Pavel Šmok: Legende der tschechischen Tanzkunst gestorben

Pavel Šmok war einer der führenden Choreographen und Gestalter des modernen Tanzes in der Tschechoslowakei. Er hat das Ensemble „Balet Praha“ mitbegründet, das Ballettensemble in Basel geleitet und später die Tanzgruppe „Prager Kammerballett“ ins Leben gerufen, sowie zwanzig Jahre lang geleitet. Er starb am Montag im Alter von 88 Jahren.

Pavel Šmok (Foto: ČTK)Pavel Šmok (Foto: ČTK) „Die Inspiration für die Bewegung kommt aus allen möglichen Quellen. Sei es eine Vogelschar oder ein Schwarm kleiner Fische, die Bäume oder der Sport. Jede beliebige Bewegung war für mich Material.“

Soweit der Choreograph in einem Dokumentarfilm des Tschechischen Fernsehens.

Der junge Pavel Šmok spielte Laientheater, tanzte in einem Folklore-Ensemble und machte Eiskunstlauf. Er studierte zunächst Technik, mit 22 Jahren entschloss er sich aber für das Tanzstudium am Prager Konservatorium. Danach war er Solotänzer an der Prager Armeeoper und in Plzeň / Pilsen, aber auch Leiter der Ballettensembles in Ústí nad Labem / Aussig und in Ostrava / Ostrau. 1964 war er Mitbegründer des Ensembles „Balet Praha“, das zu einem „Labor des experimentellen Tanzes“ werden sollte. Šmok und seine Kollegen verließen darin das klassische Ballett und suchten nach neuen Möglichkeiten des Ausdruckstanzes.

Foto: Tschechisches FernsehenFoto: Tschechisches Fernsehen 1970 bekam Šmok ein Engagement als Ballettdirektor in Basel. Gemeinsam mit vierzehn seiner Tänzer verbrachte er drei Saisonen in der Schweiz, bis ihm diese Tätigkeit vom tschechoslowakischen Staat verboten wurde. Vor die Wahl zwischen einem Leben im Exil und der Rückkehr in die Tschechoslowakei gestellt, entschloss er sich für die Heimkehr. 1975 kam er zum Prager Theater Rokoko. Dort formierte er seine eigene Tanzgruppe, die später unter dem Namen „Pražský komorní balet“ (Prager Kammerballett) auftrat. Er war einer der ersten Choreographen, die den modernen Tanz prägten. Dabei arbeitete er am liebsten mit der Musik tschechischer Komponisten wie Smetana, Dvořák und Janáček. Über den Entstehungsprozess einer Choreographie sagte er dem Tschechischen Fernsehen:

Vlastimil Harapes (Foto: Tomáš Vodňanský, Archiv des Tschechischen Rundfunks)Vlastimil Harapes (Foto: Tomáš Vodňanský, Archiv des Tschechischen Rundfunks) „Ich bin darauf gekommen, dass ich zunächst das Ende der Choreographie finden muss. Dann muss ich einen Bogen zwischen dem Anfang und dem Ende spannen, also eine Konstruktion bauen. Ich habe die Schritte nie im Voraus geplant. Ich trug höchstens einige Ideen in die Partitur ein. Alles entstand erst im Ballettsaal. Eigentlich haben die Tänzer für mich gestaltet.“

Der Ballettkünstler und Choreograph Vlastimil Harapes hat Šmoks Arbeit gegenüber dem Tschechischen Rundfunk folgendermaßen beschrieben:

„Seine Choreographien waren sehr verständlich. Es war keine Bewegung an sich. Er machte die Schritte nicht, nur um die Zeit zu füllen. Die Bewegungen trugen einen tiefen Sinn, eine große Musikalität. Die Musikvorlagen waren immer hervorragend, und er war imstande, den Inhalt und den Sinn durch die Bewegungen zum Ausdruck zu bringen.“

Prager Kammerballett (Foto: YouTube Kanal der Stadt Ústí nad Orlicí)Prager Kammerballett (Foto: YouTube Kanal der Stadt Ústí nad Orlicí) Das Prager Kammerballett ist zum im Ausland bekanntesten tschechischen Tanzensemble geworden. Pavel Šmok hat Choreographien für mehr als hundert Vorstellungen gestaltet, nicht nur für das Tanz-Theater, sondern auch für Opern und Operetten. Er war auch als Regisseur tätig und arbeitete für Film und Fernsehen. Ab 1990 war er als Professor für Choreographie an der Prager Akademie der musischen Künste tätig.

„Man kann Choreographie nicht unterrichten. Man kann niemandem beibringen, wie ihm etwas einfallen soll. Die Idee ist ein einzigartiger Moment, sie ist eigentlich ein Fehler beim Denken. Man muss sich aber dessen bewusst werden, dass sie kein Fehler, sondern ein Einfall ist. Das ist der einzige Weg, wie man Choreographie lernen kann: man muss den Schüler provozieren, damit er von seiner normalen Denkweise abweicht.“