Svatopluk Karasek - Pfarrer, Rocker, Menschenrechtsbeauftragter

Der Theologe und stellvertretende Vorsitzende der Freiheitsunion (US-DEU) Svatopluk Karasek ist am vergangenen Dienstag von der Regierung zum neuen Menschenrechtsbeauftragten ernannt worden. Heute stellte er sich der Presse. Thomas Kirschner war dabei.

Svatopluk Karasek (Foto: CTK)Svatopluk Karasek (Foto: CTK) Pfarrer, Burgkastellan, Fensterputzer, Liedermacher, Emigrant - der 1942 in Prag geborene Svatopluk Karasek hat alles andere als das gewöhnliche politische Curriculum durchlaufen. Als das Kabinett am Dienstag den ehemaligen Dissidenten zum Regierungsbeauftragten für Menschenrechte ernannte, hat es sich für einen facettenreichen Quereinsteiger entschieden, der sich auch heute nicht auf die herrschenden Erwartungen festlegen lässt. Als Pfarrer, Regimekritiker und Unterzeichner der Charta 77 musste Karasek 1980 in die Schweiz ins Exil gehen. Wegen kritischer Lieder und Verbindungen zu der legendären tschechischen Underground-Band The Plastic People of the Universe hatte Karasek zuvor schon mehrere Monate im Gefängnis gesessen. Nach der Revolution kehrte er Anfang der 90er Jahre in seine Heimat zurück - zunächst als Pfarrer, bevor er 2002 als unabhängiger Kandidat ins Abgeordnetenhaus einzog. Nach seinem Beitritt zu der ständig vor der Auflösung stehenden liberalen Freiheitsunion (US-DEU) übernahm er innerhalb von kürzester Zeit den stellvertretenden Vorsitz. In seinem neuen Amt als Menschenrechtsbeauftragter tritt Svatopluk Karasek nun die Nachfolge von Jan Jarab an, der im Stab des neuen tschechischen EU-Kommissars Vladimir Spidla nach Brüssel wechselt. Dem mit dem Amt verbundenen Einfluss steht Karasek zurückhaltend gegenüber.

"Ich bin nun Bevollmächtigter, darin steckt das Wort Macht, und deshalb möchte ich deutlich machen, dass ich nicht irgendeine persönliche Macht für mich anstrebe, sondern ich würde mich freuen, wenn eben gerade die Menschenrechte eine größere Macht erhalten würden, so dass sie sich in unserem Leben durchsetzen können."

Svatopluk Karasek (Foto: CTK)Svatopluk Karasek (Foto: CTK) Bei seiner heutigen Vorstellung kündigte Karasek an, dass er in Menschenrechtsfragen die Zusammenarbeit mit dem Ombudsmann, den einzelnen Ministerien, aber auch mit gemeinnützigen Organisationen suchen will. Als erste Themen, in die er sich einbringen möchte, nannte er das Antidiskriminierungsgesetz und die Novelle des Staatbürgerschaftsrechtes, die sich gerade in Vorbereitung befinden. Vor allem liegt ihm aber daran, den Schwachen der Gesellschaft mit seiner Arbeit beizustehen.

"Ich sehe das als Möglichkeit, die Qualität unserer Demokratie Schritt für Schritt zu verbessern, vor allem dort, wo Menschen wehrlos sind - seien es Kinder, Senioren oder Asylanten. Indem wir ihnen helfen, ihr Leben besser zu gestalten, verbessern wir zugleich unsere Demokratie."

Auch in seinem neuen Amt wird Svatopluk Karasek aber kaum zu einem glatten Berufspolitiker werden - dafür dürfte schon seine Rockband sorgen, mit der er wohl auch weiterhin auftreten wird. Ihr Name ist für den vielseitigen Pfarrer Programm: "Pozdravpanbu", also "Grüßgott".