Sommerzeit: Jubiläum und Abgesang

29-03-2019

Ab dem Jahr 2021 solle es keine Zeitumstellung mehr geben. Damit endet eine Tradition, die wie keine andere die Menschen in Europa spaltete. In der Tschechoslowakei wurde die Sommerzeit vor genau 40 Jahren eingeführt.

Foto: annca, Pixabay / CC0Foto: annca, Pixabay / CC0 Ab heute Mitternacht gilt die Sommerzeit auch bei uns. So begrüßte der Tschechoslowakische Rundfunk am 1. April 1979 erstmals die Zeitumstellung hierzulande. Im Hörfunkprogramm machte man sich damals vor allem um eines Sorgen: Wie pünktlich wird man den Hörern in Zukunft die Nachrichten und vor allem das Wetter präsentieren?

Mit der Einführung der Sommerzeit wurde in Europa schon seit Beginn des 20. Jahrhunderts experimentiert, unter anderem galt sie eine Zeitlang in Österreich-Ungarn. Ab 1973 wurde sie erneut zum Thema, nach der Ölkrise wollte man möglichst viel Energie sparen. Zu Ende des Jahrzehnts galt sie dann im größten Teil des Kontinents, die letzten Nachzügler waren Anfang der 1980er Jahre noch Österreich, die Schweiz und Jugoslawien. Schon ein Jahr nach der Einführung – also 1980 – war man in der Tschechoslowakei vom Nutzen der Sommerzeit überzeugt. Das zeigt auch dieser Bericht im staatlichen Fernsehen:

Foto: mariesmolej, Pixabay / CC0Foto: mariesmolej, Pixabay / CC0 „Unsere Erfahrungen sowie die in weiteren europäischen Ländern haben die Vorteile der Zeitumstellung gezeigt. Der Stromverbrauch ist in der Sommerzeit um 200 bis 400 Megawattstunden zurückgegangen. Außerdem gefällt unseren Bürgerinnen und Bürgern, dass die Tage länger geworden sind. Schnell haben sie sich an den neuen Lebensrhythmus gewöhnt und verbrauchen zudem weniger Strom.“

Mittlerweile ist die Zeitumstellung zweimal im Jahr zum Ritual geworden. Nicht alle sind davon aber begeistert. Dabei gibt es von Umstellungsgegnern teils hysterische Reaktionen. Erst jüngst behauptete der Ökonom Lukáš Kovanda gegenüber dem Onlineportal des Tschechischen Rundfunks, Zitat:

Lukáš Kovanda (Foto: Elena Horálková, Archiv des Tschechischen Rundfunks)Lukáš Kovanda (Foto: Elena Horálková, Archiv des Tschechischen Rundfunks) „Die Zeitumstellung verursacht bei vielen nicht nur Unbehagen, sondern auch ernsthafte gesundheitliche Probleme. Die Produktivität nimmt dadurch ab, und es gibt mehr Herzinfarkte und Verkehrsunfälle – die Zahl der Toten ist bereits im zweistelligen Bereich. Die Sommerzeit fordert jährlich mehr Opfer als FSME.“

Im vergangenen Jahr führte die EU schließlich eine Umfrage durch, bei dieser haben sich die Mehrheit der teilnehmenden Europäer für eine Abschaffung der Zeitumstellung ausgesprochen. Am Dienstag nun hat das Europäische Parlament das Ende des Zeigerrückens beschlossen. Der entsprechende Entwurf kam von einer kleinen Gruppe vor allem konservativer Europaabgeordneter. Der tschechische Christdemokrat Pavel Svoboda war dabei federführend:

Josef Hájek (Foto: Archiv des Abgeordnetenhauses des Parlaments der Tschechischen Republik)Josef Hájek (Foto: Archiv des Abgeordnetenhauses des Parlaments der Tschechischen Republik) „Es ist ein Sieg. Damit wird eine Idee umgesetzt, die vielen Kollegen im Parlament noch zu Anfang der Legislaturperiode lächerlich erschien. Mithilfe von 70 Abgeordneten aller Fraktionen haben wir den Gesetzesvorschlag aber durchgesetzt.“

Die derzeitige tschechische Politik begrüßt mehrheitlich die Entscheidung des Europarlaments. Josef Hájek ist Abgeordneter der größten Regierungspartei Ano:

„Ursprünglich sollte mit der Maßnahme Energie gespart werden, das ist heute aber nicht mehr relevant“, so der Umwelt- und Verteidigungspolitiker.

Es gibt aber auch Vorbehalte, vor allem weil die EU den einzelnen Staaten nicht eine bestimmte Zeit vorschreiben will. So könnte sich beispielsweise Prag für die Winterzeit entscheiden – so fordert es bisher das Kabinett. Bei den Nachbarn könnte sich aber die Sommerzeit durchsetzen. Davor hat bereits auch das Verkehrsministerium in Prag gewarnt. Man müsse sich koordinieren in Europa, und das könnte sich hinziehen, meinte bereits im vergangenen Jahr Ressortchef Dan Ťok (parteilos).

29-03-2019