Lehrer gesucht

02-09-2019

In Tschechien hat am Montag ein neues Schuljahr begonnen.

Foto: ČTK / David TanečekFoto: ČTK / David Taneček

Foto: ČTK / Václav PancerFoto: ČTK / Václav Pancer Fast anderthalb Millionen Schülerinnen und Schüler sind am Montagmorgen wieder in die Schulbänke zurückgekehrt. An den Grundschulen werden 12.500 Kinder mehr unterrichtet als im letzten Schuljahr, an Schulen der Sekundärstufe sind es 5000 Jugendliche mehr. Dagegen steht jedoch eine stetig sinkende Zahl der Lehrer. Laut Schätzungen des Bildungsministeriums fehlen hierzulande aktuell 6000 Pädagogen.

In welchen Fächern der Mangel besonders dramatisch ist, erklärte Jan Jiříček dem Tschechischen Rundfunk. Er ist der stellvertretende Direktor einer Grundschule im siebten Prager Stadtbezirk:

„Für die Mathematik ist es sehr schwierig. Einen Informatik-Lehrer zu finden ist fast unmöglich. Genauso wie bei Physik. Denn dieses Fach kann man in Prag nicht an der pädagogischen Fakultät studieren. Die Physik-Lehrer müssen die Mathematisch-Physikalische Fakultät absolvieren. Und die Zahl solcher Absolventen ist sehr gering.“

Foto: ČTK / Radek PetrášekFoto: ČTK / Radek Petrášek Ebenso ist es schwierig, Lehrerinnen und Lehrer für die ersten fünf Klassen der Grundschule zu finden. František Prokop leitet die Prager Grundschule Táborská. Bei der Suche ist er gescheitert und musste nach einer anderen Lösung greifen:

„In der ersten Klasse wird eine Kollegin den Unterricht übernehmen, die sonst andere Pflichten an unserer Schule hatte. Sie ist aber für die Primarstufe qualifiziert. Wir helfen uns also aus den eigenen Reihen. Dadurch entstehen aber neue Probleme, das wir nachfolgend werden lösen müssen.“

Manchmal kommt es dazu, dass die Lehrer ein anderes Fach unterrichten, als sie studiert haben. Das ist auch bei Daniel Pražák der Fall, der sich auf Naturkunde spezialisiert:

Robert Plaga (Foto: Michaela Danelová, Archiv des Tschechischen Rundfunks)Robert Plaga (Foto: Michaela Danelová, Archiv des Tschechischen Rundfunks) „Ich werde nun auch Erdkunde unterrichten. Die eigentliche Lehrerin ist weggegangen. Wir haben zwar einen neuen Kollegen aufgenommen, der kann aber nicht alle Stunden übernehmen. An unserer Schule werden Natur- und Erdkunde in einer gemeinsamen Doppelstunde gelehrt. Nun wollen wir versuchen, die Fächer komplett zu verknüpfen.“

Bildungsminister Robert Plaga will den Beruf des Lehrers unter anderem durch eine weitere Gehältersteigerung attraktiver machen. Die Löhne im Bildungswesen sind im laufenden Jahr um durchschnittlich 15 Prozent gewachsen und sollen ab Januar 2020 um weitere zehn Prozent steigen. Zudem plant der Minister, eine Novelle des Gesetzes über Lehrkräfte durchzusetzen. Demzufolge dürften künftig auch Fachleute ohne Lehramt unterrichten:

Kateřina Valachová (Foto: Kristýna Hladíková, Archiv des Tschechischen Rundfunks)Kateřina Valachová (Foto: Kristýna Hladíková, Archiv des Tschechischen Rundfunks) „Dazu gehört, dass die Schulen Finanzmittel für die sogenannten einführenden Lehrer bekommen. Also für Lehrer, die neue Kollegen betreuen und durch die ersten zwei Jahre begleiten an der Schule. Innerhalb von drei Jahren muss der neue Lehrer auch die pädagogische Ausbildung ergänzen.“

Die Pflicht einer pädagogischen Qualifizierung gilt für Lehrkräfte seit 2012. Viele der Lehrer, die in ihren Fächern Experten waren, aber nicht das Lehramt studiert hatten, mussten dieses zusätzlich absolvieren. Ex-Bildungsministerin und die jetzige Vizevorsitzende des Bildungsausschusses im Abgeordnetenhaus, Kateřina Valachová (Sozialdemokraten), kritisiert die geplante Regelung:

„Ich halte den Vorschlag für skandalös. Über 60 Prozent der Absolventen pädagogischer Fakultäten gehen nach dem Studium nicht an die Schulen. Statt dieses Problem zu lösen, wollen wir durch die neue Regelung den Lehrern ins Gesicht spuken, die an den Schulen tätig sind und in den vergangenen Jahren unter harten Bedingungen und auf eigene Kosten ihre pädagogische Qualifizierung nachgeholt haben.“

Die Gesetzesnovelle sollte ab diesem September in Kraft treten. Allerdings hat sich die Behandlung verzögert, und das Parlament wird sich damit erst befassen.

02-09-2019