Meteorologen helfen bei Prävention vor erhöhter Zeckenaktivität

Alle Jahre wieder laufen Naturliebhaber in mitteleuropäischen Hainen und Fluren Gefahr, sich in der warmen Jahreszeit anzustecken – durch einen Zeckenbiss. Erkrankungen wie Borreliose und Hirnhautentzündung (FSME) nehmen so auch in Tschechien weiter zu. Nun soll ein hiesiges Forschungsprojekt helfen, die Gefahr zu minimieren.

Foto: Nicooografie, Pixabay / CC0Foto: Nicooografie, Pixabay / CC0 In Tschechien wird jedes Jahr eine relativ große Zahl an Hirnhautentzündungen registriert. Zusammen mit den baltischen Ländern ist es eine der höchsten in Europa. In den Jahren 2010 und 2011 wurde ein Viertel aller Fälle nur in diesen Ländern verzeichnet. Ansonsten tritt die nur von Zecken übertragene Krankheit auch in der Slowakei, Slowenien, Österreich, Deutschland, Polen und in Skandinavien auf. Doch wann ist die Zeckengefahr eigentlich besonders stark? Bei großer Hitze oder viel Feuchtigkeit? Oder genügen schon normale 25 Grad bei mehr oder weniger bewölktem Himmel? Dazu sagt Petr Vráblík vom Hydrometeorologischen Institut in Tschechien:

Tomáš Vráblík (Foto: Tschechisches Fernsehen)Tomáš Vráblík (Foto: Tschechisches Fernsehen) „Es lässt sich schon sagen, dass gerade 25 Grad für Zecken ein günstiges Wetter sind. Denn ähnlich wie der Mensch mögen sie keine Extreme. Das heißt, ein sehr trockenes oder aber sehr feuchtes Wetter behagt ihnen gar nicht. Das gilt auch für die Temperaturen. Sie mögen also weder kühles noch sehr heißes Wetter, auch wenn Temperaturen von mehr als 35 Grad Celsius hierzulande eher die Ausnahme sind.“

Neben dem Tageswetter spiele aber ebenso die Jahreszeit eine große Rolle für die „natürliche Aktivität“ der Zecken, so Vráblík:

„Wir beteiligen uns mit dem staatlichen Gesundheitsamt an einem gemeinsamen Forschungsprojekt. Bei dieser Kooperation haben wir schnell festgestellt, dass ein Zusammenhang besteht zwischen dem Verhalten der Zecken und dem Wetter. Wir haben dies als natürliche Aktivität der Zecken bezeichnet. Das bedeutet, im Verlaufe eines Jahres lässt sich diese Aktivität durch eine gewisse Kurve darstellen. Diese steigt zu Beginn der Vegetationsphase, also im März und April, rapide an. Kurz vor Sommerbeginn erreicht sie ihren Höhepunkt, um danach allmählich wieder abzufallen. Das geht so bis zum Herbst, an dessen Anfang allerdings noch ein kleiner Höhepunkt auftritt.“

Foto: Lutz Peter, Pixabay / CC0Foto: Lutz Peter, Pixabay / CC0

Je nach Stärke der natürlichen Aktivität sei die jeweilige Zecken-Population auch zugegen, um ihre Opfer unter den Lebewesen in der Natur zu peinigen, ergänzt der Wetterexperte. Vráblík stellt indes klar:

Foto: Mislav Marohnić, Flickr, CC BY 2.0Foto: Mislav Marohnić, Flickr, CC BY 2.0 „Niemals aber ist die gesamte Population in Bewegung. Doch je größer der Grad der Aktivität ist, umso größer ist die Zahl der Zecken, die gerade an einem bestimmten Ort zugegen sind.“

Im Gespräch mit Radio Prag macht Vráblík zudem deutlich, dass man die Aktivität der Zecken nicht der Forschung wegen verfolge, sondern dass man sie – in Abhängigkeit vom Wetter – vorhersage. Doch wie lange gibt es diesen Service schon?

„Mit der Forschung dazu haben wir zu Beginn des neuen Jahrtausends begonnen. Und was die informative Vorhersage betrifft, diese führen wir seit über zehn Jahren durch. Das heißt, seit mehr als zehn Jahren geben wir anhand der Wettervorhersage für rund eine Woche im Voraus auch die zu erwartende Aktivität der Zecken bekannt. Und zwar für den Zeitraum, der dafür relevant ist, also für die Vegetationsphase in der wärmeren Jahreszeit.“

Foto: ILRI, Flickr, CC BY-SA 2.0Foto: ILRI, Flickr, CC BY-SA 2.0 Nach Aussage von Vráblík seien die Meteorologen dem Forschungsprojekt auf Bitte des Gesundheitsamtes nachgekommen. Denn die Gesundheitsexperten seien die ersten gewesen, die die Zeichen der Zeit erkannt hätten:

„Das Amt hat darauf reagiert, dass sich die Zecken-Population in Tschechien in den 1990er Jahren erhöht hatte. Dies haben sie anhand der viel größeren Zahl an Ansteckungen registriert. Diese hatten sich zu einem gesellschaftlichen Problem ausgeweitet, denn die Zahl der an Borreliose und Hirnhautentzündung erkrankten Patienten begann sich dramatisch zu erhöhen. Das auch in Gebieten, in denen es diese Sorge vorher nicht gab.“