Symbolischer Besuch des slowakischen Staatspräsidenten in Tschechien

13-07-2004

Der slowakische Staatspräsident Ivan Gasparovic, der seit Mitte Juni das Präsidentenamt bekleidet, hat die Tradition eingehalten: Seit der Auflösung der Tschechoslowakischen Föderation führen die ersten Auslandsreisen der neu gewählten Staatsoberhäupter nach Prag, bzw. nach Bratislava. Im folgenden Beitrag von Martina Schneibergova erfahren Sie mehr über den eintägigen Arbeitsbesuch des slowakischen Präsidenten in Prag sowie über die Bemühungen seiner in Tschechien lebenden Landsleute ein tschechisch-slowakisches Bewusstsein zu bewahren.

Vaclav Klaus und Ivan Gasparovic (Foto: CTK)Vaclav Klaus und Ivan Gasparovic (Foto: CTK) Präsident Ivan Gasparovic absolvierte während seines Antrittsbesuchs in Prag die obligatorische Runde: den offiziellen Empfang durch seinen tschechischen Amtskollegen Vaclav Klaus, Treffen mit dem Premier, mit den Chefs der beiden Parlamentskammern und mit dem tschechischen Ombudsman. Für einen Teil der tschechischen Öffentlichkeit stellt Gasparovic immer noch vor allem den einstigen engen Mitarbeiter des slowakischen Ex-Premiers Meciar dar, obwohl die Beziehungen zwischen den beiden Politikern heutzutage sehr kühl sind.

Den tschechischen Präsidenten kennt Gasparovic gut aus der Zeit der Verhandlungen über die Auflösung des gemeinsamen Staates. Während der Gespräche der beiden Staatspräsidenten wurde die beliebte Floskel wiederholt, die bilateralen Beziehungen seien außerordentlich gut. Eines haben die beiden Staatsmänner gemeinsam - ähnlich wie Vaclav Klaus ist Gasparovic kein Anhänger der weiteren Integrationsbemühungen in der EU. Sie sprachen sich beide für die Fortsetzung der Zusammenarbeit der vier Visegrader Staaten aus. Präsident Klaus sagte:

Vaclav Klaus und Ivan Gasparovic (Foto: CTK)Vaclav Klaus und Ivan Gasparovic (Foto: CTK) "Es ist gut, verschiedene Foren für gemeinsame Treffen und Gespräche zu haben. In diesem Sinne erfüllen Treffen von Staatsoberhäuptern, Premierministern oder Außenministern dieser vier mitteleuropäischen Staaten ihre Rolle. Ich meine, dass niemand von uns dies vollständig bestritten hätte."

Der slowakische Präsident dazu:

"Die Visegrad-Staaten-Gruppe wird funktionsfähig sein, solange sie über konkrete Projekte verhandeln wird, die von den einzelnen Staaten vorgeschlagen werden, und die von der Visegrad-Gruppe durchgesetzt werden könnten."

Auf dem Programm des Besuches des slowakischen Präsidenten in Prag konnte auch ein Treffen mit seinen in Tschechien lebenden Landsleuten nicht fehlen. Bei der Volkszählung vor drei Jahren bekannten sich zwei Prozent der Befragten in Tschechien zur slowakischen Nationalität (ca. 193.000 Bürger). Obwohl es zur Teilung der Tschechoslowakei unter slowakischen Druck gekommen war, stellt Tschechien für die Slowaken immer noch das ihnen am nächsten stehende Land dar. Der Zustrom von Künstlern und vor allem Studenten ist aber nur in der einen Richtung zu verzeichnen - aus der Slowakei Richtung Prag. In Prag wird auch eine slowakische Zeitschrift herausgegeben. Ihre Chefredakteurin Nada Vokusova dazu:

Nada Vokusova (Foto: M. Schneibergova)Nada Vokusova (Foto: M. Schneibergova) "Die Zeitschrift 'Slovenske dotyky' (zu deutsch etwa "Slowakische Berührungen"), wird vom Slowakisch-tschechischen Klub herausgegeben und sie orientiert sich vor allem auf die Aufrechterhaltung der tschechisch-slowakischen Beziehungen in allen Bereichen. Um offen zu sein, herrscht aber der Kulturbereich vor. Die Zeitschrift bemüht sich darum, dass nicht alle verbindenden Fäden, die es da aus den Zeiten des gemeinsamen Staates immer noch gibt, für immer zerrissen werden."

Nicht nur die Aufrechterhaltung des tschechisch-slowakischen Bewusstseins ist nach Meinung von Nada Vokusova die Aufgabe ihrer Zeitschrift:

"Es geht nicht nur um das Bewusstsein, sondern auch um die Sprache. Alle Artikel sind auf Slowakisch geschrieben, sogar auch Gespräche mit Tschechen werden ins Slowakische übersetzt. Denn die junge tschechische Generation versteht nicht mehr Slowakisch. Generationen, die im gemeinsamen Staat aufgewachsen sind, hörten Slowakisch oft im Fernsehen, bzw. im Rundfunk."

Der Slowakisch-tschechische Klub, der die Zeitschrift herausgibt, wurde offiziell 1996 gegründet und hat ca. 600 Mitglieder, er gibt außerdem eine Internetzeitung für die im Ausland lebenden Tschechen und Slowaken ( http://www.czsk.net/svet/index.html) und ein spezielles Theatermagazin heraus. Eine Neuheit stellt die seit diesem Jahr erscheinende Literaturzeitschrift mit dem Doppeltitel "Zrcadleni-Zrkadlenie" (zu deutsch etwa Wiederspiegelung) dar.

13-07-2004