Trabi-Vierbeiner im Garten der deutschen Botschaft Prag enthüllt

21-02-2002

Von Jitka Mladkova.

David Cerny: Trabi-Vierbeiner (Foto: CTK)David Cerny: Trabi-Vierbeiner (Foto: CTK) In der Delegation von Bundesaußenminister Joschka Fischer war u.a. auch Staatsminister Christoph Zöpel. Während der erstere um 17 Uhr interessierten Journalisten Rede und Antwort stand, kam dem Staatsminister eine besondere Aufgabe zu. Auf dem Gelände der deutschen Botschaft in Prag, von Journalisten quasi unbeachtet, enthüllte er eine altneue Statue. Altneu deshalb, weil sie hier schon vorher eine Zeit lang gestanden hatte, in Plastik- bzw. Latexgestalt. Einige von Ihnen, liebe Hörerinnen und Hörer, wissen bereits, welches Kunstwerk ich meine: einen Trabi auf vier massiven Elefantenbeinen, der in der Werkstatt des 34-jährigen Prager Künstlers David Cerny das Licht der Welt erblickte. Derselbe Künstler hat nun sein Werk verewigt, indem er einen Abguss in Bronze anfertigte. Er soll an die bewegten Tage im Herbst 1989 erinnern, als Tausende Bürger der damaligen DDR nach Prag strömten und eben hier auf dem Gelände der deutschen Botschaft Zuflucht suchten. Sein ursprünglicher Standort, wo das Kunstobjekt zum ersten Mal im Juli 1990 der Öffentlichkeit als ein Open-Air-Objekt mit dem Namen Quo vadis präsentiert wurde, war der Altstädter Ring in Prag. Über die Installierung seines Werkes sagte David Cerny gegenüber Radio Prag:

"Niemand hat davon Notiz genommen, dass ich es auf dem Altstädter Ring am Tag der Währungsunion in Deutschland platziert habe. Die einzige Zeitung, die darüber schrieb, war die New York Times."

David Cerny: Trabi-Vierbeiner (Foto: CTK)David Cerny: Trabi-Vierbeiner (Foto: CTK) Welche Symbolik der in Richtung der historischen Altstädter Rathausuhr schreiten wollende Trabi-Vierbeiner in sich barg, wollte uns Cerny nicht sagen. Doch Interpretationen gab es anschließend eine ganze Menge, wie bei jedem anderen Kunstwerk, das der wohl bekannteste tschechische Künstler der jüngeren Generation in der Folge schuf - seien es seine schwarzen Monsterbabys auf dem Prager Fernsehturm, der Hl. Wenzel auf einem Pferdekadaver, ein aus Baukastensteinen zusammengesetzter Jesus u.a. Alle seine Ideen - so sagte er uns - würden im Bruchteil einer Sekunde entstehen, entweder unmittelbar vor dem Schlafen, oder vor dem Erwachen. So sei es auch im Fall seines mit Beinen versehenen Trabis gewesen. David Cerny, der sich nach seinen eigenen Worten als Europäer, doch leider mit einem tschechischen Pass fühlt, fragten wir, ob seiner Meinung nach der Garten der deutschen Botschaft in Prag ein adäquater Standort für sein Bronzestandbild sei. Er sei sich nicht sicher, ob es nicht da steht, um nicht gesehen zu werden, antwortete Cerny auf die ihm eigene Art und Weise und - wie fast immer - lachte er dabei.

21-02-2002