Proteste gegen die Inbetriebnahme des AKWs Temelin

Die Inbetriebnahme des Atomkraftwerks Temelin rückt immer näher und die kritischen Stimmen, die seinen Sinn und seine Sicherheit anzweifeln, werden immer lauter. Bereits seit 1990 veranstalten tschechische und ausländische ökologische Organisationen Protestaktionen gegen dieses Atomkraftwerk. Einen kleinen Rückblick auf die Anti-Temelin-Aktionen hat Veronika Siskova zusammengestellt.

Der häufigste Grund, weswegen ökologische Organisationen immer wieder zu Protesten gegen das Atomkraftwerk Temelin aufrufen, ist die Angst vor einem Unfall und der nachfolgenden radioaktiven Verseuchung.

Die erste Protestaktion überhaupt gegen das AKW Temelin war 1990 die Aktion der internationalen Greenpeace-Bewegung anlässlich des Jahrestages der Tragödie von Tschernobyl. Neun Bergsteiger befestigten damals am Temeliner Kühlturm ein Transparent mit den Worten "Kein tschechoslowakisches Tschernobyl".

Neben Greenpeace gehört die Bewegung Duha, zu deutsch Regenbogen, zu den engagiertesten Protestinitiatoren: Seit 1993 veranstaltet sie alljährlich im Juli ein "Lager bei Temelin" und bereits einige Jahre die Aktion "Frühlingserwachen bei Temelin". Schon beim ersten Julilager versuchten die Teilnehmer, die Einfahrt in das AKW-Areal zu blockieren.

Auch andere Organisationen und sogar einzelne Personen protestieren gegen das Atomkraftwerk. So richteten z.B. im April 1994 ca. 1000 Demonstranten bei Temelin ein symbolisches Kreuz für die Opfer der Atomenergie auf. An die 200 Protestierenden, unter ihnen auch Ex-Premierminister Petr Pithart, beteiligten sich im Jahre 1995 auf den Aufruf der Bürgervereinigung "Bürger gegen Temelin" hin an einer Blockade der Kraftwerkseinfahrt. Die Blockade wurde nach einigen Polizeieinsätzen nach zwei Tagen beendet.

Während des vierten Jahrganges des "Lagers bei Temelin" im Juli 1996 blockierten mehr als 200 ökologische Aktivisten aus dem In- und Ausland vier Tage lang den Bau am Atomkraftwerk. An dieser Aktion nahm auch die Vizevorsitzende des Parlaments, Petra Buzkova, teil.

Ein Jahr später kletterten zwei Menschen auf die Kühltürme, um darauf aufmerksam zu machen, dass das AKW-Areal nicht genügend bewacht wird.

Das Ziel des diesjährigen "Lagers bei Temelin" war, Unterschriften für die Petition zu sammeln, die eine Volksbefragung zum AKW Temelin bewirken sollte. Die Öko-Aktivisten bemalten die Straßen um das Kraftwerk herum, weswegen sie das Tschechische Energiewerk CEZ anzeigte.

Doch nicht nur in Temelin wird protestiert. Einige Demonstrationen fanden z. B. vor dem Gebäude der tschechischen Regierung statt, vor dem Sitz des Energiewerkes CEZ sowie vor dem Industrie- und Handelsministerium.

Die Petition der Initiative Referendum 2000, die im Zeitraum von April bis Juli diesen Jahres von 115 Tausend Menschen unterschrieben wurde und eine Volksbefragung zum AKW Temelin bewirken sollte, war auch keine Einzelaktion: bereits im Jahre 1997 und 1999 rief die Bewegung Duha zur Unterzeichnung von Anti-Temelin-Petitionen auf.

Die nächste Protestaktion, diesmal eine österreichische, ist für Samstag, den 2. September, geplant. Für sechs Stunden werden österreichische Atomgegner die Grenzübergänge zwischen Oberösterreich und Südböhmen unpassierbar machen. Es wird mit großen Staus gerechnet, da gerade an diesem Wochenende die tschechischen Sommerferien zu Ende gehen. Die Aktion geht von der oberösterreichischen unparteiischen Plattform gegen Atomgefahr und dem Österreichisch-tschechischen Ausschuss gegen Atomenergie aus. Die tschechischen Greenpeace-Aktivisten hingegen werden sich nicht an dieser Protestaktion beteiligen. Die Blockade füge lediglich nur Menschen Schaden zu, die genau in dieser Zeit die Grenzen werden passieren wollen, so Jiri Tutter, der Direktor der tschechischen Organisation Greenpeace gegenüber der Nachrichtenagentur CTK.