Prager Ausstellung "Im Totaleinsatz"

06-06-2005

In der vergangenen Woche hat die deutsche Stiftung "Erinnerung, Verantwortung, Zukunft" offiziell den Abschluss der humanitären Hilfeleistung an tschechische NS-Opfer verkündet. Als Begleitveranstaltung hat der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds, der bei der Auszahlung der Entschädigungsgelder als Vermittler funktionierte, eine Ausstellung unter dem Leitmotto "Im Totaleinsatz - Zwangsarbeit für das Dritte Reich. 60 Jahre danach" organisiert. Mehr dazu im folgenden Beitrag von Jitka Mladkova:

Ein Bestandteil der Kriegsmaschinerie des Dritten Reiches waren bekanntlich die Konzentrationslager, die von einem in den Jahren 1942 - 1944 dicht ausgebauten Netz aus Arbeitslagern umgeben waren. Mitte des Jahres 1944 wurden insgesamt 13 500 000 Ausländer in verschiedensten Produktionsbereichen als Zwangsarbeiter eingesetzt, unter ihnen rund 600 000 Tschechen. Nach dem Krieg musste mehr als ein halbes Jahrhundert vergehen, bis die noch lebenden Opfer schließlich entschädigt werden konnten. Dass es sich vor allem um eine symbolische Entschädigung handelt, räumte auch der deutsche Botschafter in Prag, Michael Libal, ein. Bei der Eröffnung der Prager Ausstellung, die an die tschechischen Zwangsarbeiter erinnert, sagte Libal:

"Wieder gut gemacht kann das damals erlittene Unrecht nur in bescheidenem Umfang. Aber wie so oft in vergleichbaren Fällen, kommt es hier in erster Linie auf die Geste an. Ich freue mich daher besonders, heute in Prag diese Ausstellung über die deutschen Bemühungen zur Wiedergutmachung, insbesondere zur Entschädigung der Zwangsarbeiter, mit zu eröffnen."

Doch nicht nur von deutscher Seite aus gesehen mussten mehrere Jahrzehnte vergehen, bis man die Entschädigung der Zwangsarbeiter überhaupt zu erwägen begann. Auch in der Nachkriegstschechoslowakei setzte man sich mit diesem Thema paradoxerweise lange Zeit nicht auseinander. Jana Havlikova vom Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds hat dafür eine Erklärung:

"Man hielt es für kein wichtiges Thema. Wenn über Naziopfer geredet wurde, dann wurde an die Häftlinge der KZs gedacht. Mit dem Thema 'Zwangsarbeiter' wusste man nicht so richtig umzugehen."

Außerdem, so Jana Havlikova, seien Zwangsarbeiter oft als Menschen eingestuft worden, die für die Nazis arbeiteten. Dass es Zwangsarbeit war, sei verdrängt worden. Und worin sieht sie den Sinn dieser Ausstellung? Noch einmal Jana Havlikova:

"Im Laufe des Entschädigungsprozesses sind wir auf unglaublich interessante Lebensgeschichten gestoßen, die uns auch heute sehr viel zu sagen haben. Es geht um die persönlichen Erfahrungen mit einer totalitären Macht bzw. mit extrem schweren Situationen von Menschen, die bald nicht mehr unter uns sind, deren Erinnerungen aber als unser Erbe bewahrt werden sollte."

Bei der Vorbereitung der Ausstellung empfand Jana Havlikova als faszinierend, dass viele dieser Menschen, die einen Antrag auf Zwangsarbeiterentschädigung stellten, zum ersten Mal im Leben jemandem über ihr Schicksal berichteten. Für manche von ihnen, sagt Havlikova, war es nicht nur die Gelegenheit, etwas Geld zu bekommen, sondern auch ein Anlass, ihre Lebensgeschichte zu erzählen, die nicht einmal ihre Familienangehörige kannten.

06-06-2005