Mit Fanfaren und Glücksrad in neue Saison

04-09-2019

Das Prager Nationaltheater hat seine 137. Spielzeit eingeläutet. Aus diesem Anlass fand am Dienstagnachmittag auf der Piazzetta hinter dem historischen Gebäude ein Happening statt.

Happening zum Beginn der neuen Spielzeit des Nationaltheaters (Foto: Martina Schneibergová)Happening zum Beginn der neuen Spielzeit des Nationaltheaters (Foto: Martina Schneibergová)

Glücksrad (Foto: Martina Schneibergová)Glücksrad (Foto: Martina Schneibergová) Zunächst waren die Fanfaren aus Smetanas Oper Libuše zu hören. Auf einmal tauchte dann ein Tänzer unter den versammelten Menschen auf, überquerte mit graziösen Sprüngen die Piazzetta und verschwand hinter großformatigen Fotoleinwänden. So startete am Dienstag das Happening zum Beginn der neuen Spielzeit des Nationaltheaters in Prag. Der Platz vor dem prunkvollen Schauspielhaus füllte sich immer mehr mit Menschen, viele waren auch mit ihren Kindern da. Für die kleinen Besucher gab es Workshops, Puppentheater und Spiele. Eine Schlange bildete sich vor dem Glücksrad vor einem Stand, an dem man Bücher und Souvenirs vom Nationaltheater gewinnen konnte. Zuerst sprach der Chef des Schauspielensembles, Daniel Špinar, über die neue Saison. Er machte auf eine Fotoausstellung aufmerksam, die auf der Piazzetta zu sehen ist.

Strickerinnen (Foto: Martina Schneibergová)Strickerinnen (Foto: Martina Schneibergová) „Ich habe einige Fotos aus meiner persönlichen Sammlung ausgesucht, die bei Inszenierungen in den letzten vier Jahren gemacht wurden. Die Ausstellung trägt den Titel ,Das Schauspiel ist kein Museum‘. Und dies bringt die Botschaft zum Ausdruck, dass das Theater lebendig sein und sich zur Gegenwart äußern muss. Es ist egal, ob es um das Nationaltheater oder eine kleinere Bühne geht. Ich bin ein Gegner der Meinung, dass das Nationaltheater eher eine Art Museumstätigkeit leisten sollte.“

Sieben Neuinszenierungen wurden laut Špinar für die neue Spielzeit einstudiert, darunter auch Thomas Bernhards Stück „Ritter, Dene, Voss“.

Band Horny Bach (Foto: Martina Schneibergová)Band Horny Bach (Foto: Martina Schneibergová) Während der Rede des Regisseurs nutzten einige der Zuschauer die Möglichkeit, an einem der Stände eine Ansichtskarte mit Schauspielmotiven und einem Sonderstempel abzuschicken. Viel Aufmerksamkeit weckte eine überdimensionale Frauenplastik inmitten des Platzes, die mit roten gestrickten Röcken als Carmen verkleidet wurde. Unter der Statue saß eine Gruppe von älteren Damen, die noch weitere Kleidungsstücke für die Statue strickten. Auf dem Podium wechselten sich während des Happenings drei Bands ab, die aus Mitgliedern des Opern-, Ballett- und Schauspielensembles zusammengestellt worden sind. Einen besonderen Beifall ernteten die Tänzer mit der Band Horny Bach.

Zwischen den musikalischen Auftritten ergriff auch der Intendant des Nationaltheaters Jan Burian das Wort. Er lud alle in die rekonstruierte Staatsoper ein, die am 5. Januar kommenden Jahres wieder eröffnet werden soll.

Nationaltheater (Foto: Martina Schneibergová)Nationaltheater (Foto: Martina Schneibergová)

Jan Burian und Schauspieler Filip Rajmont (Foto: Martina Schneibergová)Jan Burian und Schauspieler Filip Rajmont (Foto: Martina Schneibergová) „Es wird ein feierliches Konzert veranstaltet, das durch die Geschichte des Opernhauses, des früheren Neuen Deutschen Theaters, führen wird. Die Gala wird nicht nur vom Tschechischen Fernsehen, sondern auch von den deutschen öffentlich-rechtlichen Sendern live übertragen.“

Das Nationaltheater wird im Jubiläumsjahr mit mehreren Veranstaltungen an den 30. Jahrestag der Samtenen Revolution erinnern. Dazu Jan Burian:

„Gleich nächste Woche eröffnen wir die Saison mit einem Konzert zum Thema ,Freiheit und Mut‘. Mit mehreren Programmen erinnert das Schauspielensemble an die Wende von vor 30 Jahren. In den Räumlichkeiten der Neuen Szene werden die Novembertage von 1989 detailliert dokumentiert. Es wird zudem gezeigt, wie das kommunistische Regime an Macht verloren hat und wie die neuen Verhältnisse etabliert worden sind.“

Überdimensionale Frauenplastik (Foto: Martina Schneibergová)Überdimensionale Frauenplastik (Foto: Martina Schneibergová) Der Operndramaturg Ondřej Hučín erinnerte daran, dass in dieser Saison auch zwei Vorstellungen für Kinder auf dem Spielplan stehen.

„Es ist erstens das Stück ,Špalíček‘. Das herrliche Ballett mit Gesängen von Bohuslav Martinů wurde hier zuletzt am 16. November 1989 gespielt. Das Werk erlebte 1933 seine Weltpremiere im Nationaltheater. Die Märchenoper ,Schwanda, der Dudelsackpfeifer‘ von Jaromír Weinberger ist hierzulande weniger bekannt. Dafür wird sie aber im Ausland recht oft inszeniert. Weinberger gehört neben Smetana, Dvořák, Janáček und Martinů zu den meist gespielten tschechischen Komponisten. In den 1930er Jahre war das Stück auch in der Metropolitan Opera in New York zu sehen.“

Dem Dramaturgen zufolge holt das Nationaltheater in der neuen Spielzeit auch wieder einige renommierte Gäste aus dem Ausland an die Moldau. Die US-amerikanische Sopranistin Emily Magee wird beispielsweise in der Staatsoper die Partie der Leonora in Beethovens Fidelio übernehmen.

04-09-2019