Razzien in Cheb: Falsifikate in Höhe von sieben Million Euro sichergestellt

Schon einige Zeit hat die Musikindustrie gewaltige Probleme, ihre ins Geld gehenden CDs und DVDs gewinnbringend an den Mann zu bringen. Es sind immer mehr Raubkopien auf dem Markt, und auch in Tschechien hat diese strafbare Vervielfältigung von Tonträgern längst Einzug gehalten. Dies wurde nicht zuletzt bei einigen Großrazzien sichtbar, die Ende Juli auf den Vietnamesenmärkten in Cheb/Eger und Umgebung durchgeführt wurden. Lothar Martin mit den Einzelheiten.

Razzie in Cheb (Foto: CTK)Razzie in Cheb (Foto: CTK) Falsifikate und Raubkopien in einem Gesamtwert von 220 Millionen Tschechischen Kronen (ca. sieben Millionen Euro) sind den Zöllnern und Polizisten bei ihren Kontrollen und Razzien in die Hände gefallen, die sie in der letzten Julidekade in der westböhmischen Stadt Cheb/Eger allein auf dem Vietnamesenmarkt Dragoun durchgeführt haben. Bei den Einsätzen der insgesamt 124 Beamten wurden nicht weniger als 108.000 gefälschte Marken-Textilien sichergestellt, deren Wert mit 162 Millionen Kronen beziffert wurde. Des weiteren wurden mehr als 25.000 Paar gefälschter Markenschuhe im Wert von 38 Millionen Kronen, über 22.000 CD- und DVD-Raubkopien im Wert von nahezu 13,5 Millionen Kronen sowie 1,5 Millionen illegaler Zigaretten aufgespürt, die dem Staat einen Steuer- und Zollverlust von 633.000 Kronen eingebracht hätten. Das wesentliche aber war, dass man bei diesen Razzien auch auf eine geheime Näherei von Textilien, eine illegale Zigarettenverpackungswerkstätte und auf drei so genannte CD-Brenner gestoßen ist. Fundstätten, die die Sprecherin der Westböhmischen Zollverwaltung, Jitka Blahutová, zu dieser Aussage veranlassten:

"Dadurch, dass es gelang, eine Produktionsstätte ausfindig zu machen, in der Markentextilien genäht, CD- und DVD-Raubkopien gebrannt und letztlich sogar illegale Zigaretten verpackt wurden, dies ist sicher eine Wende in der Auffassung, wonach diese Falsifikate aus dem Ausland eingeschmuggelt werden. Hierbei hat es sich vielmehr gezeigt, dass die Herstellung dieser gefälschten Waren bzw. zumindest eines Teils von ihnen im Inland vorgenommen wird."

Falsifikate (Foto: CTK)Falsifikate (Foto: CTK) Hier hat sich in der Tat eine Verschiebung eingestellt. Wurden noch in der ersten Hälfte der 90er Jahre nahezu alle Raubkopien aus dem Ausland eingeschleust, so ist nun der Anteil ihrer inländischen Nachahmer um ein Vielfaches gestiegen. Bei den Razzien konnten die Zoll- und Polizeibeamten ein ganzes Organisationsnetz zur Herstellung von Raubkopien aufdecken und dabei nicht weniger als 77.000 bevorratete leere CD-Hüllen sicherstellen. Negative Auswirkung dieses Fahndungserfolgs ist der, dass gegen den emsigen Direktor der Egerer Zollbehörde, Roman Stovícek, bereits Morddrohungen ausgesprochen worden sind. Daher wird ihm seit geraumer Zeit auch Personenschutz zuteil. Dennoch: Nicht zuletzt dank seines Wirkens in Zusammenarbeit mit der örtlichen Polizei ist es gelungen, die Straftaten im Raum Cheb zu senken und deren Aufklärung auf 59 Prozent zu erhöhen. Welche Straftaten dabei im Einzugsgebiet As/Asch - Cheb/Eger - Mariánské Lázne/Marienbad noch am häufigsten begangen werden, dazu sagte der stellvertretende Bezirkspolizeidirektor Josef Broz:

Falsifikate (Foto: CTK)Falsifikate (Foto: CTK) "Regelmäßig werden Fahrzeuge ausgeraubt oder die Wagen vor Ort gleich selbst gestohlen, die man dann zumeist nicht wieder sieht. Und dann natürlich Diebstahl. Diese drei Kategorien sind völlig dominant bei den Straftaten. Das liegt insbesondere an der geographischen Lage des Bezirks Cheb und am Touristenverkehr, der hier herrscht."