Smarte Leuchten für Prag

01-03-2019

Im Prager Stadtteil Karlín leuchtet es nachts besonders smart. Die Bezirksverwaltung testet dort nämlich eine neue Generation der Straßenbeleuchtung. Mehr von Strahinja Bucan.

Smart-Laterne (Foto: ČT24)Smart-Laterne (Foto: ČT24) Erst jüngst wurde der zentrale Platz des Prager In-Viertels Karlín generalsaniert. Doch nicht nur die Grünflächen, der Spielplatz und die Parkbänke wurden aufgefrischt, auch die grauen Einheitslaternen rund um den Platz sind verschwunden. Ersetzt wurden sie durch neue schwarze Laternen. Und die seien etwas ganz besonderes, meint Vítězslav Klika. Seine Firma Operátor ICT hat die Leuchten installiert:

„Wir können die Leuchtkraft der Straßenlampen fernsteuern und diese stufenweise einstellen. Wenn auf der Straße zum Beispiel wenig los ist, können wir das Licht um 20 Prozent dimmen. Das bedeutet wiederum einen um 20 Prozent geringeren Stromverbrauch.“

Vítězslav Klika (Foto: Archiv von Vítězslav Klika)Vítězslav Klika (Foto: Archiv von Vítězslav Klika) Doch die sogenannte Smart-Laterne kann noch viel mehr. Dafür sorgen eine kleine Glocke und ein kleiner Kasten mit Antennen. Der studierte IT-Techniker Klika erklärt, worum es dabei geht:

„Ersteres ist ein Sensor für Kohlendioxid, Feinstaub und Schwefeldioxid. Das andere ist ein W-Lan-Access-Point, der uns über das Stadtnetzwerk einen Zugang zum Internet ermöglicht. Außerdem kann die Stadt darüber wichtige Informationen verbreiten.“

Der W-Lan-Router soll den Bürgern aber nicht nur kostenloses Internet garantieren. Er hilft der Stadt auch dabei, schnelle Entscheidungen zu treffen, beispielsweise bei Smog. Dazu Vítězslav Klika:

„Wenn wir zwei Access-Points haben, dann können wir die Zahl der verbundenen Geräte zählen. Damit bestimmen wir dann, wie viele Personen sich zwischen den Messpunkten bewegen und in welche Richtung sie gehen. Das ist natürlich alles anonymisiert, uns interessiert ja nur die Menge der Leute. Für uns sind das wichtige Daten, mithilfe derer wir beispielsweise bei einer hohen Feinstaubkonzentration den Verkehr einschränken können.“

Foto: Archiv PREFoto: Archiv PRE Der achte Prager Stadtbezirk, in dem sich das Viertel Karlín befindet, ist mit seinen Smart-Laternen nicht allein. Ähnliche Projekte gibt es schon im zweiten oder sechsten Bezirk der Hauptstadt. So stehen zum Beispiel im Viertel Vinohrady Straßenlampen, die zusätzlich mit Notruf-Knöpfen ausgestattet sind. In Holešovice wiederum kann man an den Laternen sein E-Bike aufladen.

Die Politik ist immerhin begeistert von den Konzepten, so auch Petr Kučera. Der grüne Stadtpolitiker ist im ersten Prager Stadtbezirk für die IT zuständig:

„Bei uns im Zentrum ist zum Beispiel der Lärm ein großes Problem, den vor allem die Touristen verursachen. Wenn man das auf irgendeine intelligente Weise messen kann, dann kann man auch die Beschwerden der Anwohner argumentativ unterlegen.“

In den meisten Fällen handelt es sich bei den Smart-Lampen jedoch nur um Modellversuche. So sollen die in Karlín schon im Juni wieder verschwinden.

01-03-2019