Studenten und Künstler fordern zur Rettung des Kurorts Kyselka auf

Einst galt er als einer der schönsten Kurorte in Mitteleuropa, das vor allem im 19. Jahrhundert aufblühte. Heutzutage erinnert das frühere malerische Kurareal eher an die Ruinen einer zerbombten Stadt. Die Rede ist Kurort Kyselka / Gießhübl-Sauerbrunn, der unweit von Karlsbad liegt. Kyselka steht zwar unter Denkmalschutz, doch die historischen Gebäude drohen bald einzustürzen. Auch weil sich deren Eigentümer 20 Jahre lang nicht um sie gekümmert haben. Für die Rettung des architektonisch wertvollen Kurareals setzen sich seit einigen Jahren engagierte Bürger ein. Am Montag wurde in Prag für Kyselka demonstriert.

Wassernixe Kyselka (Foto: ČTK)Wassernixe Kyselka (Foto: ČTK) Die nackte wehrlose Wassernixe Kyselka bittet den schwarz gekleideten Bösewicht, der die Gesellschaft Karlsbader Mineralwasser symbolisiert, sie nicht umkommen zu lassen. Diese ungewöhnliche Szene spielte sich im Prager Stadtzentrum vor dem Sitz der Aktiengesellschaft Karlovarské minerální vody (Karlsbader Mineralwasser) ab, der ein Teil des Kurareals von Kyselka gehört. Studenten und Künstler machten mit dem Happening auf den alarmierenden Zustand aufmerksam, in dem sich der frühere Kurort Kyselka befindet. Sie trugen Spruchbänder, auf denen unter anderem stand: „Die Gesellschaft Mattoni liquidiert den Kurort Kyselka“. Einer der Initiatoren des Happenings, der Jurastudent Matěj Chytil, betonte:

„Die Gesellschaft Karlovarské minerální vody hat als Eigentümer laut Gesetz die Pflicht, sich um das Kulturdenkmal zu kümmern, was sie 20 Jahre lang versäumt hat.“

Alessandro Pasquale und Matěj Chytil (Foto: ČTK)Alessandro Pasquale und Matěj Chytil (Foto: ČTK) Auf dem Happening tauchte auch der Direktor der kritisierten Gesellschaft, Alessandro Pasquale, auf und diskutierte mit den Studenten: „Die Gebäude, die in unserem Besitz sind, sind nicht in perfektem Zustand.“

Die Gesellschaft besitzt sieben von zwanzig Gebäuden im Kurareal. Sie habe vor, so der Direktor, die Kurhäuser zu renovieren. Student Chytil ist davon jedoch nicht überzeugt:

„In diesem Moment bekundet die Gesellschaft Karlovarské minerální vody angeblich das Interesse, den Kurort in Stand zu setzen. 20 Jahre lang hat sie jedoch nichts gemacht. Das Sanierungsprojekt der Firma hat weder unter den Denkmalschützern noch in der Öffentlichkeit Verständnis gefunden. Wir hoffen, dass wir noch weiter nach einem Konsens suchen und ihn auch schon bald finden werden.“

Die Studenten haben vor, die Öffentlichkeit auf den Zustand von Kyselka auch weiterhin aufmerksam zu machen.

„Falls sich die Verhandlungen mit der Gesellschaft positiv entwickeln werden, werden wir die Proteste stoppen. Aber wir bereiten weitere vor, weil die Gesellschaft Karlovarské minerální vody bislang kein Interesse für die historischen Baudenkmäler zeigte und sie einstürzen lässt.“

Über einer der großen Werbetafeln der Firma, der neben der Fernstraße Prag – Mladá Boleslav steht, wollen die Studenten ein Spruchband mit dem Aufruf „Opravte Kyselku. (Setzt Kyselka in Stand.)“ hängen. Es wurden zudem Videoclips gedreht, in denen namhafte Persönlichkeiten wie die Gymnastin Věra Čáslavská oder der Künstler David Černý auftreten. Sie fordern die Öffentlichkeit zur Rettung von Kyselka auf. Seit einigen Jahren bemüht sich zudem der Verband für den Schutz des Kulturerbes der Tschechischen Republik, auf den Zustand des historischen Kurortes aufmerksam zu machen. Zu diesem Zweck richtete er eine Webseite in Tschechisch, Deutsch und Englisch (www.zachrante-lazne-kyselka.cz) ein und initiierte eine Petition, die inzwischen von mehr als 22.500 Menschen unterzeichnet wurde.

Zu Jahresbeginn hat der Karlsbader Magistrat der Gesellschaft Karlovarské minerální vody eine Geldstrafe von 1,8 Millionen Kronen (72.000 Euro) erteilt, weil sie sich um die historischen Baudenkmäler nicht entsprechend gekümmert hat. Die Firma beabsichtigt, gegen die Strafe gerichtlich vorzugehen.