Nazi-Statuen aus Landesausstellung entfernt

Derzeit läuft die Landesausstellung von Oberösterreich und Südböhmen, sie wird in vier Gemeinden auf beiden Seiten der Grenze präsentiert. In Südböhmen sind Ausstellungen in Český Krumlov / Krumlov und in Vyšší Brod / Hohenfurth zu sehen. Höhepunkt der Führung durch die Zisterzienserabtei in Vyšší Brod ist ein einzigartiger mittelalterlicher Reliquienschrein – das Zawisch-Kreuz. In der Abtei waren aber auch drei Statuen zu sehen, die aus der so genannten Hitler-Sammlung stammten. Teile dieser Sammlung wurden von den Nazis im Kloster aufbewahrt, nachdem sie die Zisterzienser-Mönche vertrieben hatten. Zwei Tage nach der Eröffnung der Landesausstellung wurden die Statuen aus dem Klosterhof entfernt – Grund waren negative Reaktionen der Besucher. Radio Prag hat mit dem Kurator der Landesausstellung in Vyšší Brod, Jiří Franc, gesprochen:

Jiří Franc (Foto: Martina Schneibergová)Jiří Franc (Foto: Martina Schneibergová) Herr Franc, zu Beginn der Ausstellung standen hier draußen noch drei Statuen aus der so genannten Hitler-Sammlung. Was war der Grund für die Entfernung der Plastiken?

„Wir wollten sie ausstellen und wir haben sie auch im Katalog. Sie sind Zeugen der nationalsozialistischen Zeit, als das Kloster aufgelöst war. Zehn Zisterzienser sind gefallen, viele mussten einrücken, Pater Engelbert Blöchl wurde im KZ Dachau ermordet. Wir haben diese Statuen ausgestellt, um an diese schreckliche Zeit zu erinnern, um diese Diktatur kritisch darzustellen. Allerdings haben das unsere Besucherinnen und Besucher abgelehnt. Sie wollten nicht, dass die wieder eingekehrte Stille und Ruhe des Klosters dadurch gestört wird. Die Klosterleitung hat dann entschieden, die Statuen zu entfernen.“

Foto: ČT24Foto: ČT24 Was war alles Teil dieser Sammlung? Bestand sie nur aus Statuen oder gab es auch andere Gegenstände in der Hitler-Sammlung?

„Es gab auch Bilder, kleine Plastiken sowie weitere große Statuen. Wir haben nur drei davon ausgestellt. Diese Gegenstände sind hier nach der Befreiung durch die Amerikaner geblieben und gingen dann in den Besitz der staatlichen Museen über. Wir haben zeitgenössische Fotos, die wir bei der Landesausstellung im Kreuzgang des Klosters zeigen. Auf den Schautafeln sieht man, wie das Kloster 1942 ausgesehen hat, mit grün-grauer Tarnung. Das Gebäude hat diese Tarnung erhalten, um es vor Luftangriffen zu schützen. Im Kloster wurde ein großes Depot für die Raubkunst der Nazis und für diese Hitler-Sammlung eingerichtet. Das gehört nun zur Geschichte des Klosters dazu. Wir erzählen die Geschichte und verschweigen sie keineswegs. Wir behandeln sie aber kritisch, um auf die Gefahren totalitärer Regime aufmerksam zu machen und davor zu warnen. Aber jetzt schon ohne die Statuen, die auf den nachdrücklichen Wunsch zahlreicher Besucherinnen und Besucher aus der Ausstellung wieder entfernt wurden.“

Die gesamte Landesausstellung im Stift Vyšší Brod können Sie in der nächsten Ausgabe von „Reiseland Tschechien“ am Freitag erleben.