Kindersitze: tschechische Eltern und das „i-Size“

27-03-2019

Anschnallen und losfahren – so einfach befördert man Kinder nicht im Auto. Denn innerhalb der Europäischen Union gilt seit 2013 eigentlich eine Norm: Bis vier Jahre sollen Kinder entgegengesetzt der Fahrtrichtung sitzen. In Tschechien ist diese Empfehlung aber noch nicht wirklich angekommen.

Foto: Pieter Kuiper, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0Foto: Pieter Kuiper, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

Foto: securange, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0Foto: securange, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0 „Wir stehen da vor einem Dilemma. Der Kleine ist schon drei Jahre alt und will alles sehen aus dem Autofenster heraus. Auf der anderen Seite muss aber die Sicherheit vorgehen.“

Soweit der junge Vater Jan. Der 34-jährige Prager ist eine Ausnahme in Tschechien, er schnallt nämlich seinen schon relativ großen Sohn entgegengesetzt zur Fahrtrichtung ins Auto. Im Grunde macht er damit alles richtig, denn genau so sieht es die sogenannte „i-Size“-Norm in der EU vor. Kinder bis vier Jahre sollten demnach aus Sicherheitsgründen in Richtung Heckscheibe sitzen. Für Kinder bis 15 Monate ist das sogar verbindlich. Warum das durchaus Sinn hat, erklärt Michal Mikoláš. Er ist Redakteur bei der Verbraucherzeitschrift dTest und beschäftigt sich schon lange mit Kindersitzen:

„Da geht es hauptsächlich um den Schutz der Wirbelsäule, die vor allem bei Babys und Kleinkindern sehr empfindlich ist. Bei einem Zusammenstoß wird der Hals ruckartig nach vorne gezerrt, was ganz leicht zu einer Verletzung führen kann.“

Deshalb ist auch der meiste Schutz gewährleistet, wenn das Kind nicht in Fahrtrichtung sitzt. Denn die Schalung des Kindersitzes dämpft so vor allem Frontalzusammenstöße und seitliche Aufschläge. Insgesamt gilt laut Mikoláš die Faustregel, dass man einen Kindersitz so lange verwenden sollte, bis das Kind wirklich nicht mehr reinpasst.

Foto: Marri Nogueira/Agência Senado, Flickr, CC BY 2.0Foto: Marri Nogueira/Agência Senado, Flickr, CC BY 2.0 In Tschechien sei die von der EU empfohlene Art des Kindersitzes aber noch nicht wirklich im Mainstream angekommen, meint Jan Bílek. Er betreibt einen Laden für Kinderzubehör in der tschechischen Hauptstadt. Dennoch steigen die Verkäufe solcher Vorrichtungen laut Bílek auch hierzulande jedes Jahr im zweistelligen Bereich. Und das trotz der höheren Preise:

„Noch vor einigen Jahren war es für viele Tschechen unvorstellbar, dass ein Kind entgegengesetzt der Fahrtrichtung im Auto mitfährt. Heute ist es ganz normal, dass ein Kunde zu mir kommt und einen solchen Kindersitz kaufen will.“

Das Verkehrsministerium in Prag befürwortet ebenfalls die Norm aus Brüssel. Doch das Ressort sieht keinen Grund zur Panik, sollten Eltern sich noch keinen neuen Kindersitz gekauft haben. Petr Vomáčka aus der Abteilung für Sicherheit im Straßenverkehr beim Verkehrsministerium (Besip):

Petr Vomáčka (Foto: Archiv von Petr Vomáčka)Petr Vomáčka (Foto: Archiv von Petr Vomáčka) „Die Kindersitze richten sich nach der Größe des Kindes und nicht nach dem Gewicht. Deshalb sind die empfohlenen Sessel ja auch besser als die üblichen. Das heißt aber nicht, dass ältere Modelle irgendwie schlechter wären. Die Vorrichtung muss aber richtig entsprechend der Anweisungen des Herstellers im Auto angebracht werden.“

Laut der EU-Norm sind übrigens Sitze ideal, die direkt in die Konstruktion des Autos integriert werden können. Bei älteren Wagen ist das jedoch nicht möglich und man muss sich weiterhin auf die Sicherheitsgurte verlassen.

27-03-2019