Merkel gratuliert zu 100 Jahren Tschechoslowakei

Die Bundeskanzlerin kam anlässlich der Feiern nach Prag. Mit Premier Babiš sprach sie unter anderem über die Wirtschaftsbeziehungen beider Länder, aber auch über die Migrationspolitik.

Andrej Babiš und Angela Merkel (Foto: ČTK / Roman Vondrouš)Andrej Babiš und Angela Merkel (Foto: ČTK / Roman Vondrouš) Bei ihrem Kurzbesuch folgte Angela Merkel einer Einladung zu den großen Staatsfeierlichkeiten an diesem Wochenende. Am Sonntag begehen Tschechen und Slowaken einhundert Jahre seit der Ausrufung der unabhängigen Tschechoslowakei im Jahr 1918. Die deutsche Bundeskanzlerin gratulierte daher in Prag den tschechischen Bürgern zu diesem Jubiläum. Im Anschluss an ein Gespräch mit Premier Andrej Babiš (Partei Ano) sagte Merkel zudem:

„Nach der schrecklichen Geschichte, die darauf beruhte, dass das nationalsozialistische Regime dann die Tschechoslowakei 1938 wieder geteilt hat, können wir heute sehr glücklich sein, dass wir miteinander in Freundschaft und guter Kooperation zusammenleben.“

Merkel lobte dabei ausdrücklich die Arbeit des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds. Gastgeber Babiš betonte besonders die wirtschaftliche Kooperation:

Flüchtlingen in Nordafrika (Foto: United Nations Photo, Flickr, CC BY-NC-ND 2.0)Flüchtlingen in Nordafrika (Foto: United Nations Photo, Flickr, CC BY-NC-ND 2.0) „Wir sind froh, dass 6000 deutsche Firmen in Tschechien investiert haben. Dies betrifft aber nicht nur die Produktion, sondern – was wichtig ist – auch Wissenschaft und Forschung.“

In diesem Zusammenhang kündigte der tschechische Premier an, demnächst das Siemens-Werk in Amberg zu besuchen und sich über die Entwicklungen auf dem Gebiet von Industrie 4.0 zu informieren.

Im Mittelpunkt der Pressekonferenz beider Regierungschefs standen aber auch Themen, die zuletzt eher wie eine Hürde zwischen Prag und Berlin schienen. Beide bemühten sich jedoch, keine Differenzen aufzuzeigen. Die umstrittenen Quoten zur Umverteilung von Flüchtlingen in Europa kamen nicht zur Sprache.

Kramář-Villa (Foto: Ondřej Tomšů)Kramář-Villa (Foto: Ondřej Tomšů) Stattdessen betonte Merkel, dass man in weiten Teilen der Migrationspolitik einer Meinung sei. Dies beträfe vor allem Verträge zwischen der EU und anderen Staaten. Babiš bestätigte dies. Es gehe vor allem darum, über wirtschaftliche Kooperation den Menschen in afrikanischen Ländern bessere Perspektiven aufzuzeigen, so der 64-jährige Gründer der Partei Ano.

Merkel war zuletzt 2016 in Prag gewesen. Die CDU-Chefin kennt die tschechische Hauptstadt aber von früher. Anfang der 1980er Jahre forschte sie als Doktorandin an der hiesigen Akademie der Wissenschaften. Mit Andrej Babiš kam sie zuletzt im September zusammen, als dieser zu seinem Antrittsbesuch in Berlin war.

Das Treffen zwischen Andrej Babiš und Angela Merkel am Freitag fand im Übrigen an einem symbolischen Ort für die Geschichte der tschechischen Staatlichkeit statt. Es war jene Villa, die der erste tschechoslowakische Premier, Karel Kramář, einst erbauen ließ.