Schicksalsjahre als Konzertthema

Die Prague Philharmonia eröffnet ihre Saison, in der sie einige Mal auf Tournee gehen wird.

Prager Kammerphilharmonie (Foto: Archiv der Prager Kammerphilharmonie)Prager Kammerphilharmonie (Foto: Archiv der Prager Kammerphilharmonie) Das Orchester wurde 1994 vom renommierten tschechischen Dirigenten Jiří Bělohlávek gegründet. Mittlerweile wurde die Prager Kammerphilharmonie in Prague Philharmonia umbenannt. Kommenden Freitag eröffnet der Klangkörper mit einem Konzert auf der Prager Burg seine 25. Saison.

Vier Konzertzyklen stehen auf dem Programm der Prague Philharmonia: der Orchestral- und der Kammerzyklus sowie der Zyklus der Gegenwartsmusik und eine Serie von Musikabenden im Palais Lobkowicz auf der Prager Burg. Hana Dohnálková leitet das Archiv der Prague Philharmonia und stellt das Programm der Konzerte der Gegenwartsmusik zusammen.

„Wir haben uns dazu entschieden, in diesem den 100. Jahrestag der Gründung der Tschechoslowakei zum Thema zu machen. Bei jedem Konzert wird eine Diskussion mit zwei Gästen veranstaltet. Der erste Musikabend ist der europäischen Musik nach dem Ersten Weltkrieg und dem ersten tschechoslowakischen Präsidenten Masaryk gewidmet. Im Blickpunkt des nächsten Konzerts stehen das Jahr 1938 und die progressive tschechische Musik vor dem Hintergrund der dramatischen Entwicklung der 1930er Jahre. Diskutieren werden die Musikwissenschaftlerin Vlasta Reittererová und der Militärhistoriker Eduard Stehlík. Ein weiteres Konzert steht dann im Zeichen des Jahres 1968, als Gäste sind der Historiker Pavel Žáček und der Musikologe Viktor Pantůček eingeladen.“

Hana Dohnálková (Foto: Khalil Baalbaki, Archiv des Tschechischen Rundfunks)Hana Dohnálková (Foto: Khalil Baalbaki, Archiv des Tschechischen Rundfunks) Bei einem der nächsten Konzerte erklingt dann Musik aus dem Ostblock, konkret aus den 1980er Jahren. Der Höhepunkt des Zyklus sei aber ein Konzert am 10. Dezember im Messepalast, sagt Hana Dohnálková:

„Einzigartig daran ist, dass alles, was dort zu hören ist, in Weltpremiere gespielt wird. Ich habe die jungen tschechischen Komponisten Petr Wajsar, Jan Trojan und Tomáš Reindl angesprochen, die an dem Musikprojekt arbeiten. Eingeladen habe ich zudem das Ensemble Clarinet Factory, das mit Prague Philharmonia durch den Abend begleiten wird.“

Natürlich wird es auch an diesem Abend eine Diskussion geben, eingeladen wurde unter anderem der Aufdeckungsjournalist und Unterzeichner der Charta 77 Jaroslav Spurný.

Radim Otépka (Foto: Vojtěch Havlík, Archiv des Tschechischen Rundfunks)Radim Otépka (Foto: Vojtěch Havlík, Archiv des Tschechischen Rundfunks) Die Prague Philharmonia begleitet oft renommierte Sängerinnen und Sänger bei Konzerten und nimmt mit ihnen CDs auf. Auch in der neuen Saison wird das Ensemble auf Tournee gehen, erzählt der Direktor der Prague Philharmonia, Radim Otépka.

„Einer von diesen Opernstars ist der Tenor Jonas Kaufmann. Im Februar 2019 begleiten wir ihn bei Konzerten in München, Berlin und Frankfurt. Die Prague Philharmonia hat in der Vergangenheit zudem einige CDs mit international anerkannten Solisten aufgenommen. Dazu gehört beispielsweise eine CD mit dem US-amerikanischen Tenor Bryan Hymel für Warner Classics oder eine CD mit der Sopranistin Anna Netrebko für die Deutsche Grammophon.“

In diesen Tagen tritt die Prague Philharmonia beim internationalen Musikfestival in Besançon auf. Auch in der neuen Saison setzt sie ihre Zusammenarbeit mit dem Royal Opera House in Muscat in Oman fort.

Benjamin Bernheim (Foto: YouTube Kanal von Benjamin Bernheim)Benjamin Bernheim (Foto: YouTube Kanal von Benjamin Bernheim) „Im dortigen Opernhaus hat das Orchester eine stabile Position. In dieser Saison wird es an vier Projekten teilnehmen. Die Einzelheiten wollte der Veranstalter noch nicht veröffentlichen. Schließlich wird die Prague Philharmonia eine CD mit dem französischen Tenor Benjamin Bernheim für das Label Deutsche Grammophon aufnehmen.“

Die Prague Philharmonia eröffnet die neue Saison am Freitag, den 14. September, mit einem Festkonzert im Spanischen Saal der Prager Burg. Auf dem Programm stehen Werke von Maurice Ravel, Max Bruch und Ludwig van Beethoven. Schon am Mittwoch findet das erste Konzert aus der Reihe der Musikabende im Palais Lobkowicz statt.