Lebendige Wallfahrtstradition in Kašperské Hory

Kašperské Hory / Bergreichenstein gilt heutzutage als ein beliebtes Touristenzentrum im mittleren Böhmerwald. Die Stadt war zuvor aber Jahre lang als viel besuchter Wallfahrtsort bekannt. Die Tradition der Böhmerwald-Wallfahrten wird bis heute aufrechterhalten. Am vergangenen Sonntag trafen sich erneut Hunderte von Pilgern in Kašperské Hory beim Maria-Schnee-Fest.

Foto: Archiv der Römisch-katholischen Pfarrei in Kašperské HoryFoto: Archiv der Römisch-katholischen Pfarrei in Kašperské Hory Am ersten Augustwochenende platzt Kašperské Hory jedes Jahr aus allen Nähten. Die rund 1500 Einwohner zählende Stadt ist im Mittelalter entstanden, sie war zunächst eine Bergarbeitersiedlung. Die Ära der Goldförderung war die Blütezeit der Gemeinde. Die Anfänge der Wallfahrten und der Marienverehrung in Kašperské Hory finden sich dann im 17. Jahrhundert. Damals führten die Wallfahrten in eine kleine Kapelle, die Grantl genannt wird. Schließlich reichte diese für die zahlreichen Pilgern nicht mehr aus und Mitte des 19. Jahrhunderts wurde von den Spenden der Bewohner eine Wallfahrtskirche errichtet. Vladimír Horpeniak ist Historiker. Er arbeitet im Museum von Kašperské Hory und ist ein Böhmerwald-Experte:

Vladimír Horpeniak (Foto: Pepek 06, Wikimedia CC BY-SA 3.0)Vladimír Horpeniak (Foto: Pepek 06, Wikimedia CC BY-SA 3.0) „Den Schätzungen nach kamen um das Jahr 1900 immer etwa 10.000 Pilger zum Maria-Schnee-Fest. Der Böhmerwald-Schriftsteller Karel Klostermann beschrieb beispielsweise in seinem Roman ´Im Böhmerwaldparadies´ die Wallfahrten in Bergreichenstein als Begegnungen von Tschechen und Deutschen. Nicht einmal dem kommunistischen Regime gelang es, die Wallfahrtstradition vollständig zu unterdrücken. Wir bemühen uns nun, den internationalen Charakter dieser Feierlichkeiten wieder zu erneuern.“

In der geräumigen gotischen Sankt-Margarethen-Kirche auf dem Marktplatz drängten sich am Sonntagvormittag Hunderte von Pilgern. Der hiesige Pfarrer Tomas van Zavrel richtete das Wort an die Pilger:

„Ich möchte euch alle sehr herzlich willkommen heißen hier in Bergreichenstein. Es freut mich, dass auch viele unsere Freunde aus Deutschland gekommen sind.“

Dominik Duka (Foto: Filip Jandourek, Archiv des Tschechischen Rundfunks)Dominik Duka (Foto: Filip Jandourek, Archiv des Tschechischen Rundfunks) Den Wallfahrtsgottesdienst zelebrierte Kardinal Dominik Duka. Nach der Messe und einer anschließenden improvisierten Debatte mit den Gläubigen entstand das folgende Kurzgespräch mit dem Prager Erzbischof:

Herr Kardinal, haben Sie eine besondere Beziehung zu dieser Region?

“Ja, weil meine Mutter in der nicht weit von hier entfernten Gemeinde Hory Matky Boží / Bergstadtl geboren wurde. Und sie hat ihre Heimatregion immer wie ein Paradies geschildert.“

Foto: Archiv der Römisch-katholischen Pfarrei in Kašperské HoryFoto: Archiv der Römisch-katholischen Pfarrei in Kašperské Hory Wie viele Jahre waren sie nicht mehr hier?

“Ich war vor 38 Jahren hier, als ich das letzte Jahr als Seelsorger gearbeitet habe. Seit 1975 durfte ich nicht mehr in der Seelsorge arbeiten. Ich habe damals mit einigen Kollegen, also Priestern sowie mit meiner Mutter und meiner Tante einen Ausflug in den Heimatort meiner Mutter unternommen.“

Hier in Bergreichenstein bemüht man sich sehr, die Tradition der Böhmerwald-Wallfahrten wieder ins Leben zu rufen. Wie fanden Sie das heutige Treffen mit den Pilgern?

„Ich denke, dass die große Teilnahme dem hiesigen Pfarrer zu verdanken ist. Er stammt aus einer tschechischen Emigrantenfamilie. Nach der Wende ist er nach Tschechien gekommen und hat hier Theologie studiert. Er hat viele Freunde und Kontakte nach Deutschland. Die Atmosphäre hat sich hier meiner Meinung zum Positiven geändert.“

Foto: Archiv der Römisch-katholischen Pfarrei in Kašperské HoryFoto: Archiv der Römisch-katholischen Pfarrei in Kašperské Hory Welche Bedeutung hat das Maria-Schnee-Fest, das hier gefeiert wurde?

„Ich muss zugeben, dass es für mich eine Zeit lang auch ein Geheimnis war. Es ist das Weihe-Fest der Basilika Santa Maria Maggiore in Rom. Für die slawischen Völker ist von Bedeutung, dass in dieser Basilika Papst Hadrian II. die Erlaubnis zur Nutzung der von Kyrill und Method stammenden Übersetzung des Messbuchs ausgesprochen hat.“