Skinhead Sobek zu 7 Jahren Gefängnis verurteilt

29-03-2002

Am Donnerstag ging vor dem ersten Prager Bezirksgericht der Prozess gegen den 23jährigen Skinhead Frantisek Sobek zu Ende, der sich dort wegen schwerer Körperverletzung in drei Fällen verantworten musste. Über das Urteil und die Reaktionen darauf berichtet Olaf Barth.

Frantisek Sobek, foto:CTKFrantisek Sobek, foto:CTK Das Gericht verurteilte Frantisek Sobek zu einer Haftstrafe von sieben Jahren. Sobek hatte im Mai 1999 am Rande der Feiern anlässlich des WM-Sieges des tschechischen Eishockey-Teams gemeinsam mit anderen Skinheads zwei Männer und eine schwangere Frau überfallen und zusammengeschlagen.

Der Menschenrechtsbeauftragte der tschechischen Regierung, Jan Jarab, kommentierte das Urteil wie folgt:

"Eine milde Strafe ist das auf keinen Fall. Im Gegenteil, es ist eine langjährige Haftstrafe. Der Verurteilte hat aber wiederholt schwere Gewalttaten begangen, von daher ist das Urteil absolut angemessen."

So sah es wohl auch das Gericht, das in seiner Urteilsbegründung ausdrücklich darauf verwies, dass der Angeklagte wegen verschiedener Gewaltdelikte mehrfach vorbestraft sei. Sobek wird dem militanten Kern der tschechischen Skinhead-Bewegung zugerechnet und engagiert sich außerdem in Neonazikreisen. Auch zu dem Prozess begleiteten ihn 15 Kahlköpfe der Skinhead-Szene. Laut Prozessbeobachtern soll der weibliche Teil dieser Anhängerschaft nach der Urteilverkündung in Tränen ausgebrochen sein.

Jan Jarab wertet das Urteil als einen Schritt in die richtige Richtung: "Ich nehme das als ein Zeichen dafür zur Kenntnis, dass die wiederholten Gewalttaten von Seiten der Rechtsradikalen und Neonazis nicht mehr als bloße Kneipenschlägereien wahrgenommen und damit bagatellisiert werden, sondern man sie nun endlich als das erkennt, was sie sind, nämlich sehr gefährliche Gewalttaten." Sobeks Verteidiger legte gegen das Urteil allerdings Berufung ein. Man wird also in die nächste Runde gehen müssen.

Ob ein weiterer spektakulärer Prozess gegen einen gewalttätigen Skinhead ebenfalls mit einer strengen Strafe endet, entscheidet sich am Freitag vor dem Gericht in Hradec Kralove/ Königsgrätz. Dort wird nämlich die Urteilsverkündung im Prozess gegen Vlastimil Pechanec erwartet, der im vergangenen Jahr den Roma Ota Absolon erstochen hatte. Die Anklage legt ihm einen Mord aus rassistischen Motiven zur Last.

Über den Ausgang des Prozesses werden wir Sie im Rahmen unserer Nachrichtensendungen informieren.

29-03-2002