowakei unmöglich gemacht. So haben sich in der öffentlichen Meinung viele Stereotypen erhalten. Die tschechische Bürgerinitiative Antikomplex versucht seit mehr als zehn Jahren, vor allem das einstige Zusammenleben zwischen Tschechen und Deutschen zu beleuchten. Im vergangenen Jahr initiierte sie ein historisches Forschungsprojekt, der Titel: „Tragische Orte der Erinnerung“. Das Besondere daran: Gymnasiasten waren hier die Forscher. Die Ergebnisse fasst eine Ausstellung in Ústí nad Labem / Aussig zusammen. Zu dem Projekt ein Gespräch mit Ondřej Matějka, dem Leiter von Antikomplex.

Ausstellungsplakat „Tragische Orte der Erinnerung“Ausstellungsplakat „Tragische Orte der Erinnerung“ Herr Matějka, in den nächsten Wochen ist in Ústí nad Labem eine Ausstellung zu sehen, die tragische Orte der Erinnerung der Gegend zeigt. Das Ganze beruht auf einem Projekt mit 80 Schülern von vier Gymnasien in Nordböhmen. Wonach haben die Schüler geforscht?

„Sie haben nach tragischen Orten der Erinnerung geforscht. Das heißt, sie haben konkrete Orte der Erinnerung in ihrer Umgebung gesucht und die Geschichte, die mit ihnen verbunden ist. Das sind aber keine allgemein bekannten Orte wie Denkmäler, sondern zum Beispiel ein Lager jüdischer Mischlinge aus dem Zweiten Weltkrieg. Dazu haben sie Dokumente und Zeitzeugen ausfindig gemacht. Ein anderes Beispiel sind die Überreste eines Massengrabes, in dem 1947 die Leichen deutscher Opfer gefunden wurden. Es waren zum Teil Opfer der Nachkriegsmassaker in Postelberg. Die Idee war, konkrete Orte und die dazugehörige Geschichte in der Heimatstadt zu suchen.“

Was wussten denn die Schüler vor Beginn des Projektes über die Geschichte vor Ort?

„Sie haben eigentlich kaum etwas darüber gewusst. Diese Zeit wird allgemein in der Schule relativ wenig behandelt, weil man es in der Regel zeitlich nicht schafft. Was die Nachkriegsereignisse angeht: Die sind im öffentlichen Bewusstsein kaum verankert.“

Die Schüler brauchten sicher auch fachliche Beratung. Wer hat das übernommen?

„Das haben wir gemacht, also die Bürgerinitiative Antikomplex. Zudem haben wir einen externen Experten zu Rate gezogen, den Historiker Adrian von Arburg. Er ist für die Kriegs- und Nachkriegszeit einer der besten Experten. Er hat uns auch Quellen und Dokumente bereitgestellt.“

Neuhammer im Erzgebirge (1923)Neuhammer im Erzgebirge (1923) Aus den Forschungsergebnissen ist nun eine Ausstellung entstanden. Sie soll auch ins Ausland wandern, damit dürfte besonders Deutschland gemeint sein…

„Genau. Wir haben vor allem an die deutschsprachigen Länder gedacht, weil die zweite Sprache der Ausstellung Deutsch ist.“

Das heißt, die Ausstellung in Ústí ist zweisprachig?

„Im Moment noch nicht, aber in wenigen Wochen wird sie zweisprachig sein.“

13-05-2010

Karel Gotts größter Hit (mehr...)