Slavia Prag zieht nach 1:3 gegen Inter schon Lehren für die nächste Saison

28-11-2019

Die Fußballer von Slavia Prag präsentieren sich in diesem Herbst auf der größten Bühne, die der europäische Vereinsfußball zu bieten hat: der Champions League. Am Mittwochabend empfingen sie mit Inter Mailand das dritte schwere Kaliber, und auch diesmal mussten sie sich der Klasse des Gegners beugen. Slavia verlor die Partie mit 1:3.

Foto: ČTK / Vít ŠimánekFoto: ČTK / Vít Šimánek

Foto: ČTK / Vít ŠimánekFoto: ČTK / Vít Šimánek Inter Mailand, Borussia Dortmund und der FC Barcelona – das sind die drei dicken Brocken, mit denen sich der tschechische Meister in der Gruppe F auseinandersetzte. Die meisten Experten sahen Slavia daher nur in der Rolle des deutlich unterlegenen Punktelieferanten. Beim 1:1 in Mailand und erst recht beim torlosen Remis in Barcelona bewiesen die Prager aber, dass sie läuferisch und auch spielerisch mit den Besten in Europa mithalten können. Die Heimspiele gegen Dortmund und Barca, die 0:2 beziehungsweise 1:2 verloren wurden, zeigten jedoch, dass es den Rot-Weißen besonders in der Offensive noch an Kaltschnäuzigkeit fehlt. Denn sie schafften es nicht, sich für ihre guten Auftritte auch zu belohnen. Das sollte jetzt in der letzten Begegnung vor eigenem Publikum gegen Inter nachgeholt werden.

Peter Olayinka (rechts). Foto: ČTK / Vít ŠimánekPeter Olayinka (rechts). Foto: ČTK / Vít Šimánek Nach knapp 20 Minuten aber lagen die Gastgeber nach einem Treffer des Argentiniers Martinez erneut mit 0:1 zurück. Und als der zweite Topstürmer der Mailänder, Romelu Lukaku, eine Viertelstunde später zum vermeintlichen 0:2 einnetzte, schien alles gelaufen. Doch dann trat für alle überraschend der Videobeweis auf den Plan: Der Schiedsrichter annullierte daraufhin das Tor und bewertete ein dem Gästeangriff vorausgegangenes Foul an Slavia-Angreifer Peter Olayinka als Strafstoß. Eine irre Wendung, die Slavias Mittelfeldspieler Josef Hušbauer wie folgt sah:

„Klar, das hat uns geholfen. Wenn es 0:2 gestanden hätte, wäre es für uns schwer geworden, das Spiel noch zu drehen. Doch zum Glück hat uns der Videobeweis gerettet, wir trafen zum 1:1. Für Inter war es ein Schock, dass es anstatt der 2:0-Führung nun den Ausgleich gab. Uns aber hat das psychisch aufgerichtet.“

Tomáš Souček (rechts). Foto: ČTK / Vít ŠimánekTomáš Souček (rechts). Foto: ČTK / Vít Šimánek Der Elfmeter wurde von Tomáš Souček verwandelt, und danach war Slavia tatsächlich am Drücker. Doch anstatt des zweiten Tores für die Hausherren setzten die Gäste nach der Pause einen guten Konter nach dem anderen. Und als Lukáš Masopust Mitte der zweiten Halbzeit die letzte Großchance zur Führung ausließ, schlugen Lukaku und Martinez noch je einmal zu. Ein weiterer Treffer des Belgiers wurde schließlich wegen abseits aberkannt. So blieb es beim 1:3, und Slavias Tormann Ondřej Kolář stellte ernüchtert fest:

„Inter hat echte Vollstrecker. Das war der Unterschied zu uns. Wenn wir eine Chance hatten, haben wir leider nicht ins Tor getroffen. Wenn aber unser Gegner angriff, dann landeten dessen Schüsse entweder hinter mir im Netz oder am Querbalken. Wir haben die Gegentore aber auch selbst verschuldet, denn uns sind viele Fehler unterlaufen. Und solch ein Club wie Inter bestraft dies einfach.“

Jindřich Trpišovský (Foto: ČTK / Michal Kamaryt)Jindřich Trpišovský (Foto: ČTK / Michal Kamaryt) Ziemlich niedergeschmettert vom Ausgang des Spiels war Slavias Trainer Jindřich Trpišovský. Denn er hatte sich insgesamt mehr ausgerechnet:

„Das ist für mich eine Riesenenttäuschung. Vielleicht nicht die größte in meiner Trainerkarriere, aber zumindest in den letzten zwei Monaten. Wenn ich mich an diese drei Champions-League-Abende in Prag erinnern werde, dann stehen da drei Niederlagen. Ich war überzeugt davon, dass wir dieses Spiel gewinnen werden. Wenn wir zumindest einen Punkt geholt hätten, dann wären die Zuschauer auch nicht so enttäuscht. Jetzt aber fühle ich mich schrecklich und innerlich leer.“

Nach dem fünften Spieltag in der Gruppenphase hat Slavia damit weiterhin nur zwei Punkte auf dem Konto. Das bedeutet, der tschechische Meister ist ausgeschieden, weil er den vierten und letzten Platz in der Gruppe nicht mehr verlassen kann. Josef Hušbauer zieht daher schon ein Fazit:

Josef Hušbauer (Foto: ČTK / Vít Šimánek)Josef Hušbauer (Foto: ČTK / Vít Šimánek) „Das war und ist eine schwere Gruppe, das wussten wir. Ich denke aber, dass wir in jeder Begegnung gut Paroli geboten haben, denn alle Spiele waren ausgeglichen bis zum Ende. Schade ist nur, dass wir dafür so wenig Punkte geholt haben. Es war quasi unser Debüt in der Champions League, deshalb haben wir noch Lehrgeld gezahlt. Ich hoffe, dass wir davon in der nächsten Saison profitieren werden.“

Ähnlich sieht es auch ein ehemaliger Slavia-Spieler, der es mit den Hauptstädtern in der Saison 1995/96 sogar bis ins Halbfinale des Uefa-Pokals gebracht hatte: Radek Bejbl. Doch der heutige Trainer der tschechischen U-17-Nationalmannschaft nennt auch beim Namen, was sich noch verbessern muss:

Radek Bejbl (Foto: Filip Jandourek, Archiv des Tschechischen Rundfunks)Radek Bejbl (Foto: Filip Jandourek, Archiv des Tschechischen Rundfunks) „Für Slavia war die Herbstphase in der diesjährigen Champions League eine Riesenerfahrung. Die Mannschaft hat sich dabei sehr wacker geschlagen. Doch wenn die letzte Partie in knapp zwei Wochen in Dortmund beendet ist, dann wird die Clubleitung und das Trainerteam dazu sicher ein Resümee ziehen. Wenn Slavia künftig auch bessere Ergebnisse erzielen will, dann muss meiner Meinung nach die Qualität in der Offensive und vor allem die Produktivität im Abschluss erhöht werden.“

Das kann nichts anderes heißen: Slavia Prag muss seinen Kader weiter verstärken, um im Konzert der Großen nicht nur die Außenseiterrolle zu spielen.

28-11-2019