Opernstar Beczała: „Český Krumlov ist traumhaft“

Piotr Beczała gehört zu den meist gefragten Tenören der Gegenwart. Der aus Polen stammende Sänger tritt regelmäßig in renommierten Opernhäusern der Welt auf – darunter in der Metropolitan Opera in New York, der Bayerischen Staatsoper in München oder der Wiener Staatsoper. Zuletzt feierte er als Lohengrin Erfolg bei den Bayreuther Festspielen. Die Titelpartie des Schwanenritters übernahm er nach der Absage von Roberto Alagna. Nur ein paar Tage vor der Lohengrin-Premiere sang Beczała beim Festival in Český Krumlov / Krumau. Nach dem Opernkonzert entstand das folgende Interview mit dem Tenor.

Piotr Beczala singt in Český Krumlov (Foto: Press Service MHF Český Krumlov) Piotr Beczala singt in Český Krumlov (Foto: Press Service MHF Český Krumlov) Herr Beczała, wie haben Sie Ihre anderen Verpflichtungen mit dem Lohengrin in Bayreuth koordiniert?

Piotr Beczała (Foto: Jean-Baptiste Millot)Piotr Beczała (Foto: Jean-Baptiste Millot) „Das war sehr schwer. Vor zweieinhalb Wochen (Anfang Juli, Anm. d. Red.), als die Idee mit dem Lohengrin entstand, habe ich gesagt: Wenn es wirklich sehr knapp wird, muss man ein paar Sachen absagen. Aber das Konzert in Český Krumlov war nicht gefährdet, da ich wusste, dass ich jetzt noch drei Tage frei habe. Einige Sachen habe ich absagen müssen, was mir sehr leid tut. Aber Christian Thielemann und die Leitung der Bayreuther Festspiele haben mich angerufen und mir alles erklärt. Doch es war nicht einfach.“

Wie ist die Zusammenarbeit mit Dirigent Christian Thielemann, den Sie schon länger kennen?

„Fantastisch. Das ist ein musikalischer Traum, anders kann man das nicht nennen. Ich habe mit ihm vor zwei Jahren in Dresden beim Lohengrin und auch bei einigen Konzerten zusammengearbeitet. Ich bewundere, wie er diese Musik versteht und wie er auch den Sängern vertraut. Es macht wirklich viel Spaß, unter seiner Leitung zu singen.“

Überlegen Sie vielleicht, auch mal eine andere Wagner-Rolle zu übernehmen?

„Ich denke nicht daran, aber man weiß nie. Zurzeit gilt das aber nicht, denn ich habe ziemlich viele Lohengrin-Vorstellungen in den nächsten drei, vier Jahren – und dabei bleibt dabei es. Einschließlich der Spielzeit 2022/23 werde ich bestimmt keine neue Wagner-Rolle singen. Ich wurde schon sehr oft darum gebeten. In Frage könnten eventuell Parsifal oder Walter Stolzing kommen. Aber eigentlich möchte ich mein Repertoire in Richtung italienische Musik erweitern: Aida, Il Trovatore und La forza del destino.“

Wie hat sich Ihre Stimme in den letzten 15 Jahren geändert?

Piotr Beczała singt in Český Krumlov (Foto: Press Service MHF Český Krumlov) Piotr Beczała singt in Český Krumlov (Foto: Press Service MHF Český Krumlov) „Das ist ein Prozess, den ich gesteuert habe. Ich habe ganz bewusst ein bestimmtes Repertoire gesungen, um meine Stimme sich entwickeln zu lassen. Ich habe beispielsweise öfter den Herzog von Mantua in Rigoletto gesungen. Wenn man diese Rollen bewusst singt, dann verändert sich die Stimme – die mittlere Lage wird stärker. Man wird auch nicht jünger. Die Änderung war bei mir geplant. Und ich habe versucht, sie ein bisschen zu steuern.“

Über Sie ist bekannt, dass Sie den deutschen Tenor Fritz Wunderlich immer bewundert haben. Er starb 1966 im Alter von nur 36 Jahren. Was schätzen Sie an ihm besonders?

„Die natürliche Tongebung, das ist das Wichtigste, und die große Musikalität. Es ist unglaublich, was er während seiner elf Bühnenjahre geleistet hat. Ich kenne auch seine Familie, ich war mit seiner Witwe Eva befreundet. Ich weiß, wie ernst er die Musik genommen hat, wieviel er zwischendurch gesungen und aufgenommen hat. Er war ein bewundernswerter Mensch.“

In Krumlov haben Sie unter anderem die Arie des Prinzen aus Dvořáks Rusalka gesungen. Ist für Sie das slawischsprachige Repertoire einfach als andere Opern?

Sondra Radvanovsky (Foto: Russell Hirshon, Wikimedia Commons, Public Domain)Sondra Radvanovsky (Foto: Russell Hirshon, Wikimedia Commons, Public Domain) „Nein, es ist nicht einfacher. Ich finde, dass gerade die tschechische Sprache ziemlich schwer zu singen ist. Es gibt sehr viele Konsonanten. Ich habe zuvor eigentlich tschechisch eher dort gesungen, wo nicht Tschechisch gesprochen wird. Aber vor einem Jahr habe ich in einer Rusalka-Vorstellung in Prag gesungen. Da musste ich mir schon Gedanken machen, ob meine ,čeština‘ richtig ist. Ich habe auch schon in Janáčeks Jenufa den Števa gesungen. Aber Rusalka wird noch lange zu meinem Repertoire gehören.“

In Krumau sind Sie zusammen mit Sondra Radvanovsky bei einer Opern-Gala aufgetreten. Mögen Sie Open-Air Konzerte?

„Es ist schon etwas Anderes. Solange man das aber auf höchstem Niveau betreibt, was Orchester, Dirigenten und Sänger betrifft, hat das auch Sinn. Krumlov ist toll. Ich kenne die Stadt seit etwa 20 Jahren. Ich habe früher im Theater von Linz gesungen und bin oft zu Besuch nach Krumlov gekommen. Darum konnte ich auch die Entwicklung hier beobachten. Es freut mich, dass es hier so traumhaft aussieht. Ich komme mit meiner Frau bestimmt wieder, auch privat.“

 

Das internationale Musikfestival in Český Krumlov läuft noch bis 11. August.