Krippenbau: Die Tradition lebt - Ausstellung auf der Prager Burg

23-12-2008

Aus der Weihnachtszeit sind sie nicht wegzudenken: die Weihnachtskrippen. Seit der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts werden sie in den böhmischen Ländern gebaut. Doch der Krippenbau ist nicht nur eine Angelegenheit vergangener Jahrhunderte. Davon zeugt eine Ausstellung, die in diesen Tagen auf der Prager Burg zu sehen ist und sowohl historische als auch moderne Weihnachtskrippen zeigt.

Die Weihnachtskrippen sind aus Holz, Ton, Papier, Glas oder sogar aus Lebkuchen. Besichtigen lassen sie sich im Gebäude, in dem einst der oberste Burggraf seinen Sitz hatte. Viele der insgesamt 50 Weihnachtskrippen werden in Prag zum ersten Mal ausgestellt, sagt Jan Roda vom Verein der tschechischen Krippenfreunde:

Jan RodaJan Roda „Wir haben uns bemüht die Exponate so zusammenzustellen, dass sie die Entwicklung des Krippenbaus in den böhmischen Ländern dokumentieren. Die älteste hier ausgestellte Krippe ist 200 Jahre alt. Sie stammt aus der Franziskanerkirche im mittelböhmischen Slaný und wird heutzutage im Ethnografischen Museum in Prag aufbewahrt.“

Der Brauch, Weihnachtskrippen auszustellen, wurde aus dem Kirchenmilieu in die Familien übertragen: Zuerst wurden die Krippen nur bei Adeligenfamilien, später auch in den bürgerlichen Haushalten gezeigt. Tüchtige Krippenbauer gab es in vielen Regionen – beispielsweise in Příbram, Šluknov / Schluckenau, Ústí nad Orlicí / Wildenschwert oder in Třešť / Triesch. Vor allem in der zuletzt genannten Stadt auf der Böhmisch-Mährischen Höhe lebt die Krippenbautradition noch heute, sagt Jan Roda:

„Ich glaube, dass die Tradition in unserem Land nie vollständig abgebrochen ist. Es gab nur Zeiten, in denen sich der Krippenbau keiner offiziellen Gunst erfreut hat wie im Kommunismus. Zur Zeit der Aufklärung wiederum wurden die Krippen aus den Kirchen verbannt, weil dieser Brauch damals für kindisch gehalten wurde. Es heißt, dass eben zu dieser Zeit die Weihnachtskrippen ihren Weg in die Familien gefunden haben.“

Jan Roda befasst sich seit 30 Jahren mit der Geschichte des Krippenbaus in den böhmischen Ländern. Sein Lieblingsexponat ist eine historische Krippe aus der Region von Schluckenau. Sie wurde zu Ende des 19. Jahrhunderts von Josef May gebaut.

„Auf seinen vielen Wanderungen hat May Weihnachtskrippen gesehen, die im romantischen Stil geschnitzt wurden. Diese künstlerische Form übertrug er in seine Heimatregion. Schluckenau wurde zu Ende des 19. und zu Anfang des 20. Jahrhunderts zu einem florierenden Krippenbauzentrum.“

Jan Roda will jedoch nicht nur eine einzige Weihnachtskrippe hervorheben, denn:

„Jede Krippe ist schön und hat eine geistliche Kraft in sich.“

Die Krippenausstellung ist im Burggrafenamt auf der Prager Burg bis zum 4. Januar 2009 geöffnet.

23-12-2008