Proteste, Flüchtlinge und Gesichter: Beste Pressefotos ausgezeichnet

22-11-2016

Am Montag wurden die Sieger eines der wichtigsten Journalistenpreise in Tschechien verkündet: des Czech Press Photo. Gewonnen hat ein Bild, das wohl am besten die derzeitige politische Stimmung in Tschechien beschreibt.

Foto: Michal Šula / ČTKFoto: Michal Šula / ČTK Zwei Menschen, die sich im Streit in ihre Fahnen eingewickelt haben: Die Farben sind tschechisch, tibetisch und chinesisch. Zu Boden fällt ein Schild mit der Aufschrift „Human rights“, geschrieben auf Englisch und in chinesischen Schriftzeichen. Aufgenommen hat das Bild Michal Šula von der Tageszeitung MfDnes. Es entstand beim Staatsbesuch des chinesischen Präsidenten Xi Jinping in Prag Ende März. Jetzt hat er damit den Hauptwettbewerb beim renommierten tschechischen Journalistenpreis Czech Press Photo gewonnen:

„Ich habe das Bild in Stochov gemacht, unweit der Autobahnabfahrt in Richtung Lány bei Prag. Dort trafen rund 15 Menschenrechtsaktivisten auf drei volle Busse mit einer chinesischen Grüß-Delegation. Dabei kam es zu der bizarren Szene, dass die Chinesen versuchten, die Menschenrechtler in riesige Fahnen einzuwickeln. Sie wollten nicht, dass der chinesische Präsident sieht, was sich hier abspielt.“

Michal Šula (Foto: ČTK)Michal Šula (Foto: ČTK) Die Jury aus renommierten Journalisten sah in dem Foto die derzeitige politische und gesellschaftliche Stimmung am besten repräsentiert. Das heißt den Streit, in welche Richtung Tschechien gehen sollte – nach Osten oder nach Westen. Michal Šula betrachtet sein Werk mit professioneller Distanz. Immerhin hat der erfahrene Fotograf den Preis schon 2007 gewonnen:

„Ich persönlich denke nicht so tief, wenn ich meine Fotos mache. Mit einem gewissen Abstand betrachtet, wird mir aber doch klar, dass mein Bild etwas zu sagen hat zum gegenwärtigen Zustand der Gesellschaft.“

Das beste tschechische Pressefoto wird seit bereits 22 Jahren ausgezeichnet. Das Bild von Michal Šula ist jedoch nicht das einzige, das am Montag geehrt wurde. Insgesamt wird der Preis Czech Press Photo in neun Kategorien vergeben, darunter Sport, Reportage, Menschen, über die man spricht, sowie Natur oder Kunst. Veronika Souralová ist Leiterin des Wettbewerbs:

„Dieser Konflikt zwischen der chinesischen Realität und unserer Demokratie war eines der stärksten Themen des diesjährigen Wettbewerbs. Natürlich gab es noch weitere Themen, wie zum Beispiel die Migrationskrise.“

Foto: Petr Topič / ČTKFoto: Petr Topič / ČTK Oder die Terroranschläge in Paris und vieles mehr, fügt Souralová hinzu. Ihr Favorit ist ein Bild, das im Vorfeld Kritik ausgelöst hat im Vorfeld. Ausgezeichnet wurde es in der Kategorie „Menschen, über die man spricht“: ein Foto des kommunistischen Europaabgeordneten Miroslav Ransdorf, geschossen von Petr Topič für den Verlag Mafra. Das Bild zeigt Ransdorf im Dezember 2015, verschwitzt und nicht in bester Verfassung. Er musste seinen Parteikollegen zuvor erklären, was er mit gewissen Millionenbeträgen in einer Schweizer Bank zu tun hatte. Zwei Wochen später war der Politiker tot. Veronika Souralová erklärt, warum man sich dennoch für dieses Bild entschieden hat:

„Diese Fotografie hat überzeugt, da bei ihr die Emotionen zu spüren sind, die Geschichte dahinter und die ganze Causa. Es ist ein journalistisches Foto, wie es sein soll: Es beschreibt das Geschehnis und stellt es dazu ausgezeichnet künstlerisch dar.“

 

Die besten tschechischen Pressefotos sind in einer Ausstellung im Altstädter Rathaus in Prag zu sehen.

22-11-2016