Kriegserinnerungen: Gräuel und Humor

Ein neues Buch zeigt eine sehr emotionale Seite des Ersten Weltkriegs. Die Rundfunkredakteurin Pavla Horakova hat in „Zum Befehl, pane Lajtnant“ die Briefe und Memoiren von einfachen Soldaten der k. u. k. Armee gesammelt. Ihr Buch hat Pavla Horáková nun in den englischsprachigen Sendungen von Radio Prag vorgestellt.

 Pavla Horáková und ihr Buch 'Zum Befehl, pane Lajtnant' (Foto: Ondřej Tomšů) Pavla Horáková und ihr Buch 'Zum Befehl, pane Lajtnant' (Foto: Ondřej Tomšů) Pavla Horáková wollte kein weiteres Geschichtsbuch zum Ersten Weltkrieg verfassen. Sie wollte sich in „Zum Befehl, pane Lejtnant“ mit etwas anderem beschäftigen. Das Buch ist nun zum 100. Jahrestag des Kriegsendes erschienen:

„Mein Ko-Autor Jiří Kamen und ich nennen es ‚das innere Bild des Krieges‘. Mit den von uns gesammelten Dokumenten können wir tief in die Seele der Soldaten sehen. Und das erzählt eine ganz andere Geschichte als ein Geschichtsbuch.“

jiří Kamen (Foto: Tomáš Vodňanský, ČRo)jiří Kamen (Foto: Tomáš Vodňanský, ČRo) Kurz gesagt: Pavla Horáková hat unzählige Briefe, Tagebücher und Memoiren von ehemaligen Frontsoldaten zusammengetragen. Ganz am Anfang sei eine Sendereihe im Kultursender des Tschechischen Rundfunks gestanden, erzählt Horáková, die für die englischsprachige Redaktion von Radio Prag arbeitet. Die Motivation war aber eine ganz persönliche:

„Vor etwa sechs, sieben Jahren bin ich auf die Erinnerungen meines Ur-Großvaters aus dem Ersten Weltkrieg gestoßen. Mir war klar, dass viele Menschen in Tschechien ähnliche Aufzeichnungen zuhause haben müssten. Zum 100. Jahrestag des Weltkriegsbeginns dachte ich mir, dass man so etwas doch sammeln und veröffentlichen könnte.“

Manche Tagebücher der Soldaten im Ersten Weltkrieg seien kaum zu lesen, so Pavla Horáková. Die Grausamkeiten seien kaum vorstellbar. Ganz anders sind laut der Journalistin die Memoiren, dort fänden sich auch lustige Passagen. Denn die meisten Veteranen hätten sich wohl von Hašeks Švejk inspirieren lassen, schätzt Horáková. Eines ist ihr aber insgesamt aufgefallen. Die Feldpost taugt nur wenig, um die Zeit in den Schützengräben zu rekonstruieren:

„Die Briefe und Postkarten vom Schlachtfeld erzählen nicht viel, da sie der Zensur unterlagen. Da liest man nur standardisierte Sätze, wie: ‚Hallo, mir geht es gut, ich denke an dich und freue mich auf ein Wiedersehen.‘ Die Tagebücher sind da viel offener und aufrichtiger. Noch ehrlicher sind da nur die Memoiren der Männer.”

Foto: Verlag ArgoFoto: Verlag ArgoDoch „Zum Befehl, pane Lajtnant“ verlässt sich nicht nur auf die schriftlichen Hinterlassenschaften der k. u. k. Soldaten. Pavla Horáková:

„Es gibt in meinem neuen Buch auch viele Bilder, die meisten davon stammen aus Familienarchiven oder von tschechischen Künstlern. Dabei muss ich erwähnen, dass dieses Buch eigentlich eine Fortsetzung ist. In einem ersten Band habe ich schon etwas Ähnliches gemacht, es ging aber um konkrete Künstler. Im zweiten Buch sind eher Fotos und Zeichnungen der Soldaten selbst zu sehen.“

Pavla Horakovas Ur-Großväter sind glücklicherweise fast unversehrt von der Front heimgekehrt. Nur einer habe einige Finger im Schützengraben gelassen, erzählt die Radiomacherin. Insgesamt sind die Einblicke in das Leben der Soldaten aber sehr intim. Hätte es einem ihrer Ur-Großväter nichts ausgemacht, seine Briefe und Erinnerungen veröffentlicht zu sehen? Pavla Horáková meint – auf keinen Fall:

„Ich denke, sie haben ihre Erinnerungen für andere Leute geschrieben. Eigentlich ist in den Memoiren von Soldaten oft der Satz zu finden: ‚Sollte dieser Text veröffentlicht werden, dann wünsche ich mir das und das.‘ Wahrscheinlich erfüllen wir ihnen mit dem Buch sogar einen Wunsch.“