Schriftsteller Jan Němec mit Literaturpreis der EU ausgezeichnet

10-10-2014

Auf der Frankfurter Buchmesse wurden am Mittwoch die Gewinnerinnen und Gewinner des Literaturpreises der Europäischen Union 2014 bekannt gegeben. Unter den besten Nachwuchsautorinnen und Autoren war auch der tschechische Schriftsteller Jan Němec.

Jan Němec (Foto: ČT24)Jan Němec (Foto: ČT24) Der Brünner Autor Jan Němec wurde für seinen Roman Dějiny světla (Geschichte des Lichts) mit dem Literaturpreis der EU ausgezeichnet. Das Romandebüt des 33-jährigen Schriftstellers ist eine literarische Biographie des namhaften tschechischen Fotografen František Drtikol. Nach der Preisverleihung sagte der Autor:

"Ich hoffe, dass es dem Buch helfen wird, den Weg zu weiteren Lesern zu finden.“

František Drtikol (Foto: ČT24)František Drtikol (Foto: ČT24) Němec zufolge wurde die Jury möglicherweise auch davon beeinflusst, dass er über das Leben und das Werk eines Mannes schrieb, dessen Fotografien sehr bekannt sind:

„Einige Leser greifen sicher nicht nach dem Buch, weil es irgendein Jan Němec geschrieben hat, sondern weil es um Drtikol geht. Sie kennen seine Fotografien und interessieren sich dafür, was sich hinter den Fotos verbirgt. Das ist aber völlig in Ordnung, glaube ich.“

Mit dem Buche wollte er Drtikol noch aus einer anderen Perspektive zeigen, fügt Němec hinzu.

„Geschichte des Lichts“„Geschichte des Lichts“ Drtikol brachte als erster Fotograf die Aktfotografie in die Galerien. In den 1920er Jahren wurde er weltberühmt. Später wandte er sich dem Buddhismus zu und hängte den Fotoapparat an den Nagel. Für Kunsthistoriker war das unverständlich. Bei ihnen herrschte die Ansicht vor, dass Drtikol verrückt geworden sei. Viele der spirituellen Schüler von Drtikol ahnten wiederum gar nicht, dass er ein bekannter Fotograf war.

Jan Němec deutet Drtikols Wandlung mit seinem Romantitel „Geschichte des Lichts“ in zweifacher Weise: Zunächst ist damit das Licht in der Fotografie gemeint, später das innere Licht der Meditation und der geistigen Erkenntnis. Vor seinem Romandebüt veröffentlichte Jan Němec neben einer Sammlung von Erzählungen auch erfolgreiche Gedichtbände. Zur Poesie wolle er aber nicht wieder zurückkehren:

Foto: stockers9, Free ImagesFoto: stockers9, Free Images „Ich denke, dass es eine völlig natürliche Entwicklung ist. Viele Schriftsteller fangen mit der Poesie an. Denn dadurch lernt man, mit Sprache auf eine nicht selbstverständliche Weise umzugehen. Andererseits ist es schwer, in der Poesie eine Geschichte zu entwickeln. Für mich war es eine Herausforderung, ein anderes Genre oder besser gesagt eine neue literarische Form auszuprobieren. Ich habe gewusst, dass ich einen Roman schreiben will, und suchte nach einem entsprechend interessanten Stoff dafür.“

Magnesia-Litera-Preis (Foto: Archiv Magnesia Litera)Magnesia-Litera-Preis (Foto: Archiv Magnesia Litera) Der Roman von Jan Němec wurde voriges Jahr für den tschechischen Magnesia-Litera-Preis nominiert. Zudem wurde er auf der Prager Buchmesse in diesem Jahr mit dem Preis „Česká kniha“ ausgezeichnet. Eines der Ziele dieses Preises ist es, die Übersetzung des Buches in andere Sprachen zu fördern. Der Literaturpreis der Europäischen Union ist mit jeweils 5000 Euro dotiert. 2011 wurde bereits ein anderer tschechischer Schriftsteller ausgezeichnet. Tomáš Zmeškal erhielt ihn damals für sein Romandebüt Milostný dopis klínovým písmem (Liebesbrief in Keilschrift).

10-10-2014