Kulturelle Identitätsfindung mit Gefühl und „Cit“

Dass das Leben zwischen zwei Kulturen nicht immer einfach ist, wissen die Kabarettisten Roman Horák, Philipp Schenker und Sven Ofner aus eigener Erfahrung. Im ersten deutsch-tschechischen Konkurrenz-Kabarett sprechen sie über kulturelle Gemeinsamkeiten und Unterschiede.

Foto: Facebook Deutsch-Tschechisches KabarettFoto: Facebook Deutsch-Tschechisches Kabarett Sprachliche Schwierigkeiten und kulinarische Vorlieben, kultureller Identitätswahn und das Leben im nachbarschaftlichen Miteinander – mit diesen Themen beschäftigen sich die Künstler Roman Horák, Philipp Schenker und Sven Ofner im ersten deutsch-tschechischen Konkurrenz-Kabarett. Am Donnerstag feiert dieses im Prager Theater „Am Geländer“ Premiere.

Die Kabarettisten sprechen aus Erfahrung. Zwei der drei Mitglieder der Gruppe hat, wie schon so oft in der Geschichte, die Liebe nach Tschechien gebracht. Sven Ofner ist aus Deutschland, Philipp Schenker aus der Schweiz eingewandert.

„Das gibt es sicher schon seit mehr als tausend Jahren, dass Deutsche oder deutschsprachige Händler in Tschechien und im Prager Raum waren. Vaclav I oder Ottokar II haben die Deutschen bewusst ins Land geholt, weil sie das Land kolonisieren wollten. Aber das werden wir nicht analysieren in unserem Kabarett, wir sind ja keine Historiker. Aber ich finde die Geschichte trotzdem interessant und uns war natürlich klar, dass es schon damals passieren musste, dass sich Tschechinnen, Tschechen und Deutsche einfach ineinander verlieben und gemeinsame Familien haben“, meint dazu Schenker.

Deutsch-Tschechisches Kabarett (Foto: Carla Sommer)Deutsch-Tschechisches Kabarett (Foto: Carla Sommer) Der dritte im Bunde, Roman Horák, ist in Prag geboren, aber in Bayern aufgewachsen. Nach dem Studium zog es ihn zurück in die Heimat seiner Eltern. Im Kabarett setzt er sich unter anderem mit seinem Leben zwischen zwei Kulturen und mit zwei Identitäten auseinander.

„Das Kabarett ist eigentlich dazu da, dass sich jeder selber die Frage stellt, was es bedeutet, Tscheche in Deutschland oder Deutscher in Tschechien zu sein. Ich denke, dass wir im Grunde genommen zwei Völker sind, die sich sehr nah sind. Durch historische Begebenheiten ist alles natürlich ein bisschen schwieriger und obwohl wir uns geografisch so nah sind, sind wir auch sehr weit entfernt voneinander. Unser Impuls ist deshalb, Türen aufzumachen oder Brücken zu bauen und zu zeigen, dass wir uns eigentlich in vielen Sachen sehr ähnlich sind. Und dann gibt es Sachen, wo wir uns einfach unterscheiden. Das ist auch toll!“

Die drei betonen aber, dass sie das Thema deutsch-tschechisches Miteinander nicht politisch angehen. Vielmehr sollen mit zärtlichen Sprachbeißereien, Improvisation, Musik und Tanz ironisch kulturelle Unterschiede aufgezeigt werden. Und auch das Publikum wird mit einbezogen, erzählt Roman Horák.

„Die Deutschen gehören nun mal geschichtlich zu Tschechien dazu und das ist auch unser Thema: Die drei Deutschen, respektive der Schweizer und zwei Deutsche in Prag. Wir wollen dieses Thema einfach wieder so ein bisschen aufmachen. Aber nicht politisch, sondern eben darüber, wie wir uns hier fühlen, wie die Leute sich hier fühlen, wenn sie aus Deutschland kommen und die Tschechen in Deutschland.“

Wie sich die Menschen fühlen, Gefühl und Cit – um dieses Thema dreht sich die erste Aufführung am Donnerstag. Auch die tschechische Journalistin und Deutschland-Expertin Barbora Procházková, die bei der Premiere als Gast geladen ist, wird von ihren persönlichen Erfahrungen erzählen.

Horák, Schenker und Ofner arbeiten bereits an einer Fortsetzung des deutsch-tschechischen Konkurrenz-Kabaretts. In Planung sind bereits weitere Auftritte im Theater „Am Geländer“ sowie Gastauftritte in Deutschland und Tschechien, zum Beispiel in Ostrau und Dresden. Themen gibt es genug: Von bi-kultureller Ehe und Erziehung bis hin zu kulinarischen Gemeinsamkeiten und Unterschieden. Und immer mit ganz viel Gefühl und Cit!