„Siegreicher Februar“ – wie die Machtübernahme von 1948 begann

Bis heute streiten die Historiker, ob es ein Putsch war, ein Umsturz oder einfach eine unblutige Machtübernahme. Über den so genannten „Siegreichen Februar“, als 1948 in der Tschechoslowakei die Herrschaft der einen Partei, der kommunistischen Partei begann, wird erneut diskutiert. Anlass ist der 60. Jahrestag der Machtübernahme. Wir geben Ihnen einen kurzen Überblick über die Ereignisse, die zu dem Umsturz führten.

Februar 1948 in PragFebruar 1948 in Prag Bereits im Exil während des Zweiten Weltkriegs erhielt die tschechoslowakische Regierung eine neue Struktur: Erstmals besaßen die Kommunisten eine starke Stellung - im Vergleich zur Ersten Republik. Sie hielten einige Schlüsselministerien besetzt. Bei den ersten Nachkriegswahlen 1946 zeigte sich, dass sie auch die Massen hinter sich hatten – republikweit erreichten sie 38 Prozent. Vor diesem Hintergrund änderten die tschechoslowakischen Kommunisten in der Folge und auf Anweisung der Sowjets ihre Taktik, sagt der Historiker Jiří Kocian vom Institut für Zeitgeschichte der tschechischen Akademie der Wissenschaften.

„Laut der Dokumente und der Aussagen einer Reihe von Historikern kann man sagen, dass ab September 1947 die Kommunisten begannen, ihren Weg an die Macht vorzubereiten. Dabei erarbeiteten sie mehrere Varianten des Vorgehens, um dies zu beschleunigen.“

Februar 1948 - Klement GottwaldFebruar 1948 - Klement Gottwald In der Folge nehmen die Spannungen innerhalb der Regierung zu. Mitte Februar 1948 erhält der nicht-kommunistische Justizminister Prokop Drtina die Nachricht, dass acht leitende Prager Polizeifunktionäre abberufen wurden und durch Kommunisten ersetzt werden sollen. Es bricht ein offener Streit aus, zwölf nicht-kommunistische Minister sagen bis auf weiteres ihre Beteiligung an den Kabinettssitzungen ab. Die Kommunisten beginnen die Massen aufzuwiegeln. So zum Beispiel der kommunistische Gewerkschaftsvorsitzende Antonín Zápotocký:

Antonín ZápotockýAntonín Zápotocký „Schwerlich können die Richter Urteile im Geiste der Volksrepublik und der neuen Rechtsordnung fällen, wenn der Leiter der Justiz die Demokratie des Volkes sabotiert.“

Am 20. Februar 1948 treten die zwölf nicht-kommunistischen Minister zurück. Präsident Edvard Beneš soll entweder vorgezogene Neuwahlen ausrufen oder eine Beamtenregierung einsetzen, hoffen sie. Die Kommunisten jedoch mobilisieren die Volksmiliz.

„Ab Sonntag, dem 22. Februar erhält Beneš viele Nachrichten, dass die Bewaffnung der Volksmiliz eine Reihe gewalttätiger Folgen hat. So werden unter Gewaltandrohung die Zentralen der nicht-kommunistischen Parteien durchsucht sowie die Wohnungen ihrer Parteigänger. Parlamentarier werden ohne Rücksicht auf ihre Abgeordneten-Immunität festgenommen.“

Am 25. Februar kann Beneš dem Druck nicht mehr standhalten und beauftragt den kommunistischen Parteivorsitzenden Klement Gottwald mit der Bildung einer neuen Regierung. Es ist der Beginn der Einparteien-Herrschaft, die erst 1989 in der Samtenen Revolution gebrochen wird.