Mit dem Wohnzimmer auf Reisen

Urlaub im Wohnmobil wird in Tschechien immer beliebter, auch die Absätze bei den Herstellern steigen. Nichtsdestotrotz bleibt das Ganze ein teurer Spaß.

Foto: Maike und Björn Bröskamp, Pixabay / CC0Foto: Maike und Björn Bröskamp, Pixabay / CC0 „Man muss nur hier drücken, dann geht das Dach nach oben und fertig ist das Bett. Da können zwei Leute schlafen, solange sie zusammen nicht mehr als 150 Kilo wiegen. Außerdem sind der Fahrer- und Beifahrersitz drehbar, so kann man dann hier kochen und essen.“

So erklärt Lenka Vaňková die Vorzüge eines Volkswagen California. Doch nicht nur die Wolfsburger setzen immer mehr auf Wohnmobile. Auch beispielsweise Peugeot oder Fiat bieten ihre größeren Fahrzeuge mittlerweile in einer Ausführung mit Betten, Esstisch und Kochnische an. In einigen Modellen kann man sogar duschen und hat fast denselben Komfort wie in einem Hotelzimmer. Für die Tschechen, die größtenteils begeisterte Camper seien, werde das immer attraktiver, meint Jan Bízik. Er ist Vorsitzender des Verbands der tschechischen Wohnwagen-Importeure:

Foto: sabinamajoor, Pixabay / CC0Foto: sabinamajoor, Pixabay / CC0 „Wenn man mit seinem Wohnmobil ins Ausland fährt oder durch die Tschechische Republik, dann weiß man, dass man doch irgendwie Zuhause ist. Dabei kann man alle Freizeitaktivitäten am Aufenthaltsort nutzen.“

Und tatsächlich sind Wohnmobile und Camping-Anhänger schon lange keine Ladenhüter mehr hierzulande. Jan Bízik nennt einige Zahlen:

„Im Jahr 2017 wurden insgesamt 1766 Wohnmobile verkauft. Das war ein Anstieg um mehr als ein Prozent.“

Nach viel hört sich das zunächst einmal nicht an, der Absatz steigt seit einigen Jahren aber kontinuierlich. Im vergangenen Jahr wurden so viele Wohnwagen verkauft wie noch nie in Tschechien.

Foto: Markus Distelrath, Pixabay / CC0Foto: Markus Distelrath, Pixabay / CC0 Was viele Tschechen aber vom Kauf eines Wohnmobils abschrecken dürfte, das sind die Preise. Im Schnitt kostet ein mobiles Hotelzimmer fast 1,5 Millionen Kronen (knapp 60.000 Euro), im Prinzip genauso viel wie ein Ferienhaus. Außerdem kommen die Kosten für die nötige Fahrerlaubnis hinzu. Zwar reicht für die meisten Wohnmobile ein Führerschein der Klasse B. Doch wer richtigen Komfort haben möchte, der braucht schon eine größere Maschine und den dementsprechenden Lappen. Richtig teuer wird es zudem auf der Autobahn, denn für Wohnmobile ist die Lkw-Maut fällig. Jan Bízik hat in dem Punkt eine klare Forderung an die Politik. Und zwar sollten für Wohnwagen dieselben ermäßigten Sätze gelten wie für Reisebusse:

„Die Fahrer würden mehrere Tausend Kronen sparen. Derzeit bezahlt man auf der Strecke von Prag nach Břeclav rund 2500 Kronen Maut. Mit den Gebühren für Reisebusse würde man aber nur in etwa 500 Kronen bezahlen.“

Umgerechnet ist das ein Unterschied von gut 80 Euro. Das Verkehrsministerium sieht derzeit jedoch keinen Grund, irgendetwas an der hohen Maut für Wohnmobile zu ändern.