Sting: „Dank der EU musste ich nie ein Gewehr auf Deutsche richten“

22-06-2017

Am Freitag wird Sting beim Metronome Festival in Prag auftreten. Der britische Weltstar ist selbstverständlich Headliner der Veranstaltung. Im Vorfeld hat der 65-jährige Musiker dem Tschechischen Rundfunk ein Interview gegeben. Darin spricht Sting unter anderem über den Brexit und Flüchtlinge, aber auch über seine Konzerte.

Sting (Foto: Yancho Sabev, CC BY-SA 3.0)Sting (Foto: Yancho Sabev, CC BY-SA 3.0) Sting wird in Prag ein vollständiges Konzert geben – anderthalb Stunden sind versprochen. Die Besucher können sich dabei auch auf Songs seiner früheren Band Police freuen. Der Auftritt dürfte der Höhepunkt des gesamten Metronome-Festivals sein, das am Freitag und Samstag auf dem Messegelände Výstaviště stattfindet.

Vorab hatte Vladimír Kroc von den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks die Gelegenheit, dem Musiker einige Fragen zu stellen. Das Gespräch kam dabei unter anderem auf den Brexit, also dem Austritt von Stings Heimatland Großbritannien aus der Europäischen Union:

„Ich habe für den Verbleib gestimmt. Der Hauptgrund, warum ich in der EU bleiben wollte, ist ihr größter Erfolg: dass wir uns seit 70 Jahren nicht mehr gegenseitig umgebracht haben. Ich musste niemals ein Gewehr auf einen Deutschen richten. Aber mein Vater tat das – und mein Großvater. Ich habe dies vor allem deswegen nicht müssen, weil wir miteinander Handel treiben. Die EU ist sicher keine perfekte Organisation, aber ich bin traurig, dass wir sie verlassen. Letztlich bin ich aber kein Politiker, sondern ein Sänger.“

Foto: Fotomovimiento, CC BY-NC-ND 2.0Foto: Fotomovimiento, CC BY-NC-ND 2.0 Obwohl er kein Politiker ist, macht sich Sting, der 1951 als Gordon Sumner im englischen Wallsend geboren wurde, viele Gedanken über die Lage der Welt. So auch zur Flüchtlingskrise.

„Wir sind alle Flüchtlinge. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es in ganz Europa mehrere Millionen Displaced Persons. Sie wurden aufgenommen und herumgeschoben. Das geschieht gerade auch im Nahen Osten. Die Menschen fliehen vor Bomben und Gewehren. Wenn ich dort leben würde und eine Familie hätte, würde ich auch fliehen wollen. Ich habe keine Idee für eine politische Lösung. Wenn es aber eine geben sollte, dann muss sie auf Empathie, Mitgefühl und Güte bauen. Denn Mauern zu errichten, ist keine Lösung.“

Sting (Foto: Vojtěch Koval, Archiv des Tschechischen Rundfunks)Sting (Foto: Vojtěch Koval, Archiv des Tschechischen Rundfunks) Sting wird in Prag auch deswegen auftreten, weil sich das Metronome-Festival nach zwei Jahrgängen bereits einen guten Ruf erworben hat. So war Iggy Pop im vergangenen Juni wohl sehr zufrieden mit seinem Auftritt in der tschechischen Hauptstadt. Und Sting wird von derselben Agentur vertreten wie Iggy Pop. Prag liegt inmitten der Welttour des ehemaligen Frontmanns von Police. Jeden zweiten Abend also eine andere Stadt. Lassen da nicht irgendwann die Kräfte nach?

„Nein, ich bin sehr stark. Das ist einfach mein Job, und den habe ich die meiste Zeit meines Lebens gemacht. Das sind wohl schon fast 50 Jahre. Es ist harte Arbeit, aber es macht Spaß.“

Vergangenen November war Sting der erste Musiker, der nach dem Terroranschlag im Pariser Club Bataclan gespielt hat. Es war die Wiedereröffnung nach dem fürchterlichen Massaker. Warum ist er dort aufgetreten?

Foto: Stuart Miles, FreeDigitalPhotos.netFoto: Stuart Miles, FreeDigitalPhotos.net „Ich bin gefragt worden, ob ich am Jahrestag zur Wiedereröffnung spielen würde. Weil ich dort schon 1979 aufgetreten bin und einen bestimmten Bezug zum Club habe, war mein Gefühl, dass ich Ja sagen sollte. Es ist meiner Meinung nach wichtig zu Ehren der Opfer, ihrer Familien und der Überlebenden. Aber auch, um die Musik zu feiern, das Leben und ein wunderbares altes Theatergebäude. Beide Dinge musste ich ausbalancieren: den Respekt vor den Toten und auch die Freude an der Musik. Die Terroristen wollen die Musik töten, den Spaß. Und wir können das nicht zulassen.“

22-06-2017