Komponist Viktor Kalabis gestorben

Wenn von der tschechischen klassischen Musik der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts die Rede ist, werden in erster Linie vier Namen genannt: Petr Eben, Marek Kopelent, Otmar Macha und Viktor Kalabis. Zu letzterem Komponisten schrieben dieser Tage die Medien aus traurigem Anlass erneut: Viktor Kalabis ist am 28. September im Alter von 83 Jahren gestorben. Am Donnerstag wurde er bestattet. Hören Sie einen Nachruf von Jitka Mladkova:

Der am 27. Februar 1923 geborene Kalabis studierte Komposition am Prager Konservatorium und anschließend an der Akademie der Musischen Künste, zudem belegte er die Fächer Musikwissenschaft und Philosophie. Eine ganze Zeit lang, nämlich in den Jahren 1952 bis 1972, arbeitete Viktor Kalabis als Redakteur und Musikregisseur im Tschechoslowakischen Rundfunk, danach widmete er sich nur noch dem Komponieren. Durch ihre philosophische Gedankentiefe stießen seine Kompositionen bald sowohl im In- als auch im Ausland auf breite Resonanz. Seine Symphonie Nummer zwei mit dem Namen Sinfonia pacis, für die Kalabis im Jahr 1969 mit einem Staatspreis bedacht wurde, gehört seit der Zeit ihrer Entstehung zu den am häufigsten gespielten tschechischen symphonischen Werken der Gegenwart.

Kalabis komponierte insgesamt fünf Symphonien sowie einige Konzerte für Soloinstrumente wie Klavier, Trompete, Geige, Cembalo und Orchester, aber auch eine ganze Reihe von Kammerwerken, darunter sieben Quartette für Violine. Teile seines Schaffens sind zwar durch die Folklore beeinflusst, allgemein hat er aber eher an die musikalische Linie von Arthur Honegger, Paul Hindemith und Bela Bartok angeknüpft. Viktor Kalabis, Ehemann der international anerkannten Cembalistin Zuzana Ruzickova, charakterisierte sein Schaffen der so genannten ernsten Musik folgendermaßen:

"Es ist ein wunderschönes Fach, das aber, was die Popularität anbelangt, nur einen winzig kleinen Teil der Bevölkerung erreicht, weil es doch an bestimmte Voraussetzungen gebunden ist: Intelligenz und sensibles Herz. Ich weiß in der Tat nicht, ob es noch heute gilt, was einst Bedrich Smetana behauptete: Wer Tscheche ist, der ist ein Musikant. Heute gilt eher: ´Wer Tscheche ist, der ist ein Hockey- oder Fußballspieler´. Trotzdem bin ich der Meinung, dass wir die ernste Musik, die heutzutage eine Art Spurenelement im nationalen Organismus darstellt, nicht aus unserem Leben ausklammern sollten. Sie bietet tiefere Werte von größerer Dauer als die Konsummusik, mit der uns die Medien in Überfluss versorgen."