Test in Tschechien: Abschnittskontrolle effektiv gegen Raser

03-03-2020

Auch hierzulande ist überhöhte Geschwindigkeit die wohl häufigste Ursache für Verkehrsunfälle. Doch den Rasern ist nur schwer beizukommen. Nun wurde im Städtchen Říčany nahe Prag das System der sogenannten Abschnittskontrolle intensiv getestet. Und die dazugehörige tschechisch-deutsche Studie spricht von einem deutlichen Erfolg.

Říčany (Foto: Pavel Pavlas, Archiv des Tschechischen Rundfunks)Říčany (Foto: Pavel Pavlas, Archiv des Tschechischen Rundfunks)

Vladimír Kořen (Foto: Tomáš Pancíř, Archiv des Tschechischen Rundfunks)Vladimír Kořen (Foto: Tomáš Pancíř, Archiv des Tschechischen Rundfunks) Er stehe am Rand der Říčanská-Straße, an einer der Abzweigungen in ein angrenzendes Wohnviertel. Hier habe sich schon ein tödlicher Unfall ereignet, sagt der stellvertretende Leiter der städtischen Polizei von Říčany, Jindřich Joch. Seit einigen Jahren erfolgt hier aber eine Abschnittskontrolle. Das bedeutet, dass die Durchschnittsgeschwindigkeit jedes Autos auf knapp vier Kilometern der Straße gemessen wird. Wer gegen das Tempolimit verstößt, erhält einen Bußgeldbescheid. Rund 20.000 Autos passieren täglich die Messstellen. Früher habe ein Drittel der Fahrer dabei die zulässige Höchstgeschwindigkeit überschritten, sagt Bürgermeister Vladimír Kořen:

„Heute können wir aus den Daten erkennen, dass die Fahrer ruhiger geworden sind. Der Anteil der Tempo-Sünder liegt im Promillebereich. Die Abschnittskontrolle ist eine billige und absolut wirksame Lösung.“

Foto: ČT24Foto: ČT24 Den Effekt haben auch einige der Anwohner bemerkt.

„Ich denke, dass sich der Verkehr beruhigt hat, weil die Fahrer lieber keine Strafen zahlen wollen“, so die junge Mutter Petra, die mit dem Kinderwagen unterwegs ist.

Dies bestätigt auch eine tschechisch-deutsche Studie. Für sie wurden von 2014 bis 2018 massenweise Daten aus Říčany gesammelt. Über 1,3 Millionen Fahrzeuge wurden ausgewertet, das natürlich anonymisiert. Demnach sinken die Geschwindigkeitsübertretungen sofort nach der Installation solcher Messanlagen, und zwar um ein Drittel. Der Wirtschaftswissenschaftler Libor Dušek ist einer der Autoren der Studie:

Libor Dušek (Foto: Archiv der Karlsuniversität in Prag)Libor Dušek (Foto: Archiv der Karlsuniversität in Prag) „Die erste Erkenntnis ist eindeutig und unmissverständlich: Das System beruhigt sehr deutlich den Verkehr. Die zweite ist aber noch wichtiger und überraschend: Der Effekt ist bleibend.“

Dabei habe die Höhe des Bußgeldes nur wenig Einfluss, sagt Dušek. Die Fahrer würden jedenfalls ihre Geschwindigkeit danach nicht nur auf dem Straßenabschnitt anpassen, auf dem sie geblitzt wurden, sondern auch im restlichen Kontrollbereich.

Für Říčany hat sich die Installation der Radarfallen sogar bezahlt gemacht. Allein im vergangenen Jahr wurden 60 Millionen Kronen (2,4 Millionen Euro) aus den Bußgeldern eingenommen. Der Betrieb der Messanlagen kostete aber nur ein Drittel. Dies dürfe aber nicht ausschlaggebend sein, mahnt Libor Dušek:

„Wenn ich den Bürgermeistern eines raten darf: Sie sollten keine Einnahmen für den kommunalen Haushalt erwarten, sondern von Kosten für die Einführung des Systems ausgehen. Was sie sich damit aber anschaffen, ist eine Beruhigung des Verkehrs.“

Auch beim tschechischen Städte- und Gemeindebund hält man Abschnittskontrollen für eine sinnvolle Maßnahme. Viele Kommunen seien interessiert, sagt Jaroslav Pasnocht, der Leiter der Verkehrskommission des Verbandes. Doch hohe Kosten und administrative Hürden würden gerade Dörfer und kleinere Städte davon abhalten, sagt er. Dabei weist Pasnocht auf ein besonderes Problem hin. Denn zahlreiche Kommunen gehören verwaltungstechnisch zu einer größeren Stadt, die alleine das Anrecht auf die Bußgeldeinnahmen hat. Říčany beispielsweise steht einer solchen kommunalen Verwaltungseinheit vor.

03-03-2020