Mit Geschichte auf den Weltmarkt

Ein neues tschechisches Computerspiel will mit historischen Fakten die Welt erobern. Doch es gibt auch Kritik.

„Kingdom Come: Deliverance“ (Foto: Archiv Warhorse Studios)„Kingdom Come: Deliverance“ (Foto: Archiv Warhorse Studios) Als Schmied Jindřich muss man sich im Böhmen des 15. Jahrhunderts behaupten. Das ist die Idee von „Kingdom Come: Deliverance“ Jindřichs Familie lebt in der Gegend um die Burg Talmberk in Mittelböhmen, sie wird aber von Söldnern ermordet. Der Schmied will daraufhin nur noch eins – und zwar Rache.

Dieses Rollenspiel für den PC und Spielekonsolen, kurz RPG, könnte zu einem der meistverkauften und bestbewerteten tschechischen Computerspiele werden. Klappen soll das mit Geschichte, denn die Macher setzten voll auf die historische Genauigkeit. Eine Unterrichtsstunde soll es aber nicht sein, wie Ondřej Bittner erklärt. Er ist Spieleentwickler bei Warhorse Studios, wo Kingdom Come entstanden ist:

„Kingdom Come: Deliverance“ (Foto: Archiv Warhorse Studios)„Kingdom Come: Deliverance“ (Foto: Archiv Warhorse Studios) „Das Spiel ist natürlich kein Freilichtmuseum, in dem man spazieren geht und sagen kann: ‚Diese Burg ist aus dem Jahrhundert und diese hier aus jenem.‘ Es gibt dort aber originalgetreue Burgen, die wir für das Spiel haben rekonstruieren lassen.“

Die Spielemacher wollten so nah an der Zeit bleiben wie möglich. Der Grafiker Jakub Holík betont, dass ihm die historische Genauigkeit von Kingdom Come auch viel Arbeit abgenommen hat:

„Wir haben massenweise Vorlagen, aus denen wir immer auswählen können. Da müssen wir nicht auf die Designer warten, die uns irgendeinen Gegenstand erst einmal entwerfen. So beispielsweise einen Streitflegel, wovon es ja genug Bilder im Museum gibt. Zudem konnten wir auf Material von Historikern zurückgreifen, die das Aussehen von damaligen Gebäuden und Burgen erforscht hatten. Auf der anderen Seite konnten wir das Spiel dadurch nicht so interessant machen, wie es manche vielleicht gewollt hätten.“

„Kingdom Come: Deliverance“ (Foto: Archiv Warhorse Studios)„Kingdom Come: Deliverance“ (Foto: Archiv Warhorse Studios) Das Spätmittelalterepos verspricht tatsächlich, ein Erfolg zu werden. Im Vorverkauf auf den größten Spieleplattformen schneidet Kingdom Come gut ab und belegt jetzt schon Spitzenpositionen in den Charts. Das ist gut für die aufstrebende Spieleentwicklerszene in Tschechien, meint der Gamingexperte des Tschechischen Rundfunks, Jakub Möhwald:

„Ein großer Impuls für die tschechische Entwicklerszene könnte sein, dass nun viele internationale Entwickler und Medien über das Spiel berichten. Das Spiel ist dann nicht nur dadurch erfolgreich, dass es viel Geld macht, sondern auch dass man darüber spricht.“

Kingdom Come ist aber nicht das erste und einzige Computerspiel aus Tschechien. Erfolgreich war beispielsweise die „Mafia“-Spielereihe Anfang der Nuller-Jahre, und zwar auch im Ausland.

„Kingdom Come: Deliverance“ (Foto: Archiv Warhorse Studios)„Kingdom Come: Deliverance“ (Foto: Archiv Warhorse Studios) Bei all den Vorschuss-Lorbeeren für das neue Spiel aus Tschechien hagelte es aber auch Kritik. Diese kam aus der Spieler-Community in den USA, denn in Kingdom Come gibt es nicht nur keine Drachen und Magier, sondern auch keine einzige Figur mit anderer Hautfarbe. Jakub Möhwald kann die Aufregung nicht ganz nachvollziehen:

„Ich habe gesehen, dass da viele Leute mitgearbeitet haben, die sich mit Geschichte auskennen. Für das Spiel hat sich niemand einfach irgendetwas ausgedacht. Natürlich gewinnt manchmal die dichterische Freiheit, man hat beispielsweise aus zwei historischen Personen eine gemacht. Aber ansonsten waren die Entwickler sehr präzise beim zeithistorischen Hintergrund.“