Symposium in Rohr: Erinnerung an christliche Opfer der Diktaturen

Während der nationalsozialistischen und auch der kommunistischen Zeit gab es in den Böhmischen Ländern sowie in Deutschland viele Christen, die ihre mutige Haltung häufig mit dem Leben bezahlen mussten. Der Öffentlichkeit sind ihre Namen meistens unbekannt. Das Schicksal jener Gläubigen, die Opfer dieser Diktaturen geworden sind, war das Thema eines Symposiums, das am Wochenende im niederbayerischen Rohr stattfand.

Richard Henkes (Bild von Andy Givel)Richard Henkes (Bild von Andy Givel) Kirchenhistoriker, Priester, Ordensschwerstern, aber auch einige Politiker aus Deutschland, Tschechien und der Slowakei waren unter den Referenten und Teilnehmern einer Debatte des Symposiums, das unter dem Titel „Glaubenszeugen in totalitärer Zeit“ vom Sozialwerk der Ackermann-Gemeinde veranstaltet wurde.

Die über 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Treffens erfuhren mehr über Persönlichkeiten, die selbst in Kreisen der Kirche eher wenig bekannt sind. Der Theologe Manfred Probst stellte beispielsweise Pater Richard Henkes vor, der wegen seiner Predigten ins KZ Dachau eingeliefert wurde. Henkes, der als Pfarrer auch in Strahovice / Strandorf im Hultschiner Ländchen tätig war, meldete sich im KZ Dachau freiwillig zum Dienst an den typhuskranken Tschechen. Professor Probst besuchte bei seinen Forschungen über Henkes mehrmals Tschechien:

Manfred ProbstManfred Probst „Ich habe bei diesen Reisen sehr schnell Kontakte gefunden: beispielsweise mit dem Pfarrer von Strahovice, der auch gut deutsch sprach und der mir auch sehr geholfen hat. So konnte ich noch weitere Dokumente sammeln. Ich habe auf einem Speicher zwei Originalbriefe aus dem KZ gefunden, die wir vorher noch nicht hatten. Das war wieder eine Bestätigung seiner Beziehungen nach Tschechien hin.“

Manfred Probst hält es für sehr positiv, dass Pater Henkes auch nach seinem Tod noch für neue Beziehungen gesorgt habe.

Asamkirche in Rohr (Foto: Martina Schneibergová)Asamkirche in Rohr (Foto: Martina Schneibergová) „Es geht um die Beziehungen zwischen seiner Pfarrei - heute Strahovice – und seinem Geburtsort Ruppach - Goldhausen, wo man auf ihn auch stolz ist. Schon zur Eröffnung des Seligsprechungsprozesses kam ein Bus mit den Leuten aus Strahovice, und sie haben an der Feier teilgenommen. Daraus haben sich gute Bekanntschaften entwickelt und dann haben sich die Freundschaftsbeziehungen so vertieft, dass inzwischen ein offizielles Freundschaftsabkommen nicht nur zwischen den Pfarrgemeinden, sondern auch den Zivilgemeinden geschlossen wurde.“

Inzwischen wurde auch eine Broschüre über Richard Henkes ins Tschechische übersetzt. Ein Buch, in dem das Schicksal der Glaubenszeugen aus den Böhmischen Ländern geschildert wird, bereitet auch die Tschechische Christliche Akademie vor.