Rap meets Schiller - Deutschlernen einmal anders

08-10-2008

„Der Zauberlehrling“, „Die Glocke“, „Prometheus“ – diese Gedichte und Balladen begleiten seit jeher Schüler im Deutschunterricht. In fünf mittelosteuropäischen Ländern sollen sie ab sofort Jugendliche zum Rappen auf Deutsch anregen.

„Freude, schöner Götterfunken…“ – die berühmteste Zeile aus Friedrich Schillers Gedicht „An die Freude“. Allerdings nicht in gewohnter Form, vertont in Beethovens 9. Sinfonie, der heutigen Europahymne. Hier ist der Rapper Doppel-U aus Jena am Werk. Zusammen mit den Goethe-Instituten Mittel- und Osteuropas hat er einen Wettbewerb der anderen Art ins Leben gerufen. Dabei sollen die klassischen Werke nicht wie sonst üblich rezitiert, sondern - mit derben Beats unterlegt - gerappt werden. Keine leichte Aufgabe für die Schüler, wie der 26-jährige Rapper Doppel-U meint:

„Ich glaube, es ist niemals einfach, in einer Fremdsprache zu rappen, aber an sich geht es einfach nur um dieses Gefühl des Mitmachenwollens. Das Schöne ist, wir können einfach die Struktur vorgegebener Texte - wie eben dieser Literatur - nutzen, um Rhythmus und Aussprache zu üben. Das ist die Basis, auf die der Rap ja eigentlich steht.“

Hans Simon-Pelanda, Sprach-Beauftragter des Prager Goethe-Instituts, sieht vor allem den Spaß am Sprachenlernen an erster Stelle: „Die Idee war, Deutsch in einer anderen Form den Schülern näherzubringen.“

Also hat sich Doppel-U auf eine Tour durch Mittelosteuropa gemacht. Im Gepäck hat er seinen Rapkollegen MC Shakun und jede Menge Energie, um die Schüler für den Schiller-Rap zu begeistern. Während die Halle im südböhmischen České Budějovice / Budweis mit 600 Schülern voll war, herrschte am vergangenen Freitag in Prag ein eher verhaltenes Interesse. Nur rund 100 Jugendliche nickten zum Beat von Doppel-U. Das liege aber nicht nur an den Prager Schülern, sondern auch an ihren Lehrern, meint Hans Simon-Pelanda:

„Ich kann mir vorstellen, dass es für den Deutschunterricht eine ganz gute Ergänzung sein kann. Aber die Lehrer tun sich noch ein bisschen schwer mit Hip-Hop. Wenn der Lehrer schon ´Hip-Hop? Kenn ich nicht, mag ich nicht, mach ich nicht´ sagt, dann bekommen die Schüler auch nicht mit, dass es die Veranstaltung gibt.“

Der Jenaer Rapper Doppel-U macht sich auf die Schüchternheit der Prager Schüler seinen eigenen Reim: Aller Anfang sei schwer. Das gelte besonders für Rap, meint er:

„Immer wenn man anfängt, ist man erst einmal schlecht. Und dann wird man von Hip-Hoppern meistens ´gedisst´. Und ich glaube, das schreckt auch viele ab, einfach mal anzufangen oder loszulassen. Viele können sich auch nicht vorstellen, dass sich deutscher Rap gut anhört.“

Doppel-U hat sich aber vorgenommen, diese herkömmliche Vorstellung in den Wind zu rappen. Bis zum 15. November können sich noch Schüler zum Schiller-Rap-Wettbewerb bei den Goethe-Instituten in Mittel- und Osteuropa anmelden. Den besten Rappern winkt eine CD-Aufnahme zum Schillerjahr 2009.

08-10-2008