Tomáš Halík erhält Preis für bestes theologisches Buch in Europa

In traditionellen religiösen Kontexten kann man viel von der Geduld Gottes mit den Menschen lesen und hören. „Geduld mit Gott“ heißt das Essay-Buch des tschechischen Religionsphilosophen und Theologen Tomáš Halík. Für sein Buch wird Halík am Donnerstag den Preis für das beste europäische theologische Buch der Jahre 2009-2010 entgegennehmen.

Tomáš Halík (Foto: ČTK)Tomáš Halík (Foto: ČTK) Der Preis für das beste theologische Buch in Europa wird beim Jahreskongress der Europäischen Gesellschaft für Katholische Theologie in Wien verliehen. Tomáš Halík ist in Tschechien ein geschätzter und viel gelesener Autor von Büchern mit christlicher Thematik. Möglicherweise könne dies daran liegen, dass er oft über seinen nicht einfachen Glaubensweg schreibe, so Halíks Selbsteinschätzung. Während des Kommunismus arbeitete er als Psychotherapeut, zum Priester wurde er 1978 geheim geweiht. Seine Bücher konnten nur dank seiner persönlichen Erfahrung entstehen, meint er. Dort, wo die Tradition unterbrochen wurde, kann man nicht nahtlos anknüpfen. Bei der Suche nach dem eigenen Glauben sollte man Halík zufolge in die Tiefe gehen. Warum gerade sein Buch „Geduld mit Gott“ so gefragt ist? Professor Halík:

„Das wäre eher eine Frage für meine Leser im Ausland. Aber ich war auch schon durch den Erfolg des Buchs in unserem Land überrascht. Es ist erstaunlich, dass meine Bücher mit spirituellen Essays zu Bestsellern in Tschechien wurden, das als ein atheistisches Land bezeichnet wird. Dann kam die zweite Überraschung, dass meine Bücher auch im sogenannten ´katholischen Polen´ Erfolg hatten. Es folgten Übersetzungen in neun weitere Sprachen.“

Das Buch „Geduld mit Gott“ entstand im Auftrag des amerikanischen Verlags Doubleday und wurde in den USA zum Buch des Monats gewählt. Als Veröffentlichung aus einem Land, das als sehr atheistisch wahrgenommen wird, macht es bereits mit dem Titel neugierig.

„In der Begründung für die Verleihung des Preises steht, dass meine Bücher in der Lage sind, auch die ´Nicht-Christen´ und Suchenden anzusprechen. Viele theologische Bücher, die heute erscheinen, sind akademische Bücher für Spezialisten. Daneben gibt es eine Art Volksliteratur für die Frommen. Aber ich schreibe für Leute, die suchen. In der ganzen westlichen Welt ist die Zahl der Christen, die sich gänzlich mit der Kirche, deren Doktrin und Praxis identifizieren, gesunken. Aber auch die Zahl der überzeugten Atheisten ist niedriger geworden. Es gibt immer mehr Suchende und ich möchte sie ansprechen. Ich habe angefangen mit dem Symbol von Zachäus, dem Zöllner aus dem Lukas-Evangelium, der Jesus aus der Ferne beobachtet hatte. Jesus kam zu ihm und hat ihn mit seinem Namen gerufen. Ich einem Vortrag im tschechischen Parlament sagte ich einmal: ´Die Geschichte von Zachäus ist ein Gleichnis für die Situation der Kirche in unserem Land.´ Als die Kirche nach dem Kommunismus erstmalig die Gelegenheit hatte, sich im öffentlichen Raum zu präsentieren, haben die Christen gesehen, dass sie damals viele Sympathisanten hatten. Die Kirche hat die vielen ´Zachäus´ von heute aber übersehen. Jesus hatte zu Zachäus gesagt, er wolle in seine Nähe treten, sein Haus besuchen. Und dies hat die Kirche bei uns nach der Wende nicht getan. Ich halte es für meine persönliche Berufung, diese Leute anzusprechen. Und das mache ich mit meinen Büchern.“

In Deutschland erscheint das Buch „Geduld mit Gott“ beim Herder Verlag mittlerweile in vierter Auflage. Tomáš Halík hat mit dem Verlag unterdessen einen Vertrag für die Übersetzung seiner anderen Bücher abgeschlossen.