Nach einem Jahr Rauchverbot in tschechischen Kneipen ist Trend positiv

Vor einem Jahr – symbolisch zum Weltnichtrauchertag – trat in Tschechien das Rauchverbot in geschlossenen Räumen Kraft. Es gilt bis heute, obwohl es mehrere Versuche gab, die strenge Regelung zu lockern.

Foto: Cheryl Holt, Pixabay / CC0Foto: Cheryl Holt, Pixabay / CC0 Den Angaben des hiesigen Statistikamtes nach rauchen in Tschechien 35 Prozent der Männer und 23 Prozent der Frauen. Im Schnitt zündet sich jeder Raucher am Tag elf Glimmstängel an. An den Erkrankungen, die eindeutig auf das Rauchen zurückzuführen sind, sterben hierzulande jährlich 16.000 Menschen.

Aber nicht nur die Raucher selbst erkranken, sondern auch viele Menschen, die dem Qualm der Nikotinsüchtigen in geschlossenen Räumen ausgesetzt sind. Beziehungsweise waren, denn das Nichtraucherschutzgesetz hat da Abhilfe geschaffen. Gesundheitsminister Adam Vojtěch (Ano):

„Das Gesetz soll vor allem die Nichtraucher in geschlossenen Räumen schützen. Deshalb wurde der Gedanke durchgesetzt, das Rauchen in Gaststätten und in weiteren öffentlichen Räumen zu verbieten. Und die Idee ist aufgegangen.“

Foto: speedoglyn1 on Foter.com / CC BYFoto: speedoglyn1 on Foter.com / CC BY Erste Studien, die im April veröffentlicht wurden, haben belegt, dass die Zahl der rauchertypischen Erkrankungen seit Einführung des Gesetzes zurückgegangen ist. Laut den Angaben des Medizinischen Statistikamtes sind im Jahresvergleich 13,1 Prozent weniger Herzinfarkte und 11 Prozent weniger akute Asthmaanfälle registriert worden. Im Tschechischen Fernsehen bestätigte der Prager Arzt und Spezialist für Suchtprävention Adam Kulhánek am Donnerstag den Trend:

„Auch bei den Herzgefäßerkrankungen hat das Rauchverbot zu ähnlich hohen Rückgängen geführt. Besonders deutlich aber wird dies bei den akuten Herzinfarkten.“

Trotz dieser erfreulichen Entwicklung wurde das Nichtraucherschutzgesetz mehrfach von Gesetzesvertretern attackiert – jedoch erfolglos. Im April wurde die Beschwerde einer Senatoren-Gruppe abgewiesen. Die Verfassungshüter urteilten, dass das Rauchverbot kein unzulässiger Eingriff in die persönliche Freiheit der Bürger sei. Und erst vor zwei Tagen scheiterte der Versuch des bürgerdemokratischen Abgeordneten Marek Benda, das Gesetz zu lockern. Ihm zufolge sollten Gastwirte die Möglichkeit erhalten, spezielle Raucherräume einzurichten. Gegen seinen Antrag stimmten 91 der 172 anwesenden Abgeordneten, für eine Gesetzesänderung waren 68 Abgeordnete. Für die Beibehaltung des konsequenten Rauchverbots stimmten die Fraktionen der Parteien Ano und Top 09. Der geschlossene Auftritt der Ano-Partei ist das Verdienst von Gesundheitsminister Vojtěch:

Adam Vojtěch (Foto: Archiv des Regierungsamtes der Tschechischen Republik)Adam Vojtěch (Foto: Archiv des Regierungsamtes der Tschechischen Republik) „Meine Haltung in dieser Sache ist konsistent. Ich habe versucht, meine Parteikollegen davon zu überzeugen, dass es gegenwärtig keinen Sinn hat, das Gesetz zu ändern. Dazu ist es noch viel zu kurz in Kraft. Man kann aber schon sagen, dass die positiven Auswirkungen des Gesetzes die negativen Folgen überwiegen.“

Zu den negativen Erscheinungen gehört sicherlich, dass die Raucher sich ihre Zigarette vor der Kneipentür anstecken und dort für reichlich Lärm und Unrat sorgen. Das Gesetz hat andererseits bei so manchem Raucher eine psychologische Wirkung hinterlassen. Arzt Adam Kulhánek:

„Unsere Klinik hat jüngst eine Studie präsentiert. Darin zeigen wir auf, wie bei einer ausgewählten Gruppe von Rauchern der tägliche Zigarettenverbrauch gesunken ist. Zugleich haben wir bei ihnen einen gewissen Motivationsschub festgestellt bei dem Vorhaben, sich das Rauchen abzugewöhnen. Das sind doch schon sehr positive Auswirkungen.“

Und weitere sollten folgen, wenn Tschechien im europäischen Maßstab nicht auf Dauer zu den starken Rauchernationen gezählt werden will. Mit einem Anteil von 29 Prozent Rauchern an der Bevölkerung liegt Tschechien im hinteren Feld. Positiver Spitzenreiter ist Schweden mit 7 Prozent, die Nachbarn Deutschland und Slowakei liegen bei 25 beziehungsweise 26 Prozent. Schlusslicht sind die Griechen mit 37 Prozent Rauchern.