Kommen neue Regeln für Fremdenführer?

Sightseeing ist in Prag ein Bomben-Geschäft. Doch nicht alle Fremdenführer halten sich an die Regeln der Stadt.

Foto: johnandmary.F, Flickr, CC BY-NC-ND 2.0Foto: johnandmary.F, Flickr, CC BY-NC-ND 2.0 Matt ist Australier, lebt derzeit aber in Prag. Einen Teil seines Geldes verdient er sich mit Stadtführungen, die er im historischen Zentrum der Moldaumetropole anbietet. Mit seinem roten Regenschirm verfolgt er dabei ein ganz besonderes Konzept:

„Das ist ganz einfach, wir verlangen kein Geld für die Führung. Sollte einem Teilnehmer das Ganze nicht gefallen, dann kann er einfach gehen. Andernfalls kann jeder selbst entscheiden, wie viel er für die paar Stunden bezahlt.“

Das ist zwar mutig, doch nach jeder Tour kommt einiges zusammen. Immerhin nehmen laut Matt im Schnitt 30 Touristen an seinen Führungen teil:

„Die meisten geben so um die 200 Kronen, also etwa sieben oder acht Euro. Wie viel man aber letztlich für die Führung bezahlt, das bleibt jedem selbst überlassen.“

Illustrationsfoto: Jacqueline Sheldon, Flickr, CC BY-NC-ND 2.0Illustrationsfoto: Jacqueline Sheldon, Flickr, CC BY-NC-ND 2.0 Das Geld gibt es bar auf die Hand, eine Rechnung stellen die Hobby-Touristenführer nicht aus. Und gerade das liegt den offiziellen Prager Fremdenführern schwer im Magen. Denn Matt und seine Kollegen umgehen mit ihren Touren alle bestehenden Regeln für Fremdenführer – und die meist fehlenden Fachkenntnisse sind dabei eher das kleinere Problem. Viel problematischer aus Sicht der offiziellen Guides ist, dass ihre inoffizielle Konkurrenz den üblichen Steuern und Kontrollen durch die Behörden entgeht. Jana Horníková ist seit über 20 Jahren in der Branche und Mitglied im Verband der tschechischen Fremdenführer:

„Wir stellen für unsere Arbeit natürlich Rechnungen aus und leisten unseren Beitrag für die Sozialversicherung. Wir zahlen alle Steuern, geben jährlich unsere Steuererklärung ab und unterliegen jeglichen Kontrollen von Seiten der Behörden.“

Horníková und ihre Kollegen fordern deshalb, dass entsprechenden Touren ein Riegel vorgeschoben wird. Die Regierung plant laut eigener Aussage keine Änderungen in dieser Hinsicht, die Finanzämter erkennen bisher ebenfalls kein Problem.

Jan Wolf (Foto: Jana Kudláčková, Archiv des Tschechischen Rundfunks)Jan Wolf (Foto: Jana Kudláčková, Archiv des Tschechischen Rundfunks) Bei den Kommunen ist das aber anderes, Prag will beispielsweise das Gewerberecht ändern. Wie, das erklärt der christdemokratische Stadtrat Jan Wolf. Er tritt bei den kommenden Kommunalwahlen für die Koalition aus Top 09, Partei Stan und Christdemokraten an:

„Jeder Fremdenführer soll eine Art Ausweis bekommen. Dadurch kann jedes Kontrollorgan die Identität des jeweiligen Guides nach Bedarf überprüfen.“

Insgesamt gilt aber: Wer eine hochwertige Stadtführung in Prag machen will, der sollte sich vorher gut informieren und im Vorfeld buchen. Beispielsweise bietet das Webportal der Stadt eine Liste mit zertifizierten Fremdenführern und Tourterminen.