Schloss Opocno wieder im Besitz des Staates

11-04-2007

Vor ungefähr vier Jahren berichtete Radio Prag: Das Schloss Opocno soll an die Familie Colloredo-Mansfeld zurückgegeben. Dies geschah damals dann auch aufgrund der Entscheidung eines Bezirksgerichts, bestätigt anschließend von der höheren Instanz des Kreisgerichtes. Nun ist alles anders. Über den einmaligen Restitutionsfall in der Geschichte des Landes berichtet Jitka Mladkova:

Kristina Colloredo-Mansfeld (Foto: CTK)Kristina Colloredo-Mansfeld (Foto: CTK) Eine neue Entscheidung derselben Gerichtsinstitutionen. Initiiert wurde sie allerdings vom tschechischen Verfassungsgericht, das Anfang 2005 die zwei Jahre davor gefällten Urteile rückgängig machte und das Verfahren an das zuständige Gericht verwies. Das Fazit des jüngsten Gerichtsprozesses fasste am Karfreitag Michal Strnad, Sprecher des Kreisgerichts in Hradec Kralove / Königgrätz, im TV-Privatsender Nova folgendermaßen zusammen.

"Das Kreisgericht hat am 11. September 2006 die Entscheidung des Bezirksgerichts in Rychnov nad Kneznou bestätigt. Damit steht fest, dass das Schloss Opocno zum Eigentum der Tschechischen Republik gehört."

Gesagt, getan. Nach vier Jahren, in denen sich das Renaissance-Schloss im Besitz der Gräfin Kristina Colloredo-Mansfeld, befand, ist es am Dienstag wieder an den Staat überführt worden. Über zehn Jahre lang führt die heute 65-jährige Erbin der Adelsfamilie, die nach der Machtübernahme durch die Kommunisten nach Österreich emigrierte, ein Gerichtsverfahren gegen den tschechischen Staat. Das Schloss wurde bereits 1942 von den Nazis konfisziert und nach 1945 aufgrund der Benes-Dekrete zum Staatseigentum erklärt. Um seine Rückgabe ersuchte 1995 die Tochter des ursprünglichen Inhabers, Josef Graf Colloredo-Mansfeld. Gerade er erwies sich als Ursache der erneuten Rückgabe des Milliarden Kronen schweren Erbes, diesmal in entgegen gesetzter Richtung.

Schloss Opocno (Foto: CTK)Schloss Opocno (Foto: CTK) Nach Auffassung des Verfassungsgerichtes haben die niedrigeren Gerichtsinstanzen nicht alle Beweise ausreichend berücksichtigt. Eines der Argumente war, der Graf hätte während des Zweiten Weltkrieges einen Antrag auf Einbürgerung in das Deutsche Reich gestellt. Christina Colloredo-Mansfeld bestreitet dies:

"Mein Vater war nie ein Kollaborateur," sagte die Gräfin ebenfalls im TV-Sender Nova und deutete an, wohin es aus ihrer Sicht weiter geht: "Wenn wir nach Straßburg müssen, dann gehen wir halt nach Straßburg."

Stepan Jelinek, Bürgermeister von Opocno, sagte zum neuen Gerichtsurteil: Für Opocno sei es sehr schade. Kristina Colloredo-Mansfeld hat viel Geld in das Schloss investiert, ohne zu wissen, ob es in ihrem Besitz bleibt.

Nun ist es soweit. Das ausführliche Protokoll über die Schlossübergabe ist unterzeichnet worden. Und zum Schluss übergab die bisherige Schlossherrin ein Bündel mit 40 Schlüsseln der Leiterin des Denkmalschutzamtes des ostböhmischen Kreises Pardubice.

11-04-2007