Polo-Import in Tschechien

10-10-2008

Es braucht ein Pferd, einen Schläger und viel Geschick. Polo gilt als elitärer Sport. Aber immerhin wird es in rund 80 Ländern der Welt gespielt. Übrigens auch in Mittelosteuropa. Die große Ausnahme dabei stellt Tschechien dar. Aber das soll sich ab April nächsten Jahres ändern, wenn in der Nähe von Prag der erste Polo-Club seine Pforten öffnet.

Es ist schon ein außergewöhnlicher Sport. Acht Menschen reiten auf Pferden und versuchen, einen 130 Gramm schweren Ball mit einem Holzschläger in das gegnerische Tor zu schlagen. Dabei braucht ein Spieler nicht nur einen Helm mit Gesichtsschutz, sondern auch mehrere Pferde, um die Belastung für die Tiere erträglich zu machen. Nach Entspannung klingt das sicher nicht. Aber genau das reizt Nikolaus Seiwald, den österreichischen Handelsdelegierten in Prag, an diesem Sport:

„Das Besondere daran ist, dass der Mensch so eine große Herausforderung erlebt. Denn er muss das Pferd in der Hand haben, er muss den Ball managen und gleichzeitig ein Team-Spiel absolvieren. Und die Kombination dieser drei Faktoren ist so eine Herausforderung, dass, wenn sie ein Mensch schafft, er nie mehr aufhören will zu spielen.“

Herr Seiwald weiß wovon er spricht. Schließlich spielt er selbst seit 30 Jahren Polo. Während eines beruflichen Aufenthaltes in Indien hatte er den Sport für sich entdeckt. Denn der Österreicher konnte in Indien seiner Passion, dem Skifahren, nicht nachgehen und suchte nach einer Alternative. Auch wenn Herr Seiwald inzwischen schon in vielen Ländern der Welt Polo gespielt hat, so verbindet er doch mit Indien besondere Erinnerungen:

„Meine schönsten Polo-Spiele hatte ich in Jaipur in Indien. Dort gab es Massen von Zuschauern. Und am Schluss des Spieles sind sie alle aufs Feld gelaufen, haben bei der Preisverleihung zugeschaut und geklatscht. Natürlich hat es viel ausgemacht, wenn der Herr Mahraradscha selbst auch mitgespielt hat, denn den haben sie sehr verehrt. Das war dann die schönste Atmosphäre.“

Diese Atmosphäre vermisst Nikolaus Seiwald, seit er vor zwei Jahren nach Tschechien kam. Mit einem Wochenendkurs, der heute beginnt, möchte er die Tschechen für den Polo-Sport begeistern. Auf der Levin-Farm 30 Kilometer vor Prag, sollen sich Groß und Klein hoch zu Pferde mit den Regeln und der Ausrüstung vertraut machen. Und natürlich sollen sie auch Gefallen daran finden, denn Nikolaus Seiwald hat noch Großes vor:

„Wir wollen dann ab ersten April nächsten Jahres einen regelmäßigen Club-Betrieb haben. Wir werden jetzt den Interessenten erklären, wie sie zu Pferden kommen, welche Ausrüstung sie brauchen. Das können sie dann über den Winter alles machen. Sie können auch nach Argentinien in ein Camp fahren oder woanders einen Kurs belegen und spielen, sodass wir wirklich ab April mit einem regelmäßigen Club-Betrieb beginnen können.“

Man darf gespannt sein, ob die Tschechen tatsächlich auf das Polo-Pferd aufspringen.

10-10-2008