Milan Kundera erhält tschechischen Staatspreis für Literatur 2007

Man kennt ihn auf der ganzen Welt. Es gibt nicht viele Tschechen, die das von sich behaupten können. Milan Kundera gehört aber auf jeden Fall dazu. Umstritten ist allerdings, ob man den seit Jahrzehnten in Paris lebenden Autor überhaupt noch als Tschechen bezeichnen kann. Fest steht aber, dass sich sein Heimatland in den letzten Jahren wieder verstärkt um Milan Kundera bemüht - zum Beispiel mit Preisen.

"Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins" - fast jeder kennt sie. Wenn auch nicht im wirklichen Leben, so doch aus dem Bestseller des Schriftstellers Milan Kundera. Kundera kann wohl als der bedeutendste und meistgelesene Autor tschechischer Herkunft bezeichnet werden. Am 28. Oktober wird ihm, wie am Mittwoch gemeldet, der bedeutendste Literaturpreis der Tschechischen Republik verliehen, der Staatspreis für Literatur 2007. Bereits im vergangenen Jahr hatte Kundera für sein Lebenswerk den Ladislav-Fuks-Preis der Akademie für tschechische Literatur entgegengenommen. Nein, nicht entgegengenommen. Er hat ihn nur angenommen. Erschienen ist er nicht. Mit dem Staatspreis für Literatur wird das nicht anders sein.

Seit 1975 lebt Kundera in Paris, seit 1981 ist er französischer Staatsbürger - die tschechoslowakische Staatzugehörigkeit war ihm in den 70er Jahren aberkannt worden - und seit 1985 gibt Milan Kundera keine Interviews mehr. Und wenn dann nur noch schriftlich. Zu oft fühlte er sich missverstanden. Das Verhältnis zu seinem Heimatland Tschechien ist nicht von Leichtigkeit geprägt, jahrzehntelang war es eher unerträglich. Ein Essay-Duell mit Vaclav Havel über die Niederschlagung des Prager Frühlings 1968 und die Sicht auf die eigene Nation Ende der 60er Jahre hatte sein übriges getan, um das Verhältnis zu seinem Heimatland zu zerrütten. Einige seiner Bücher sind bis heute nicht in seiner Muttersprache erschienen, von Exilauflagen einmal abgesehen. Der Autor hatte immer wieder sein Veto eingelegt. Erst 2006 konnten seine tschechischen Landsleute wieder "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins" auf Tschechisch kaufen und bescherten dem Buch einen riesigen Erfolg. Kundera schreibt seit Jahrzehnten auf Französisch. Kann man ihn dann noch als tschechischen Autor bezeichnen? Die Vorsitzende der Akademie für tschechische Literatur, Eva Kanturkova.

"Wir sehen Kundera als tschechischen Autor an! Auch wenn er jetzt französisch schreibt und seine Werke erst ins Tschechische übersetzt werden. Kundera ist ein sehr eigenwilliger Autor und tritt in der tschechischen Öffentlichkeit praktisch nicht auf. Aber die Themen seiner Bücher kommen fast alle aus Tschechien, die Geschichten schöpfen aus Erinnerungen und Erfahrungen, die von hier stammen. Überall fühlt man eine gewisse nostalgische Verbundenheit zur alten Heimat."

Kundera ist 78 Jahre alt. Anlässlich seiner Ehrung im vergangenen Jahr schrieb er, dass für einen alten Autor der Erfolg nicht mehr zählt. Wichtiger sei die Sympathie, die man ihm entgegenbringt. Diese Sympathie dokumentiert sicher auch der Staatspreis für Literatur 2007. Der zum ersten Mal 1920 verliehene Preis ist mit 300.000 Kronen dotiert, knapp 11.000 Euro.