Nach 67 Jahren: Angehörige tragen Opfer des Massakers von Dobronín zu Grabe

Über den Fall haben wir bereits mehrfach berichtet: In der Nähe des Ortes Dobronín / Dobrenz auf der Böhmisch-Mährischen Höhe wurde vor zwei Jahren ein Massengrab deutscher Zivilsten entdeckt. Die Männer sollen vor 67 Jahren bei einem Massaker ermordet worden sein. Zu dem Verbrechen ermittelt die tschechische Polizei, sie hat ihre Arbeit noch nicht abgeschlossen. Seit Anfang dieses Jahres ist aber zumindest die Identität der Opfer geklärt. Am Samstag wurden nun in Jihlava / Iglau die Überreste der Toten beigesetzt.

Foto: Olga ŠrejbarováFoto: Olga Šrejbarová Die Beisetzung fand auf dem Zentralfriedhof von Jihlava statt. Aus Deutschland waren viele Angehörige der Toten gekommen. Zwölf Männer waren in dem Massengrab durch archäologische Untersuchungen nachgewiesen worden, ihre Identität wurde durch einen DNA-Vergleich mit den heute lebenden Verwandten geklärt. Die Gebeine eines dreizehnten Opfers konnten nicht zugeordnet werden. Die Männer kamen aus mehreren Orten der so genannten Iglauer Sprachinsel. So wie auch der Vater von Heinrich Polzer:

Foto: Olga ŠrejbarováFoto: Olga Šrejbarová „Einer der Toten war mein Vater, Josef Polzer. Wir hatten in Bergersdorf (heute Kamenné, Anm. d. Red.) die Schmiede und Schlosserei, er war also Handwerksmeister. Er hat Tschechisch genauso gut wie Deutsch gesprochen, wir hatten auch tschechische Gesellen, und es ist eine Tragik des Schicksals, dass er so zu Tode kommen musste.“

Josef Polzer soll, wie die restlichen Männer, am 19. Mai 1945 von Rotgardisten ermordet worden sein. Zeitzeugen haben ausgesagt, dass die Opfer mit Hacken und Spaten erschlagen wurden. Dafür hat die tschechische Polizei indes keine Beweise finden können - denn die Gebeine, die unter der Grasnarbe einer Wiese lagen, sind durch spätere äußere Einflüsse stark beschädigt worden. Ganz abgeschlossen hat die Polizei ihre Ermittlungen indes noch nicht. Selbst wenn der Kriminalfall von damals nie ganz aufgeklärt wird, sind die Hinterbliebenen froh, dass sie sich von ihren Angehörigen nun endlich verabschieden konnten:

Foto: Olga ŠrejbarováFoto: Olga Šrejbarová „Ja, das ist schon etwas sehr Besonderes, wenn man nach 67 Jahren als 72-Jähriger seinen Vater beerdigt“, sagt Heinrich Polzer.

Der Hinweis auf den genauen Ort des Massengrabs war von Johann Niebler gekommen, der in Mertingen bei Augsburg lebt. Als zwölfjähriger Junge war er nach dem Massaker zum Ort des Massengrabes gegangen und hatte die Lage aufgezeichnet. Auch Niebler war am Samstag zum Begräbnis gekommen. Er hatte sich dafür eingesetzt, dass die Trauerfeier stattfand – und zwar unter dem Gedanken der Versöhnung.

Foto: ČTKFoto: ČTK „In allen Ansprachen und auch in der Messe von Pfarrer Lang ist es angeklungen: Wir hoffen, dass dies ein Stein ist, der ins Rollen kommt und dass die Beziehungen zwischen unseren beiden Völkern sich weiter verbessern können. Und vor allem dass sich die Unruhe nun legen kann, die es gegeben hat.“

Unruhig hatte sich vor allem die Suche nach einem geeigneten Friedhof gestaltet. In Dobronín wollte der kommunistisch dominierte Gemeinderat nur einen Gedenkstein mit den Namen der identifizierten Opfer erlauben, auch im Nachbarort Ždírec / Seelenz kam es zu Problemen. Deswegen fiel letztlich die Wahl auf Jihlava.