Kloster Vyšší Brod bekommt Raubkunst aus Oberösterreich zurück

Im Zweiten Weltkrieg wechselten viele Kunstwerke den Besitzer. Aber nicht immer freiwillig. Immer wieder taucht in Museen Raubkunst auf. Das Oberösterreichische Landesmuseum gibt dem Zisterzienserkloster Vyšší Brod/Hohenfurth jetzt Kunstwerke zurück, die von der Gestapo Linz zum Ende des Zweiten Weltkrieges entwendet wurden. Eva Schermutzki hat mit dem Leiter des Museums, Peter Assmann, gesprochen.

Herr Assmann, was sind das denn für Objekte die an das Kloster Hohenfurth zurückgegeben werden?

„Es sind primär Objekte aus der technikhistorischen Sammlung bzw. aus der volkskundlichen Sammlung. Vielfach sind es Alltagsgegenstände, aber es sind auch einige wertvolle technikhistorische Apparaturen dabei. So zum Beispiel ein Himmelsglobus oder eine sogenannte Amillarspähre.“

Wie kam es zu der Entdeckung, dass in ihrem Museum geraubte Kunst aus der Zeit des Nationalsozialismus ausgestellt wird?

„Wir haben schon seit vielen Jahren ein Forschungsprojekt zusammen mit der Universität Linz. Im Mittelpunkt stand die Frage: Gibt es nach wie vor Objekte in unseren Sammlungen, die in der damaligen Zeit in diese Sammlungen gekommen sind und die aus heutiger Sicht nicht einwandfrei übernommen wurden. Und da war sehr bald klar, im Zusammenhang mit dem Kloster Hohenfurth, dass diese Objekte bei uns sind.“

Gibt es noch Kunstwerke im Oberösterreichischen Landesmuseum, bei denen die Eigentumsverhältnisse nicht geklärt sind?

„Raubkunst ist ja ein sehr klarer Tatbestand einer kriminellen Handlung, die im Zusammenhang mit Erpressung, Nötigung und eventuell sogar mit Mord steht. Die Dinge sind wie immer in der Geschichte um vieles komplizierter. Vor allem wenn es sich um mehrere Besitzer handelt. Die Stücke sind ja nicht immer auf direktem Wege einer Beschlagnahmung in unser Haus gekommen, sondern über den Kunsthandel. Wenn das Ganze einfach wäre, wäre es schon lange erledigt.“

Und wie geht es jetzt mit den zurückgegeben Kunstobjekten weiter?

„Das Kloster hatte ja das Problem, dass es nicht wusste, wohin mit den ganzen Sachen. Und ich habe gesagt: Wir möchten aus der negativen Vergangenheit eine positive Zukunft bauen und haben angeboten, die allerdelikatesten Stücke bei uns aufzubewahren und als Werbung für das Kloster zu präsentieren.“

Ist die Rückgabe für sie eine große Geste?

„Es ist eine selbstverständliche Aktivität. Wenn man dahinterkommt, dass man etwas hat, das einem nach moralisch-ethischen Gesichtspunkten nicht gehört, dann sollte man das einfach zurückgeben. Da gibt es eine sehr klare politische Linie, aber auch eine sehr klare Linie unserer Institution.“

Tschechien gibt ja im direkten Gegenzug nichts zurück. Erwarten sie eine Gegenleistung?

„Das ist eine Diskussion, auf die ich mich ganz bewusst in diesem Kontext nicht einlassen möchte. Es soll hier einfach dieser Tatbestand geklärt werden. Ich halte nichts davon, wenn man sich nur mit Aufrechnen beschäftigt, und das Übliche „do ut des“ sollte man auch hin und wieder durchbrechen.“