Mammutserie über Attentat auf Reinhard Heydrich im Tschechischen Fernsehen

06-09-2011

Am Sonntag lief im Tschechischen Fernsehen die erste Folge einer neuen TV-Dokumentation. Thema der Serie, verteilt auf 44 Folgen, ist das Attentat auf Reinhard Heydrich, Chef des Reichssicherheitshauptamtes der Nazi-Diktatur in Deutschland und stellvertretender Reichsprotektor von Böhmen und Mähren. Am 4. Juni 1942 wurde er bei einem Anschlag von Fallschirmspringern der tschechoslowakischen Exilarmee in Prag getötet. Als Vergeltung für das Attentat ließen die Machthaber während der so genannten „Heydrichiade“ Hunderte von Menschen verhaften und exekutieren und zerstörten die Dörfer Lidice und Ležáky. Die Ereignisse bewegen viele Tschechen bis heute.

Reinhard HeydrichReinhard Heydrich „Reinhard Heydrich – Endlösung“ heißt die neue Doku-Serie im zweiten Tschechischen Fernsehen und wird vom 4. September an den Aufenthalt Heydrichs im Protektorat Böhmen und Mähren dokumentieren. Mediale historische Geschichtsaufarbeitung ist auch in Tschechien zurzeit schwer im Trend. Dieses Jahr kam bereits der Film „Lidice“ ins Kino, im Jahr 2009 erschien „Protektor“. Beide Filme orientierten sich an den Ereignissen um das Attentat auf Reinhard Heydrich 1942. Während „Lidice“ die Geschichte des zerstörten Dorfes und seiner Einwohner erzählt, wurde in „Protektor“ auf das Problem der Kollaboration der Tschechen mit den Nazis eingegangen. Nun folgt noch ein Dokumentarfilm. Regisseur Václav Křístek über die Serie:

Dokumentarfilm „Reinhard Heydrich – Endlösung“ (Foto: Tschechisches Fernsehen)Dokumentarfilm „Reinhard Heydrich – Endlösung“ (Foto: Tschechisches Fernsehen) „Dieses Jahr im September ist es 70 Jahre her, dass Reinhard Heydrich als Stellvertretender Reichsprotektor nach Prag kam. Wir haben jede Woche seines Aufenthalts durchgearbeitet. Es geht selbstverständlich nicht nur um ihn, sondern um die gesamte Situation im Protektorat und um die Fallschirmspringer. Es ist ein großer Dokumentarfilmroman über große Momente.“

Eine Art Moderator führt durch jede Episode der Reihe und verknüpft so die Originalaufnahmen mit Interviews von Zeitzeugen und Wissenschaftlern. Regisseur Křístek hätte bei der Darstellung gerne auf andere Formen zurückgegriffen:

Václav Křístek (Foto: Tschechisches Fernsehen)Václav Křístek (Foto: Tschechisches Fernsehen) „Wir hätten gerne mehr nachgespielte Szenen gehabt, aber das wäre eher ein Spielfilm geworden. Und der hätte uns mehr Geld gekostet, als wir zur Verfügung gehabt haben. Aber natürlich haben wir einige Szenen gedreht, die damalige Ereignisse nachspielen.“

Heydrich war aber nicht nur stellvertretender Reichsprotektor in Böhmen und Mähren, sondern auch Chef des Reichssicherheitshauptamtes, General der Deutschen Polizei und SS-Obergruppenführer. Als solcher berief er die Wannseekonferenz ein, auf der der Massenmord an den Juden geplant wurde. Die Serie geht auch auf diese anderen Verbrechen Heydrichs ein und stellt den historischen Kontext umfangreich dar. Der Chefredakteur des Tschechischen Fernsehens, Jiří Vondráček, erklärt aber, dass vor allem durch die Aussagen der Zeitzeugen der Fokus der Sendung auf etwas anderes gelenkt werden soll:

Vladimír PetřekVladimír Petřek „Die Serie geht nicht primär über Heydrich, es geht gerade um Menschen, um mutige Tschechen und Slowaken, die Widerstand geleistet haben. Zum Beispiel haben wir die Verwandten der Familie Moravec interviewt. Sie waren die Hauptunterstützer der Attentäter. Unser Ziel ist es, diese Menschen in das öffentliche Bewusstsein zu bringen, damit man sich konkret etwas unter Namen wie zum Beispiel Jindřiška Nováková oder Vladimír Petřek vorstellen kann.“

Beide fielen den Verfolgungen nach dem Attentat zum Opfer. Vladimír Petřek war der Pfarrer der Christlich-Ortodoxen Kirche in Prag, in der sich die Attentäter auf Heydrich versteckten und nach einer stundenlangen Belagerung durch deutsche Truppen erschossen. Petřek wurde am 5. September 1942 wegen Mithilfe hingerichtet. Noch heute lassen sich an der Kirche St. Kyrill und Method im Prager Stadtteil Neustadt die Einschusslöcher von damals erkennen, und jedes Jahr wird an der dortigen Gedenktafel den Attentätern gedacht.

06-09-2011

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