Klimawandel im Fokus: Filmfestival „Jeden svět“

06-03-2020

In Prag wurde am Donnerstag das internationale Menschenrechts-Filmfestival „Jeden svět“ eröffnet. Auf dem Programm stehen 133 Streifen aus 60 Ländern.

Film Eis im Feuer (Foto: Archiv des Festivals „Jeden svět“)Film Eis im Feuer (Foto: Archiv des Festivals „Jeden svět“)

„Jeden svět“ ist das weltweit größte Filmfestival mit einem Schwerpunkt auf Menschenrechtsthemen. Erstmals fand es im Jahr 1999 satt und wurde von der renommierten Hilfsorganisation „Člověk v tísni“ organisiert. Bei der diesjährigen Auflage des Festivals stehen der Klimawandel und dessen Auswirkungen auf die Natur und die Menschen im Fokus. Dabei werden vor allem Filme aus dem Ausland gezeigt, doch auch der tschechische Film „Tschechen sind hervorragende Pilzsammler“ feiert bei „Jeden svět“ seine Premiere. Darin hat die Dokumentarregisseurin Apolena Rychlíková versucht, das Thema Klimawandel mit Humor anzupacken, wobei sie nicht leugnet, dass es ein ernsthaftes Problem sei.

„Der neue Film ist ein stilisierter naturwissenschaftlicher Essay. Mit den Augen von Außerirdischen beobachten wir, wie die Bewohner der Tschechischen Republik mit der Umwelt umgehen. Aufgrund eines Expertendialogs der Außerirdischen kommen wir zum Schluss, dass die Tschechen die besten Pilzsammler sind.“

Es ist nicht das erste Mal, dass bei dem Festival Filme mit dem Thema Klima- und Naturschutz gezeigt werden. Diesmal würden Ökologie und Nachhaltigkeit ganz im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen, erläutert Festivaldirektor Ondřej Kamenický:

Ondřej Kamenický (Foto: ČT24)Ondřej Kamenický (Foto: ČT24) „Wir fühlen, dass es notwendig ist, über die Auswirkungen des Klimawandels zu sprechen. Auch in Tschechien sind diese konkret zu erkennen. Die Dürre hierzulande ist eine Folge der Klimakrise. In den vergangenen fünf Jahren ist es so, dass wegen eines sehr schlechten Umgangs mit der Erde der Boden nach dem Regen zwar nass wird, die Feuchtigkeit aber nicht lange hält. Wir möchten mit dem Festival auch an die Politiker und diejenigen appellieren, die das Schicksal des Planeten in ihren Händen haben, und die ihre kurzfristigen Interessen den langfristigen Interessen aller vorziehen. Diese Menschen sollten daran denken, in was für einem Ökosystem die nächsten Generationen leben werden, in welchem Zustand die Natur sein wird und wo unsere Kinder aufwachsen sollen.“

,For Sama‘ (Foto: Archiv des Festivals „Jeden svět“),For Sama‘ (Foto: Archiv des Festivals „Jeden svět“) Auch in diesem Jahr werden Schulklassen zum Festival eingeladen. Dazu der Koordinator des Projektes, Karel Strachota:

„Die Hälfte der Festivalzuschauer sind Schülerinnen und Schüler. Wir bieten die Festivalfilme außerdem den Schulen an, die sie dann im Unterricht zeigen können. Ungefähr 400 Schulen nutzen unsere audiovisuellen Materialien. Dazu stellen wir ihnen weitere didaktische Hilfsmittel zur Verfügung, um das Thema des jeweiligen Films besprechen zu können. Die Lehrer suchen sich oft selbst einen der Streifen aus. Ich denke, dass die Produktion ,For Sama‘ diesmal das größte Interesse wecken wird. Fünf Jahre lang drehte eine Journalistin in Aleppo in Syrien den Film. Während der Jahre kam ihre Tochter Sama zur Welt, der sie ihre Arbeit gewidmet hat. Der Film ist sehr stark, wir empfehlen ihn nur den ältesten Schülern. Ich bin davon überzeugt, dass der Film die Jugendlichen zum Nachdenken anregen wird darüber, warum so viele Menschen aus Syrien flüchten.“

Buzurgmehr Jorow (Foto: Archiv der Hilfsorganisation „Člověk v tísni“)Buzurgmehr Jorow (Foto: Archiv der Hilfsorganisation „Člověk v tísni“) Filme, die ein Licht auf Menschenrechtsverletzungen werden, sind auch in diesem Jahr wieder im Rennen um den Václav-Havel-Preis. Bei der Eröffnung des Festivals wurde der Homo-Homini-Preis verliehen, diesmal ging er an den tadschikischen Anwalt Buzurgmehr Jorow, der in seinem Land zu 28 Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Den Preis übergab der ukrainische Regisseur und ehemalige politische Gefangene Oleh Senzow dem Bruder des inhaftierten Menschenrechtlers. Was würde Senzow dem Preisträger wünschen?

„Alle Gefangenen, ob politische oder nicht politische, wünschen sich zwei Dinge bevor sie ihre Haft antreten: Geduld und Freiheit. Ich würde ihm Geduld wünschen, damit er die Freiheit erlebt.“

Das Festival Menschenrechts-Filmfestival „Jeden svět“ findet in Prag bis 14. März statt. Anschließend wird eine Auswahl der Festivalfilme in 37 weiteren tschechischen Städten und in Brüssel vorgestellt.

06-03-2020