Missbrauch: Vertuschungsvorwurf gegen Kardinal Duka

03-10-2019

In Tschechien ist bisher nur wenig über Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche bekannt geworden. Dennoch gibt es schwerwiegende Vorwürfe. Nun wurde sogar Anzeige gegen den Prager Erzbischof und Kardinal Dominik Duka erstattet. Er soll einen straffälligen Dominikaner gedeckt haben.

Dominik Duka (Foto: ČTK / Michal Kamaryt)Dominik Duka (Foto: ČTK / Michal Kamaryt) Zu dem Übergriff war es Mitte der 1990er Jahre gekommen. Der betroffene Mann lebte damals als Student eine Zeitlang in einem Dominikanerkloster. Dabei soll ihn ein Bruder bei der Beichte mehrfach vergewaltigt haben. Das Opfer wandte sich damals an den heutigen Prager Erzbischof Dominik Duka, der in jener Zeit dem Dominikanerorden vorstand. In den Jahren 1986 bis 1998 war er Provinzial der Dominikaner in Böhmen und Mähren. Gegenüber dem Nachrichtenportal Seznam Zprávy sagte das mutmaßliche Opfer, Zitat:

„Der Täter, den Dominik Duka kannte und in den Orden aufgenommen hatte, griff mich mehrfach unter Drohungen an. Das war schmerzhaft, und ich habe das mit Duka persönlich besprochen. Er wusste also von diesem Martyrium und diesen schmerzhaften Übergriffen, er hat mir aber nicht geglaubt.“

Jan Rozek (Foto: Tschechisches Fernsehen)Jan Rozek (Foto: Tschechisches Fernsehen) Tatsächlich blieb der heutige Kardinal untätig. Laut einer früheren Verlautbarung stand laut Duka Aussage gegen Aussage, es habe eine Patt-Situation bestanden. Dabei wurde der mutmaßliche Täter noch in weiteren Fällen verdächtigt, 2006 ging man sogar kirchenrechtlich gegen den Geistlichen vor. Zu einer Anzeige oder Verurteilung kam es jedoch nicht mehr, da der Beschuldigte ein Jahr nach Aufnahme der internen Ermittlungen starb.

Gegenüber Seznam Zprávy sagte das Opfer, dass es aus familiären und beruflichen Gründen erst jetzt an die Öffentlichkeit gegangen sei und Anzeige gegen den höchsten katholischen Geistlichen in Tschechien erstattet habe. Unterstützt wird der Mann von der Organisation „Pro čistou církev“ / „Für eine saubere Kirche“, die Missbrauchsopfer betreut. Deren Vorsitzender Jan Rozek gab gegenüber Medien den Wortlaut der Strafanzeige bekannt, Zitat:

Illustrationsfoto: Robert Cheaib, Pixabay / CC0Illustrationsfoto: Robert Cheaib, Pixabay / CC0 „Der Kardinal könnte sich schuldig gemacht haben, eine Straftat nicht verhindert und einem Täter dabei geholfen zu haben, sich Ermittlungen und einem Strafverfahren zu entziehen.“

Laut dem Kirchenrechtler Rozek kommt noch ein weiterer erschwerender Umstand gegen Duka hinzu, und zwar die Missbrauchsdiskussion der vergangenen Monate. In einer Presseaussendung schreibt Jan Rozek, Zitat:

„Das Opfer führt weiterhin an, dass sich Kardinal Duka in den Medien wiederholt unwahr über den Verlauf von Ermittlungen geäußert hat, die in der Tschechischen Republik in Fällen von sexuellem Missbrauch innerhalb der römisch-katholischen Kirche geführt werden.“

Dominik Duka weist weiterhin alle Vorwürfe zurück und sieht sich gewappnet im Hinblick auf einen möglichen Prozess. Sein Sprecher Romuald Štěpán Rob bestätigte gegenüber den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks, dass der Kardinal in höchstem Maße mit den Behörden zusammenarbeiten will:

Dominikanerkloster in Prag (Foto: Kristýna Maková, Archiv des Tschechischen Rundfunks - Radio Prague International)Dominikanerkloster in Prag (Foto: Kristýna Maková, Archiv des Tschechischen Rundfunks - Radio Prague International) „Herr Kardinal Dominik Duka begrüßt die Anzeige, damit es endlich zu einer unabhängigen Untersuchung aller Umstände in diesem Fall kommt.“

Rob wollte aus Gründen einer Schweigepflicht jedoch keine weiteren Details zu den Anschuldigungen nennen.

Derzeit besteht der Verdacht gegen sechs Dominikanerbrüder, seit den 1990er Jahren sexuell übergriffig geworden zu sein. Die meisten Opfer waren volljährig, nur eines war zum Zeitpunkt des Missbrauchs 15 Jahre alt. In allen Fällen laufen kirchenrechtliche Ermittlungen, bei denen für die Täter im schlimmsten Fall ein Ausschluss aus dem Orden oder eine Versetzung droht. Vor weltlichen Behörden musste sich bisher keiner der mutmaßlichen Täter verantworten.

03-10-2019