Sieger der Präsidentenwahl ist Miloš Zeman

Sieger der ersten Direktwahl des tschechischen Staatsoberhaupts ist Miloš Zeman. Er erhielt etwa zehn Prozent mehr Stimmen als sein Kontrahent Karel Schwarzenberg.

Miloš Zeman (Foto: ČTK)Miloš Zeman (Foto: ČTK) Kurz nach der Bekanntgabe der offiziellen Wahlergebnisse trat der Wahlsieger, der Ex-Premier und Ehrenvorsitzende der Partei SPOZ Miloš Zeman, inmitten seiner jubelnden Anhänger vor die Journalisten:

„Erlauben Sie mir, mich in erster Linie bei allen Bürgern zu bedanken, die mir ihre Stimme gegeben habe. Ich möchte Karel Schwarzenberg zu seinem zweiten Platz gratulieren. Auch seine Wähler schätze ich, weil sie mit ihrer Teilnahme an den Wahlen bewiesen haben, dass sie aktive Bürger sind. Ich will ein Präsident der unteren zehn Millionen sein, unter denen auch die Wähler von Karel Schwarzenberg sind. Jetzt ist es notwendig, die Situation zu beruhigen.“

Zemans Kontrahent, der Außenminister und Top-09-Parteichef Karel Schwarzenberg, bedankte sich zuerst bei seinem Team:

Karel Schwarzenberg (Foto: ČTK)Karel Schwarzenberg (Foto: ČTK) „Natürlich war ich überrascht, dass so viele Helfer, begeisterte Menschen, tapfer durch die Regionen gereist sind. Es waren viele junge Leute darunter, aber ich weiß auch von älteren, die mir bei der Kampagne geholfen haben. Zehn Prozent sind jedoch ein klarer Unterschied. Miloš Zeman hat gesiegt, das erkenne ich an. Ich hoffe, dass es Zeman gelingen wird, der Präsident aller Tschechen zu sein. Ich bin sehr stolz auf mein Team. Es hat tapfer und würdevoll gekämpft, und es hat nie gelogen. Wir haben unsere Würde trotz der Niederlage bewahrt. Trotz dieses klaren Ergebnisses haben mir 45 Prozent der Wähler ihre Stimme gegeben. Ihnen allen, die bei diesem Frost an die Wahlurnen gingen, möchte meine Hochachtung und meinen Dank aussprechen.“

Miloš Zeman haben der Nachrichtenagentur CTK zufolge vor allem Kommunisten, sozialdemokratische Wähler sowie Wähler der erfolglosen Kandidaten der ersten Runde, Jiří Dienstbier, Jan Fischer und Jana Bobošíková gewählt.

Jan Tuček (Foto: Tomáš Adamec, Archiv des Tschechischen Rundfunks)Jan Tuček (Foto: Tomáš Adamec, Archiv des Tschechischen Rundfunks) Jan Tuček leitet die Agentur STEM /Mark. Eine nicht geringe Rolle hat dem Experten zufolge auch das frostige Wetter gespielt, sowie die Tatsache, dass viele Leute in diesen Tagen ihren Skiurlaub im Ausland verbringen. Einfluss auf die Wähler hatten zweifelsohne auch die TV-Debatten, meint Tuček:

„In den Fernsehdebatten war Zeman ein wenig erfolgreicher, aber wirklich nur ein wenig. Wenn ich es mit einer Schulnote zum Ausdruck bringe, würde Zeman eine 2,6 und Schwarzenberg eine 2,8 bekommen. Der Unterschied war sehr klein.“

Zeman habe während der Fernsehdebatten die Gelegenheit genutzt, einige Male das Thema Beneš-Dekrete anzusprechen. Dies habe, so der Experte, seine Wirkung gezeigt:

„Das bestätigen die Resultate unserer Umfragen: Die Leute brachten die Befürchtung zum Ausdruck, dass Karel Schwarzenberg sich für die Rückgabe von Eigentum an Sudetendeutsche einsetzen würde. Auch wenn Schwarzenberg seinen Standpunkt einige Mal zu erklären versuchte, so ist ihm das wahrscheinlich nicht ganz gelungen.“

Vladimíra Dvořáková (Foto: Šárka Ševčíková, Archiv des Tschechischen Rundfunks)Vladimíra Dvořáková (Foto: Šárka Ševčíková, Archiv des Tschechischen Rundfunks) Die Politologin Vladimíra Dvořáková brachte am Wahlabend im Tschechischen Fernsehen auch Zemans traditionell gespanntes Verhältnis zu den Medienvertretern zur Sprache. Dieses habe sich auch in Zemans erster Rede nach dem Wahlsieg gezeigt, so Dvořáková:

„Als er erklärte, nur intelligente Journalisten sollten ihm Fragen stellen, da habe ich mir gedacht, die Journalisten könnten eigentlich ruhig weggehen. Ich bin selbst kritisch, was die Medienarbeit anbelangt. Aber das hier war doch eine Rede, die unmittelbar nach einem Wahlsieg gehalten wurde. Es schien, als ob sich Zeman nicht bewusst war, dass die Wahlkampagne schon vorbei ist. Es war nicht die Rede eines Siegers in einer Präsidentenwahl, wie ich das aus anderen Ländern gewöhnt bin.“

Der konservative Präsident Václav Klaus, der dem linksgerichteten Miloš Zeman seine Unterstützung ausgesprochen hatte, gratulierte dem Wahlsieger kurz nach Bekanntgabe des Ergebnisses. Zum Verhältnis der beiden politischen Schwergewichte meinte der Kommentator der Tageszeitung Hospodářské noviny, Jindřich Šídlo, im Tschechischen Fernsehen:

Jindřich Šídlo (Foto: Filip Jandourek, Archiv des Tschechischen Rundfunks)Jindřich Šídlo (Foto: Filip Jandourek, Archiv des Tschechischen Rundfunks) „Miloš Zeman und Václav Klaus sind seit 1998 die besten politischen Feinde. Sie hatten eine pragmatische Haltung gemeinsam, und zwar gegenüber einem Teil des politischen Spektrums, das in dieser Präsidentenwahl von Karel Schwarzenberg repräsentiert wurde. Dazu gehören insbesondere die kleinen Parteien, die mit Václav Havel verbunden waren. Diese Beziehungen sind so stark, dass sie bis heute überlebt haben.“

Die Verbundenheit zwischen Klaus und Zeman wurde auch im Wahlkampf thematisiert, ergänzt die Politologin Dvořáková:

„Die Strategie der Wahlkampagne von Miloš Zeman war, die Wähler von Klaus zu gewinnen. In dieser Richtung war das klar koordiniert. Zu erkennen ist das an den nationalistischen Tönen, die akzentuiert wurden. Auf den Billboards war Zeman vor dem Hradschin zu sehen. Interessant war, dass Zeman nur selten die EU erwähnte. Zweifelsohne trat er vor den Wählern nicht als Europäer auf.“

Der Politikwissenschaftler Lukáš Jelínek war von Zemans Sieg nicht überrascht. Die Präsidentenwahl habe nach dem Erfolg der linken Parteien in den Regionalwahlen bewiesen, dass die tschechische Gesellschaft derzeit eher links wählt:

„Die Mehrheit der links orientierten Bevölkerung war bereit, Miloš Zeman mindestens in der zweiten Runde als ihren Kandidaten zu akzeptieren. In der zweiten Runde wurde zwar nach den Persönlichkeiten, nach dem Charakter der beiden Kandidaten gewählt, aber trotzdem war die Neigung zur Linken ausschlaggebend.“