Prosaistin Jarmila Loukotkova ist gestorben

Nachdem am vergangenen Wochenende bekannt wurde, dass der wohl größte tschechische Komponist der Gegenwart, Petr Eben, nach schwerer Krankheit verstorben ist, wurde Anfang dieser Woche eine weitere traurige Nachricht gemeldet.

Jarmila Loukotkova (Foto: CTK)Jarmila Loukotkova (Foto: CTK) Im Alter von 84 Jahren ist eine der hierzulande meistgelesenen Autorinnen und Autoren historischer Romane, Jarmila Loukotkova, gestorben. Loukotkova stammte aus der Familie des Amerikanisten, Ethnografen und Linguisten Cestmir Loukotka, der sich vor allem mit dem Leben der Ureinwohner Amerikas beschäftigte. Sie begann ihre Ausbildung an einem Gymnasium in Prag. Nach dem Krieg studierte sie die Fächer Ästhetik und Französisch und später auch Deutsch an der Philosophischen Fakultät der Prager Karlsuniversität.

Neben Büchern verfasste sie auch Hörspiele und Drehbücher für das Tschechoslowakische Fernsehen. Bekannt wurde sie jedoch als Autorin historischer Prosa, die meist in der Antike angesiedelt ist. Weitere Bücher beschreiben die psychologischen und seelischen Probleme moderner Frauen wie zum Beispiel in "Meduse". Ebenfalls erfolgreich waren ihr Kriminalroman "Belohnung" sowie ihre Mädchen- und Abenteuerzählungen "Liane des Todes". Über den Beginn ihrer Laufbahn als Schriftstellerin sprach sie vor über 20 Jahren im damaligen Tschechoslowakischen Rundfunk:

"Mein erstes Buch ist sehr früh erscheinen. Das war im Jahr 1940, als ich gerade 17 Jahre alt war. Es war ein Band mit mehreren Erzählungen aus der Antike. Meine Vorliebe für die Antike beruht wahrscheinlich teilweise auf einer genetisch bedingten Veranlagung. Ich habe einen Urgroßonkel, der eine ganze Reihe von Latein- und Griechisch-Lehrbüchern geschrieben hat. Er war auch der letzte in Latein schreibende Dichter hierzulande."

Über ihren Lieblingsdichter Francois Villon schrieb Loukotkova ihren biographischen Roman "Allen zum Trotz singt der Dichter". Warum ihr der im 15. Jahrhundert lebende französische Dichter so nahe war, sagte sie im Rundfunk:

"Villons Poesie hat mich bezaubert. Ich war von ihr einfach hingerissen. Erstens von ihrem Inhalt, zweitens von ihrer Atmosphäre, aber auch von ihrer tief greifenden menschlichen Wahrhaftigkeit. Seine Poesie würde ich als eine Synthese von Tragik und ätzendem Spott bezeichnen."