Start-Ups sollen weiblicher werden

Bisher haben in Tschechien nur wenige Frauen ein Start-Up gegründet. Der europaweite Wettbewerb „Woman Startup Competition“ soll jedoch mögliche Unternehmerinnen dazu motivieren, den ersten Schritt zu tun. Am Mittwoch stand die diesjährige Preisträgerin für Tschechien fest.

Jarmila Kowolowská (Foto: Tschechisches Fernsehen)Jarmila Kowolowská (Foto: Tschechisches Fernsehen) Jarmila Kowolowská hat sich alles ganz gut überlegt, bevor sie die Gründung ihres Start-Ups wagte:

„Die Idee hatte ich von einer Freundin, die in der Gastronomie tätig war. Lange lag mein Einfall auf Eis, irgendwann kam ich aber immer mehr mit Leuten aus der Branche ins Gespräch. Alle haben mir gesagt, dass sie mein Konzept eigentlich gar nicht so schlecht finden. Als ich dann genug positives Feedback gesammelt hatte, wagte ich schließlich den Versuch.“

Gemeinsam mit ihrem Kollegen Karel Mařík entwickelte sie die App Grason. Die Unternehmerin erklärt, wie ihr Konzept funktioniert:

„Bei Grason geht es darum, dass wir Restaurants und Menschen miteinander verbinden. Wir helfen Gastbetrieben, wenn sie zeitweise Personalmangel haben, beispielsweise beim Mittagsbuffet oder zu sonstigen Stoßzeiten. Dann können sie bei uns anfragen, und wir finden Leute für diese eine konkrete Schicht.“

Adam Kočík (Foto: Archiv J&T)Adam Kočík (Foto: Archiv J&T) Jarmila Kowolowskás kleine Firma wächst und wächst. Es gebe immer mehr Interessenten, und alle seien durchweg begeistert, erklärt die Internet-Unternehmerin. Nun wurde sie für ihr Konzept mit dem ersten Preis des europaweiten Wettbewerbs „Woman Startup Competition“ geehrt. Adam Kočík ist Geschäftsführer des Finanzdienstleister J&T Ventures und Mitglied der Jury:

„Einerseits hat uns überzeugt, dass die Idee intelligent auf die Herausforderung einer hohen Fluktuation im Gastgewerbe reagiert. Anderseits glauben wir, dass gerade dieser Einfall ausgeweitet und global vermarktet werden kann.“

Laut dem Tech-Portal CzechCrunch ist der Anteil von Frauen unter den Start-Up-Gründern mit 17 Prozent hierzulande immer noch relativ niedrig. Bei der „Woman Startup Competition“ verfolge man deshalb ein doppeltes Ziel, wie die Organisatorin Jana Hoďbodová erklärt:

„Es ist ein Problem, dass überhaupt nur wenige Frauen ein Start-Up gründen. Außerdem sind diejenigen, die es doch gewagt haben, fast gar nicht zu sehen. Wir wollen deshalb Frauen nicht nur zur Unternehmensgründung motivieren. Unser Ziel ist auch, diejenigen zu präsentieren, die den ersten Schritt bereits gemacht haben.“

Illustrationsfoto: Free-Photos, Pixabay / CC0Illustrationsfoto: Free-Photos, Pixabay / CC0 Der Trend ist jedoch positiv, was man unter anderem an den Anmeldungen zum Wettbewerb sieht. Während es im vergangenen Jahr noch 25 Bewerbungen waren, gingen diesmal schon fast 40 ein. Und die Frauen dürften sich ruhig noch mehr zutrauen, findet Adam Kočík:

„Es heißt ja, dass Frauen sorgfältiger sind und eine größere Ausdauer haben, womit sie wiederum bessere Ergebnisse erzielen. Ich glaube, dass die Geschlechter sich in ihrem Ehrgeiz nicht unterscheiden. Ich bin froh, dass auch immer mehr technologische Lösungen aus der Feder von Frauen stammen. Bei keinem der Finalisten hätte man sagen können, dass die Idee nun zwingend von einem Mann oder einer Frau sei.“

Abgesehen von Grason hatten es unter anderem eine Firma für innovative Menstruations-Höschen und ein Büro für ökologische Fertighäuser ins Finale geschafft. Jarmila Kowolowská darf mit ihrer Gastro-App nun in London um den Gesamtsieg streiten.